Ich rätsele ja immer noch über das Abhängigkeitsverhältnis: Folgt der Untergang des Abendlandes dem Untergang des Sozialismus, oder dieser jenem? Ich habe bislang eigentlich eher die erste Variante favorisiert, bin aber nun eines Reliktes ansichtig geworden, das mich zweifeln läßt.

Recto:

DDR-Orden

Verso:

DDR-Orden, hinten

Oho:

Auf sozialistische Art zu leben, erfordert auf sozialistische Art zu arbeiten

Da haben die Damen und Herren Arbeiterbefreier es also tatsächlich geschafft, in einem Satz von 11 Worten und zwei Perioden zwei Kommafehler zu setzen, und das, wohlgemerkt, auf einem Orden und nicht in einem KARO-Heft, auf dem “Herbert Biermann, 3. Klasse, Deutsch” steht. Tatsächlich gehört dort, wo das Komma steht, keines hin, während dort, wohin eines gehört, keins steht. Der erweiterte Infinitiv mit zu erfordert ein Komma, wenn die Infinitiv-Konstruktion objektwertig ist, und er erfordert kein Komma, wenn sie subjektwertig ist. Folglich hätte der Satz müssen korrekt so geschrieben worden sein:

Auf sozialistische Art zu leben erfordert, auf sozialistische Art zu arbeiten

Heißt es nicht, die Sprache ist das erste Opfer des Niedergang? – Müßte es aber. Kein Wunder, daß Hermann L. Gremliza sich vom Sozialismus abgewandt hat …

  7 Responses to “Vorbote des Untergangs”

  1. Wenn der Ährenkranz eckig sein darf, dann darf auch das Komma bekümmern. Ich halte dagegen die doppelte Moppelei des Emblems für ästhetisch anstößig.

  2. >> Kein Wunder, daß Hermann L. Gremliza sich vom Sozialismus abgewandt hat … <<

    Wohin hat sich Gremliza denn eigentlich gewandt?

  3. Jan Filip Geldsack

    Ah, die legende lebt.

    Wohin hat sich Gremliza denn eigentlich gewandt?

    Offenkundig beherrscht HLG die Kunst, sich von etwas abzuwenden, ohne sich etwas anderem zuzuwenden.

    Ich hätte lustig gefunden, wenn er dem Islam beigetreten wäre …

  4. Wenn der Ährenkranz eckig sein darf, dann darf auch das Komma bekümmern. Ich halte dagegen die doppelte Moppelei des Emblems für ästhetisch anstößig.

    Die Alternative wäre dann aber der Kopf Frieda Huckauf gewesen.

  5. >> Auf sozialistische Art zu leben erfordert, auf sozialistische Art zu arbeiten <<

    Jetzt mal vom Komma abgesehen: Also das ist auch inhaltlich scheiße. Das is son Satz wie: Ein Mann muss tun, was ein Mann tun muss;
    soll man das lesen und denken: hmm, wie tief, wie wahr das doch ist!
    Warum schreiben die da nicht was Vernünftiges drauf: Sozialismus ist Können, Wissen und Saufen, z.B., oder: e=mc², oder: Was du heute kannst besorgen, …

  6. Sie tun Gremliza Unrecht, wenn Sie ihn mit dem Sozialismus in Zusammenhang bringen. Er war bis 1989 in der SPD und ist immernoch ein Linker. Ich schätze, er hat seinen Namen danach nur allzu gern mit kommunistischen Ideen assoziieren lassen, aber ein Bekenntnis werden Sie vergeblich suchen. Seine Verdienste sind dennoch überwiegend solcherart, daß nicht nur die Gefühlsfortschrittler einigen Nutzen daraus ziehen können. Hacksens Einreihung von G. unter die Individualkommunisten ist m.E. einem Wunschdenken entsprungen.

  7. “Ein Mann muss tun, was ein Mann tun muss”

    Das funktioniert nur auf Englisch. Am man’s got to do what a man’s got to do.

    Übrigens, ist Ihnen aufgefallen, dass alle guten Sprüche sensationell platt sind?

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