Bartels spricht

Letzte Woche wurde ich von der Hacks-Seite gebeten, ein Interview zu den Perspektiven des Hacks-Lexikons, an dem ich gegenwärtig arbeite, zu geben. Ich bin dem vor ein paar Tagen nachgekommen, nun ist es veröffentlicht und so veröffentliche ich es auch hier:

www.peter-hacks.de Bis vor kurzem haben Sie unter dem Begriff Hacks-Enzyklopädie z.B. auf der Domain www.hacks-enzyklopaedie.de eine Reihe von Büchern zu Hacks angekündigt. Können Sie uns bitte kurz erläutern, was Sie unter der Hacks-Enzyklopädie verstehen?

Felix Bartels Die Idee zur Hacks-Enzyklopädie ist entstanden zu einem Zeitpunkt, an dem eine philologische Grundlagenarbeit zum Dichter Hacks nicht nur kaum vorhanden, sondern auch nicht absehbar war. Wir wollten das ändern, Peter Hacks also biographisch, begrifflich und werkbezogen urbar machen. Er tritt ja immer in einer Form an die Leser. Die Form gefällt natürlich, aber Wissenschaft beginnt dort, wo nicht nur die Erscheinung konsumiert, sondern ihr auch dahinter gekommen wird.

www.peter-hacks.de Und hierzu sollte die Hacks-Enzyklopädie dienen?

Felix Bartels Wir hatten fünf Bereiche, die den Gegenstand Hacks abdecken sollten: ein Begriffslexikon, um das Denken von Hacks lexikalisch aufzuschlüssen, einen Bereich zum poetischen Werk, worin sämtliche Dramen von Hacks in den bekannten Aspekten (Entstehungsgeschichte, Inhalt, formale Struktur, Deutungsansätze, Rezeption usf.) behandelt werden sollten, als dritte Abteilung eine Bibliographie mit beigeordneten Sonderverzeichnissen (Vertonungen, Verfilmungen, Aufführungen etc.); schließlich noch für die biographische Erschließung das ehrgeizige Vorhaben einer Tag-für-Tag-Chronik sowie ein Lexikon der Personen, die in Hacksens Leben, Denken oder Schaffen eine wichtige Rolle spielten. Intern war uns bezüglich der Chronik und des Personenlexikons klar, dass es eigentlich (weiterlesen…)

Wetterlage – Weltlage

Eisfahrrad

Kann sein, daß der Teufel den Mann aus dem Land reißt;
Nie kriegt er das Land aus dem Mann.
Wenn draußen die Schneekönigin in die Wand beißt,
Geht drin das Feuer an.

(Gerhard Gundermann)

Eschatologisches I

Die Maya sind ein merkwürdiges Völkchen. Sie wußten nichts von der Welt und kannten doch ihr Ende. Sie hatten einen merkwürdigen Kalender, der das Ende der Welt für den 21. Dezember 2012 vorsah. Leider ereignete sich das Ende dann ein paar hundert Jahre früher, und die wiederkehrenden Götter waren kaum größer als die Maya und sprachen Spanisch. Wie wir aber durch den Echtzeithelden und Träger des Agent-Mulder-Ordens II. Klasse, Erich von Däniken, belehrt sind, muß das Ende der Welt nicht notwendig am 21. Dezember 2012 eintreten. Die Umrechnung des Maya-Kalenders in den unseren könne schließlich auch falsch sein. Baut da schon jemand insgeheim vor für den Fall einer peinlich ausbleibenden Katastrophe am 21. Dezember 2012? Die Grundregel aller geschäftstüchtigen Propheten lautet: Sage nichts voraus, das noch zu deinen Lebzeiten eintreffen müßte. Und überhaupt, 21. Dezember! Hätte man nicht wenigstens bis Weihnachten warten können? Wie? Wer kurz vor dem Ende der Welt noch Weihnachten feiern wolle? Ich natürlich! Und wenn ich wüßte, daß morgen die Welt in tausend Stücke zerbräche, ich zöge noch heute los, eine Schrankwand zu kaufen.

Ja, ich habe es gesehen, das neueste Bildwerk Roland Emmerichs, des amerikanischsten aller Nichtamerikaner. 2012 ist ein spektakulärer Film. Die Story ist genrebedingt gebaut, die Zweitklassigkeit der Darsteller (den stets erstklassigen John Cusack ausgenommen) ist statthaft, denn hier kommt alles auf die Bilder der großen Naturkatastrophe an. Technisch ist der Film vollkommen, die Effekte gekonnt, was nach Maßgabe der naturalistischen Gattung Film bereits hinreichend sein müßte. Bilder zu machen, das ist die eigentliche Tugend des Films. Aber diese eigentliche Tugend ist eben nur bedingt kunstfähig, will sagen: Auch die besten Bilder retten einen Film dort nicht, wo keine gute Handlung sie zusammenhält. Und wie sich an dem technisch gleichfalls Maßstäbe setzenden Avatar sehr gut nachvollziehen läßt, verdrießt selbst bildhafte Perfektion, wenn das Werk sich der läppischen Weltanschauung eines JJ Rousseau bedient und von einer dramatisch äußerst unergiebigen Handlung getragen werden muß.

Natürlich gab und gibt es Einwände gegen 2012. (weiterlesen…)