Die Vernunft kann alles auf den Begriff bringen: auch die Unvernunft. Die Unvernunft vermag nichts auf den Begriff zu bringen: nicht einmal die Unvernunft. Die Aufgabe der Vernunft ist folglich, keine Frage unbehandelt zu lassen; was sie nicht klärt, klärt keiner, und was sie geklärt hat, hätte kein anderer klären können. Es gibt keinen Grund für Zurückhaltung. Ihre dumme Schwester schließlich, die Unvernunft, beschränkt sich ja auch nicht und redet ebenso munter über die vernünftigen Dinge wie über die unvernünftigen.

Deswegen muß ein Freund der Vernunft sich gelegentlich auch mit abstoßenden Gegenständen befassen, aber gern tut er das natürlich nicht. Lieber befaßt er sich dem Schönen/Guten/Wahren, und obgleich ein dunkler Raum der Ausleuchtung dringender bedarf als ein heller, so gilt doch, daß selbst ein erhellter Raum nicht alles ohne Weiteres preisgibt. Auch Schatten wollen ausgeleuchtet sein, und Schatten sind nur, wo Licht ist.

Sie merken schon: Ich habe mal wieder was geschrieben und presse mir mit Not ein paar Worte darüber ab, um nicht einfach damit einleiten zu müssen, daß ich mal wieder was geschrieben habe. Ich habe also tatsächlich mal wieder etwas geschrieben, und zwar über den Klassik-Begriff von Peter Hacks – ein Gegenstand, von dem ich nicht zu sagen wüßte, ob es seine hellen oder seine schattigen Seiten sind, die ihn interessanter machen:

http://www.felix-bartels.de/wp-content/uploads/2011/07/Selbst-auf-den-Schultern-der-Gegner.pdf

 

Der Fahrplan steht, und: Bon voyage! Thomas Mann nannte es: Mit dem Bleistift lesen. Was zeigt, daß es zu seiner Zeit noch keine Marker gab. Der erste Schritt auf dem Weg zu einem Lexikon ist das Lesen der Quellen, das – wie wohl deutlich wird – intensive, langsame, gründliche Lesen, das Lesen mit Bleistift und Marker. Ein Bauer fährt nicht mit der Kutsche über seinen Acker, sondern mit dem Pflug. Und das, vielleicht, ist auch mein Credo: Plane wie ein Freiherr, arbeite wie ein Bauer.

Ich habe Ihnen vier Seiten aus den Maßgaben der Kunst abgelichtet, die einen Eindruck davon vermitteln mögen, wie das zugeht:

ph001

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Glauben Sie mir: Wenn ich nicht dazu komme, mein kleines Journal regelmäßig mit Einträgen zu füllen, dann weil mich Wichtigeres beschäftigt. Hieraus allerdings abzuleiten, daß ich an Beschäftigungslosigkeit leide, sobald hier wieder mehr los ist, gilt freilich nicht, weil diese Art Umkehrung, zumindest nach den Regeln der Logik, nie gilt.

Das Problem mit der Arbeit ist, daß sie selbst nicht interessiert. Interessant ist allein das Ergebnis. Und ich gebe mich somit zu erkennen als einer, der den festen Vorsatz hat, Sie zu langweilen, wenn er Ihnen jetzt einen Einblick in seine Arbeitsstube gewährt. Hier also, als Auszug von meiner Wandtafel, mein Arbeitsplan für die Fertigstellung des Hacks-Lexikons (und wenn Sie den Eindruck haben, daß meine Handschrift derjenigen von Peter Hacks gleicht, dann hätten Sie sie einmal vor zehn Jahren sehen sollen). Continue reading »

 

Letzte Woche wurde ich von der Hacks-Seite gebeten, ein Interview zu den Perspektiven des Hacks-Lexikons, an dem ich gegenwärtig arbeite, zu geben. Ich bin dem vor ein paar Tagen nachgekommen. Das Interview wird erscheinen in der sechsten Nummer des Argos, und lesen können Sie es bereits hier:

Bis vor kurzem haben Sie unter dem Titel eine umfassende Edition zu Hacks angekündigt. Können Sie uns bitte kurz erläutern, was Sie unter der Hacks-Enzyklopädie verstehen?

Felix Bartels Die Idee zur Hacks-Enzyklopädie ist entstanden zu einem Zeitpunkt, an dem eine philologische Grundlagenarbeit zum Dichter Hacks nicht nur kaum vorhanden, sondern auch nicht absehbar war. Wir wollten das ändern; den Hacks also biographisch, begrifflich und werkbezogen urbar machen. Er tritt ja immer in einer Form an die Leser. Die Form gefällt natürlich, aber Wissenschaft beginnt dort, wo nicht nur die Erscheinung konsumiert, sondern ihr auch dahinter gekommen wird.

Und hierzu sollte die Hacks-Enzyklopädie dienen.

Felix Bartels Wir hatten fünf Bereiche, die den Gegenstand Hacks abdecken sollten: ein Begriffslexikon, um das Denken von Hacks lexikalisch aufzuschlüssen, einen Bereich zum poetischen Werk, worin sämtliche Dramen von Hacks gemäß den üblichen Aspekten (Entstehungsgeschichte, Inhalt, formale Struktur, Deutungsansätze, Rezeption usf.) behandelt werden sollten, als dritte Abteilung eine Bibliographie mit beigeordneten Sonderverzeichnissen (Vertonungen, Verfilmungen, Aufführungen etc.); schließlich noch für die biographische Erschließung das ehrgeizige Vorhaben einer Tag-für-Tag-Chronik sowie ein Lexikon der Personen, die in Hacksens Leben, Denken oder Schaffen eine wichtige Rolle spielten. Intern war uns bezüglich der Chronik und des Personenlexikons klar, daß es eigentlich so gut wie unmöglich sein werde, das zu realisieren, weil uns einfach die Zeit und die Mittel fehlten, aber wir wollten nicht tiefer zielen als auf das beste Denkbare, und denkbar war das alles.

Sie wollten den ganzen Hacks in einem.

Felix Bartels In fünf Teilen, ja. Aber wir wollten Continue reading »

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