Unfähigkeit ist ein furchtbarer Antrieb
Peter Hacks

Theorien, die von Stalin in die Welt gesetzt wurden, tragen am Schicksal, schon deswegen als falsch zu gelten, weil es Stalin war, der sie in die Welt gesetzt hat. So wenig fair es ist, eine Theorie für ihren Urheber büßen zu lassen, doch die These vom Sozialfaschismus ereilte ein noch tragischeres Los: Vom Rest der Welt wird sie abgelehnt, da sie von Stalin stammt; von den Stalinisten wird sie abgelehnt, weil Stalin ab 1935 den braven Dimitroff die theoretisch unsinnige, aber politisch opportune Einheitsfrontthese an die Stelle der alten Theorie setzen ließ. Obgleich aber die Sozialfaschismusthese nicht abgelehnt wird, weil sie falsch ist, ist sie falsch. Sie reicht nicht hin, den Faschismus theoretisch zu erfassen. Nicht nur, weil sie mit einem unvollständigen Begriff arbeitet, sie behauptet auch hinter dem Treiben der Weimarer Republik ein konzertiertes Vorgehen, das offenkundig nie vorlag.

Was als Doppelstrategie des Imperialismus, als ein bewußtes Angebot einer weichen und einer harten Variante der Politik, erscheint, ist in Wahrheit einfach das, was herauskommt, wenn die zahllosen Idioten, deren Gesamtmenge man Volk nennt, ihre verschiedenartigen Neigungen ausleben. Aus der Perspektive der KPD mochte es wie ein doppeltes Spiel aussehen, bei dem die Kommunisten die Wahl hatten, sich entweder von den Nazis erschlagen oder von der SPD bündnisfähig machen zu lassen, welche Wahl also zwischen zwei verschiedenen Arten der politischen Niederlage bestand. Doch dieses Spiel als geplant zu interpretieren hieße, sowohl die Sozialdemokratie als auch den Faschismus, die beide auf eine an klugen Strategen und herausragenden Theoretikern nicht eben reiche Geschichte zurückblicken können, überschätzen. Man sagt – sagt man das? Wenn nicht, sage ich es jetzt –, man sagt also, für die Praxis spiele es keine Rolle, ob ein Spiel gemacht oder geworden ist, solange es nur funktioniert. Doch für die Theorie spielt es durchaus eine Rolle, und damit natürlich auch wiederum für die Praxis. Ich leugne nicht, daß Verschwörungen vorkommen, aber wer Verschwörungen zum Leitmotiv seiner politischen Theorie Continue reading »

 

Als der Zensus … Ja, Sie haben mich schon wieder dabei ertappt, wie ich verpätet auf die Bewegungen der Zeit reagiere. Aber seien Sie froh, daß ich überhaupt reagiere. Meine Denkart geht immer um sieben Ecken; das dauert länger, aber dafür habe ich immer recht. – Als der Zensus also bei mir klingelte, hatte ich ein Problem. Einfach reinlassen konnte ich ihn nicht, dafür müßte ich mich noch vor meinen Enkeln schämen. Am Zensus teilgenommen zu haben ist etwa ebenso peinlich wie ein Auftritt bei RTL2 oder ein Sitz auf der Anklagebank des IMG zu Nürnberg. Man versucht sowas zu vermeiden, denn es hängt einem lange nach. Ich konnte allerdings auch nicht Widerstand leisten, weil die etatistische Universaltheologie, der ich bekanntlich anhänge, das nicht gestattet. Keine Sorge, Sie werden nicht erfahren, wie ich mich entschieden habe. – An meinen Problemen will ich Sie teilhaben lassen, nicht an meinen Lösungen.

Nichts ist schwerer, als heute Etatist zu sein. Dauernd muß man den Leuten erklären, wie man es schafft, zwar für den Staat als solchen zu sein, aber dennoch – wie es der Anstand erfordert – gegen diesen. Ich helfe mir meist damit, daß die Bundesrepublik nicht wirklich ein Staat ist, so wie es ja auch Musik gibt, die man besser nicht Musik nennt. Einen Staat nenne ich eine gemeinschaftliche Organisation von Menschen zum Zweck der gerechten Verteilung von Reichtum, zivilen Rechten und politischen Möglichkeiten sowie zum Zweck der allgemeinen Ordnung des menschlichen Zusammenlebens. Sie sehen hieraus, daß die Bundesrepublik – die Tyrannis der praktizierten Ungerechtigkeit, der partikularen Interessen und gesellschaftlichen Unordnung – kein Staat ist. Oder jedenfalls kein guter. Doch mit diesem Gedanken kommt man beim Zensus nicht weit; man sollte einen Staat, der seine Aufgaben nicht erledigt, nicht ausgerechnet dort kritisieren, wo er es dann doch einmal tut.

Wirklich, ich bin kein Wutbürger. Ich verabscheue Datenschützer und wechsle die Straßenseite, wenn ich einem Bürgerrechtler begegne. Ich bin, zugegeben, durch Erfahrung verwundet. Ich habe Vera Lengsfeld und Petra Kelly reden hören; es gibt wenig, was schlimmer ist. Continue reading »

 

Es ist an der Zeit, daß das Journal für die elegante Welt, das sich den höheren Sphären verschrieben hat, sich auch einmal mit der wichtigsten Hauptsache der Welt befaßt: mit dem Fußball. Das Fußballspiel verhält sich wie das Absolute bei Hegel; es ist eine höchst erfreuliche Sache und will erkannt sein. Die Sprache wurde den Menschen gegeben, um sich über Fußball zu verständigen. In diesem Spiel wirkt und webt alles fort, was wir schön, gut und wahr nennen. Das Nachdenken über Fußball macht uns zu besseren und weiseren Menschen. Wer den Fußball liebt, kann – Clemens Tönnies einmal ausgenommen – kein schlechter Mensch sein.

Soweit die Hymne. Im vollen Ernst der Überlegung indes taucht die durchaus der Verfolgung werte Frage auf, wie das Fußballspiel gesellschaftlich zu verorten ist. Der Begriff des Sportes ist zwar zutreffend, aber kaum hinreichend. Er erklärt, warum Leute sich körperlich betätigen; er erklärt nicht, warum Leute anderen Leute bei körperlichen Betätigungen zusehen. Der Kontext, in dem solche Schau passiert, zeigt, daß es nicht die bloße Betätigung ist, die fasziniert. Interesse an einem Sport tritt ausschließlich im Zusammenhang mit Wettkämpfen auf. Und das führt auf den Begriff des Agon, der so alt wie die Gesellschaft selbst ist. Der Agon ist ein Element, von dem die gesamte griechische Antike durchdrungen ist. Es sind nicht allein die sportlichen Betätigungen von Olympia, die ja als Paradeigma unserer heutigen Olympischen Spiele hergehalten haben. Die griechische Sprache bereits arbeitet in ihrem regulären Partikel-Gebrauch (men … de … de …) viel stärker mit Entgegensetzungen, opponierenden Perioden, als die Syntax jeder anderen indogermanischen Sprache. Der alte Grieche reiht seine Gedanken wie ein Kampfrichter, der nacheinander die Kontrahenten in die Arena ruft. Welche Eigenart sich natürlich auch in der Rhetorik zeigt, die, begünstigt von politischen und juristischen Umständen (Ekklesia und Dikasterion), jeder Grieche der höheren Gesellschaft zu erlernen hatte und deren Ausübung den Alltag in einem Grad bestimmte, wie es heute kaum noch vorstellbar ist. Oder eben doch vorstellbar. Die Rhetorik, könnte man sagen, hatte in der Antike einen Stellenwert wie in der Jetztzeit der Fußball. Auch sie fand als Wettkampf statt; die Redner lernten, in der Rede die schwächere Sache zur stärkeren zu machen. Der Agon durchdringt die griechische Gesellschaft schließlich so sehr, daß selbst die Ausübung und Herstellung der Kunst im Zusammenhang von Wettkämpfen vonstatten geht. Der berühmte Certamen Homeri et Hesiodi ist vermutlich ohne historisches Vorbild und eine Imitatio des Agons zwischen Aischylos und Euripides in den Aristophanischen Batrachoi, aber zumindest die sind ganz dem Zeitgeist entnommen: Das gesamte attische Theater pflegte in Form des Wettkampfs ausgetragen zu werden. Und damit also bin ich dort, wohin ich gelangen wollte. Die Kunst kann ohne den Wettkampf und der Wettkampf kann ohne die Kunst bestehen, aber jene eigentümliche Vermischung im griechischen Theater zeigt, daß beides einander nicht ausschließt, und der nachhaltige Erfolg der griechischen Kunst legt gar den Verdacht nahe, daß Wettkampf der Kunst förderlich sein kann. Kann auch die Kunst dem Wettkampf förderlich sein? Wieviel Kunst steckt im Fußball, oder anders gesagt: Besteht die Fasziniation am Fußball wirklich allein darin, daß er als Agon ausgetragen wird? Es muß ja doch einen Grund geben, aus dem der Fußball und nicht etwa Gewichtheben oder Tiefsee-Schach jene gigantische Begeisterung in der weiten Welt hervorruft.

Ich wage die Überlegung, daß Fußball zu jener merkwürdigen Gattung der sinnlosen Künste gehört, zu denen auch die Kochkunst und die Architektur zählen. Sinnlos sind sie nicht, weil sie keine Continue reading »

 

Unlängst ging vor, daß meine Aufmerksamkeit durch zwei südstämmige Freunde auf den Wildbach-Toni gelenkt wurde, als welcher nun seinerseits durch einen Satz auffiel, dessen Genialität unzweifelhaft ist:

Wenn man sich an die Regeln hält, ist der Berg euer Freund.

Jeder Bergsteiger weiß: Wer den Berg bezwingen will, muß sich an seine Regeln halten. Wären unsere Politiker, Dichter und Denker ebenso einsichtig wie unsere Bergsteiger, dann … Ja, was dann? Wenn alle wären wie der Berg, bräuchten wir keine Berge mehr.

Überhaupt, der Berg – was für eine Metapher: einzeln, groß, ewig. All das, was zu verehren Grund besteht. Und so passierte es denn, daß sich zwischen ein paar Leuten der Ehrgeiz entwickelte, Berg-Aphorismen zu schmieden. Das Ergebnis der ersten (und mit Sicherheit auch letzten) Runde gebe ich hier gern wieder:

Der Berg und seine Regeln:

Die erste und einfachste Regel des Bergs lautet: Sei sein Freund!

Der Berg macht die Regeln.

Wenn ihr die Regeln macht, seid ihr Berg.

Doch Achtung: Nur Berge können Regeln machen.

Volkstümlich:

Wenn sich zwei streiten, dann freut sich der Berg.

Berg und Berg gesellt sich gern.

Was du nicht willst, daß man dir tu, das läßt dein Freund der Berg nicht zu. Continue reading »

 

Einen Berg zu besteigen ist wie Dichten. Da ist ein Gebirge. Da sind einige Berge. Jeder Berg ist Teil des Gebirges, aber er steht – gleich den poetischen Gattungen – immer auch für sich. Es gibt stets mehrere Wege nach oben. Es gibt aber an jedem Berg nur einen Weg bis ganz nach oben.

Die Bergsteiger nähern sich dem Berg gewöhnlich von verschiedenen Seiten, meist von derjenigen, auf der sie wohnen, und so nehmen sie also verschiedene Wege nach oben. Von denen, die auf den Wegen treten, die nicht bis ganz nach oben führen, schreiten einige in dem Wissen nach oben, daß sie die Spitze nie erreichen werden, andere hingegen leugnen das und erachten das Ziel ihres Weges für die eigentliche Spitze. Wieder andere leugnen, daß es überhaupt eine Spitze gibt und kraxeln munter um den Berg herum und probieren sich an all den Pfaden aus, die horizontal verlaufen. Und wieder andere bekommen es, sobald sie auf einen Weg treffen, der nach oben führt, mit der Angst zu tun, der Weg könne nicht bis ganz nach oben führen und meiden folglich den wie alle anderen, die nach oben führen.

Es muß jetzt aber noch erwähnt werden, daß jeder Weg auf dem Berg ausgeschildert ist. Schließlich wird der Berg in aller Regel seit Jahrtausenden schon bestiegen. Continue reading »

 

… und am siebten Tag sprach Gott der Herr zu Adam: Ich habe dich gemacht, und edel bist du, hilfreich und gut. Und tust nur, was dir richtig erscheint, und richtig erscheint dir, was du, ohne alle Rücksicht auf dich selbst, für richtig hälst. Und ich habe dir ein Weib gemacht, das genau ist wie du. Wahrlich, groß seid ihre beide und gleicht mir in vielem. Damit aber die Menschen dieses mein großartiges Werk in seiner ganzen Wahrheit und Größe erkennen mögen, werde ich hingehen und einen anderen Menschen machen, einen, der sich von dir und deinem Weib unterscheidet, einen, dem immer nur das richtig erscheint, was ihm selbst am liebsten ist, und der unfähig ist, etwas als wahr zu erkennen, das nicht dem entspricht, was ihm selbst frommt. Er soll aber auch unfähig sein, sein Eigenes als Eigenes zu erkennen. Er soll ganz abhängig sein von seinesgleichen und dem, was ihm Continue reading »

 

In einem Anfall von Bekennersucht …

Ach, ich hatte einfach mal Lust, den FAZ-Fragebogen zu beantworten. Im Fall die FAZ einmal auf die Idee kommt, mich zu befragen, ich aber gerade keine Zeit habe, mag sie sich die Antworten gern hier herauskopieren. (Soweit mein Beitrag zur Open access-Bewegung; alles weitere kostet …)

Was ist für Sie das grösste Unglück: Daß mein Tag nicht 48 Stunden hat.

Wo möchten Sie leben: “möchten” ist gut

Was ist für Sie das vollkommene irdische Glück: Zu tun, was man kann, und zu können, was man tut.

Welche Fehler entschuldigen Sie am ehesten: Was für eine Frage! die entschuldbaren natürlich.

Ihre liebsten Romanhelden: Continue reading »

 

Ich rätsele ja immer noch über das Abhängigkeitsverhältnis: Folgt der Untergang des Abendlandes dem Untergang des Sozialismus, oder dieser jenem? Ich habe bislang eigentlich eher die erste Variante favorisiert, bin aber nun eines Reliktes ansichtig geworden, das mich zweifeln läßt.

Recto:

DDR-Orden

Verso: Continue reading »

 

Mohammed war ein Prophet,
Der vom Fußballspielen nichts versteht.
Doch aus all der schönen Farbenpracht
Hat er sich das Blau und Weiße ausgedacht.

Wie der Kundige umgehend an der dilettantischen Handhabung des Metrums, der hemdsärmeligen Gedankenführung und der ungechlachten Wortwahl erkannt haben dürfte, handelt es sich hierbei um eine Stelle aus der Vereinshymmne des Fußballclubs Schalke 04. Unkundigen sei erklärt, daß Schalke 04 so etwas wie den Bodensatz der deutschen Fußballkultur darstellt. Der durchschnittliche Schalkefan spricht kein Hochdeutsch, verfügt (sofern dies Verbum in diesem Zusammenhang anbebracht ist) über einen etwa kniehohen Bildungsstand und trägt jeden Samstag eine Aldi-Tüte (blau-weiß) voller Bierdosen in ein Ding, das er Schalke-Arena nennt, woselbst er sich den Inhalt der Dosen im Laufe von 90 Minuten samt und sonders hinter seinen Schnurrbart kippt. Ist er mit Saufen und Grölen fertig, ordnet er sich gekonnt das fettige Haar und kehrt nach Hause zurück, wo eine Dame auf ihn wartet, die meist auf den Namen Monika hört. Er ist mit einem Wort das ganze Gegenteil von mir und blickt in Folge dieser Eigenschaften verächtlich auf die Fans anderer Vereine herab, die, wie er glaubt, allesamt Etepetete und keine “echten” Fußballfans sind. Man muß allerdings einmal die Fans anderer Vereine gesehen haben, um ganz erahnen zu können, was ein Schalkefan so für Etepetete hält.

Fußball, will ich damit sagen, könnte eine schöne Sache sein, gäbe es keine Fußballfans. Aber es gibt auch schlimmeres als Fußballfans; religiöse Eiferer z.B. Also haben sich kürzlich ein paar Muslime Continue reading »

Aug 022009
 

Ich bin nun wirklich nicht für eine Sorte von Atheismus bekannt, der einfach nur ein anderes Wort für Geistlosigkeit ist. Die Erkenntnis, daß Gott nicht existiert, ist ganz billig zu haben, aber wie alle billigen Waren muß man auch diese zuvor von den Filzläusen befreien. Meine Erfahrung ist, daß Theologen in der Regel klüger sind als Atheisten, und meine Vermutung ist, daß das nicht darin liegt, daß es klüger ist, kein Atheist zu sein, sondern darin, daß es klug ist, den Atheismus allein keineswegs schon für eine Leistung zu halten. Erst wenn man in der Lage ist, den weltanschaulichen Gehalt, den die Religionen über die Jahrtausende angehäuft, transportiert und bewahrt haben, sich als Nicht-Gläubiger anzueignen, wenn man also zu einem Atheismus gefunden hat, der nicht bloß darin zufrieden ist, das Religiöse zu negieren, wird man die Religion wirklich überwunden haben. Der platte Atheismus dagegen ist nichts anderes als selbst eine Religion, abzüglich des geistigen Gehalts, wie sich versteht, und somit also dümmer noch als jede Religion, den Buddhismus freilich, in dem nun wirklich gar nichts enthalten ist, ausgenommen.

Und wie sich also aus dem heraus gleichfalls versteht, bin ich in der Tendenz eher zur Verteidigung eines Evangelisten aufgelegt als zu seinem Tadel. Und doch gibt es Passagen, bei denen selbst mir der Glaube abhanden kommt; hierzu z.B. zählt das berühmte Wort des Johannes, 1, 1-2:

Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort, und dasselbe war im Anfang bei Gott.

Ich bin ratlos. Soll man da wirklich mit dem Verstand rangehen? Continue reading »

Jul 102009
 

Ich habe es gestern wirklich etwas übertrieben: In aller Hast schrieb ich meinen Eintrag; zur Zeit ja schaffe ich es noch, täglich einen zu schreiben. Die Frequenz wird über kurz oder lang sicher sinken, schon weil die Zeit, die mir meine Arbeit läßt, obgleich mein Eifer unvermindert ist, eigenartigerweise immer geringer wird.

Natürlich ist dieses Journal im Verhältnis zu meiner wirklichen Arbeit sekundär. Doch zur Korrektur des hier Geschriebenen sollte dann wohl doch genug Zeit sein. So flatterte mir gestern ein Poem meines lieben und überaus talentierten Freundes Konrad Astfalck ins Haus: Continue reading »

Jul 012009
 

Ja, ich und Kant, nicht: Kant und ich.

Das war nie eine besondere Liebesgeschichte. Natürlich ist man als normaler Mensch geradezu verpflichtet, sich für Kant zu interessieren, und so gab und gibt es auch bei mir ein stets lebhaftes Interesse an ihm. Allerdings starb das immer in dem Maße, in dem ich dann diesem Interesse Folge leistete und ihn las. Und es wuchs genau in dem Maße, in dem ich es dann wieder nicht tat. Es ist, als wäre da eine Stahlfeder zwischen uns, Kant und mir, pardon: mir und Kant: Repulsion und Attraktion sinken jeweils in genau dem Maße, in dem man diesen Strebungen nachgegeben hat. Die Lektüre erzeugt Abstinenz und umgekehrt. Allein deswegen also schon, weil ich unfruchtbare Bewegung und Entwicklung zu unterscheiden weiß, bin ich mit Kant nicht gut Freund. Continue reading »

 

Als aber die frühgeborene erschien, die rosenfingrige Eos …

Aller Anfang ist schwer, heißt es, und müßte doch heißen: Aller Anfang ist falsch. Der Anfang ist eine widersinnige Sache, in der gesetzt wird, was doch erst späterhin erlangt werden kann. Vielleicht war es dieser Gedanke, der Parmenides zu jenem Ausspruch brachte, wonach dorthin, von wo aus er anfange, er jedenfalls auch wieder zurückkehren werde. Fasse ich spätere Philosophen ins Auge, die ebenfalls die Frage nach dem Anfang gestellt haben – Aristoteles etwa, Kant und Hegel – so sehe ich, daß auch sie es darin nicht viel weiter gebracht haben als Parmenides. Mag sein, sie haben die Frage bereichert; die Antwort nicht. Continue reading »

© 2011 Neuestes vom Parnassos Suffusion theme by Sayontan Sinha