König Numa

Während die nächste Ausgabe des Hacks-Journals Argos längst in Vorbereitung ist, nutze ich die Gelegenheit, hier noch einmal auf das letzte Heft, Argos 4, hinzuweisen, darin ein Aufsatz von mir enthalten ist, den ich - welch Wunder - für sehr lesenswert halte. Der Titel des Aufsaze lautet: Reichtum und Gleichheit, und der Text beschäftigt sich mit dem Schauspiel Numa, das Peter Hacks 1971 verfaßt hat.

Im Neues Deutschland erschien am 25. März dieses Jahres eine Rezension des Heftes, in der der Rezensent, Uwe Schwentzig, auf den Punkt brachte, worum es sich dabei handelt:

Wer oder was ist „Numa“? Wäre das von Interesse? Und ob. Anhand der Gestalt jenes mythischen König nämlich behandelte Hacks in seinem gleichnamigen Stück von 1971 immerhin die völlig unmythischen Grundfragen der Ära Ulbricht. Beidem gerecht zu werden, unternimmt in ‘Reichtum und Gleichheit’ Felix Bartels – und gewinnt, während er die Staatsidee von Hacks referiert, fernab wohlfeil gängigen Denunzierens und Moralisierens, mit Kenntnis und Klarheit flugs eine versachlichende Perspektive auf die DDR. Die sollte zumindest ernst, jedenfalls wahr genommen werden. Ein Text, der weit über seine Relevanz für die Literaturgeschichte hinaus einen exzellenten Beitrag zum aktuellen gesellschaftlichen Diskurs bietet.

Nun ist das ND nicht unbedingt eine Zeitung, in der man brauchbare Urteile zur Kunst oder der Geschichte der DDR erwartet, zu groß ist dort doch der Einfluß solcher Leute wie Gunnar Decker oder Hans-Dieter Schütt, weshalb mich der Ort dieser wirklich treffenden Berschreibung durchaus überrascht hat. Man fühlt sich fast verstanden: “versachlichende Perspektive” – genau darum geht es. Hysterische Kritik oder unbegründeten Beifall will ich nicht einmal geschenkt; was mich interessiert, das sind Gründe. Und Gründe sind überparteilich, außer eben für sich sebst. Es gibt nichts Fürchterliches als Leute, die glauben, daß sie sich um die Wahrheit nicht kümmern müssen, weil sie im Recht sind.

Kurzum: Mein Aufsatz Reichtum und Gleichheit ist in der Tat, wie Uwe Schwentzig sagt, mehr als nur eine literaturwissenschaftliche Arbeit. Er ist gewissermaßen auch die Grundlegung einer geschichtsphilosophischen Betrachtung der DDR, und wenn er Sympathien zum Gegenstand weckt, dann liegt das nicht im Trübungsgrad der Linse begründet, durch die die Betrachtung stattfindet, sondern in der Natur des Gegenstandes selbst, die ganz hervortreten zu lassen eine der Aufgaben war, die ich mir gestellt hatte.

Kommentare
  • [...] Schwentzig beschreibt treffend die Grundzüge von Bartels’ Arbeit: Seine literaturwissenschaftlichen Betrachtungen haben häufig einen Hang zum Geschichtsphilosophischen. Selbst wenn eine Sache bei ihm Sympathie erweckt, lässt er sich dadurch nicht beeinflussen, sondern bleibt bei der Natur des Gegenstandes. Alles Andere würde auch verwundern. Als Romantiker ist Felix Bartels noch nicht in Erscheinung getreten [...]

Hinterlasse einen Kommentar