Ich bin nun wirklich nicht für eine Sorte von Atheismus bekannt, der einfach nur ein anderes Wort für Geistlosigkeit ist. Die Erkenntnis, daß Gott nicht existiert, ist ganz billig zu haben, aber wie alle billigen Waren muß man auch diese zuvor von den Filzläusen befreien. Meine Erfahrung ist, daß Theologen in der Regel klüger sind als Atheisten, und meine Vermutung ist, daß das nicht darin liegt, daß es klüger ist, kein Atheist zu sein, sondern darin, daß es klug ist, den Atheismus allein keineswegs schon für eine Leistung zu halten. Erst wenn man in der Lage ist, den weltanschaulichen Gehalt, den die Religionen über die Jahrtausende angehäuft, transportiert und bewahrt haben, sich als Nicht-Gläubiger anzueignen, wenn man also zu einem Atheismus gefunden hat, der nicht bloß darin zufrieden ist, das Religiöse zu negieren, wird man die Religion wirklich überwunden haben. Der platte Atheismus dagegen ist nichts anderes als selbst eine Religion, abzüglich des geistigen Gehalts, wie sich versteht, und somit also dümmer noch als jede Religion, den Buddhismus freilich, in dem nun wirklich gar nichts enthalten ist, ausgenommen.
Und wie sich also aus dem heraus gleichfalls versteht, bin ich in der Tendenz eher zur Verteidigung eines Evangelisten aufgelegt als zu seinem Tadel. Und doch gibt es Passagen, bei denen selbst mir der Glaube abhanden kommt; hierzu z.B. zählt das berühmte Wort des Johannes, 1, 1-2:
Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort, und dasselbe war im Anfang bei Gott.
Ich bin ratlos. Soll man da wirklich mit dem Verstand rangehen? (weiterlesen…)