Mai 102018
 

»Der Buchladen der Florence Green« von Isabel Coixet

Eine weibliche Stimme berichtet, Jahrzehnte zurückblickend, von den Begebenheiten um die Buchhändlerin Florence Green: »Sie sagte mir mal: Wenn wir eine Geschichte lesen, bewohnen wir sie. Der Einband eines Buchs ist wie ein Dach und vier Wände.« Die Sprecherin zitiert die Heldin des Films, die ihrerseits den Schriftsteller John Berger zitiert, der sich seinerseits auf Diderots theatralische Theorie bezieht. Diese Intertextualität der dritten Stufe ist mehr als bloß Fanservice für das mutmaßlich bibliophile Publikum des Films. Jene vier Wände bedeuten das Wesen von Fiktion überhaupt, die nur dort bestehen kann, wo sie sich selbst verleugnet, und das Denken in Zitaten scheint die natürliche Ausdrucksform einer Leseratte, die von Buch zu Buch kommt, es zwar bewohnen, aber nie ganz besitzen kann. Continue reading »