Die Vernunft kann alles auf den Begriff bringen: auch die Unvernunft. Die Unvernunft vermag nichts auf den Begriff zu bringen: nicht einmal die Unvernunft. Die Aufgabe der Vernunft ist folglich, keine Frage unbehandelt zu lassen; was sie nicht klärt, klärt keiner, und was sie geklärt hat, hätte kein anderer klären können. Es gibt keinen Grund für Zurückhaltung. Ihre dumme Schwester schließlich, die Unvernunft, beschränkt sich ja auch nicht und redet ebenso munter über die vernünftigen Dinge wie über die unvernünftigen.
Deswegen muß ein Freund der Vernunft sich gelegentlich auch mit abstoßenden Gegenständen befassen, aber gern tut er das natürlich nicht. Lieber befaßt er sich dem Schönen/Guten/Wahren, und obgleich ein dunkler Raum der Ausleuchtung dringender bedarf als ein heller, so gilt doch, daß selbst ein erhellter Raum nicht alles ohne Weiteres preisgibt. Auch Schatten wollen ausgeleuchtet sein, und Schatten sind nur, wo Licht ist.
Sie merken schon: Ich habe mal wieder was geschrieben und presse mir mit Not ein paar Worte darüber ab, um nicht einfach damit einleiten zu müssen, daß ich mal wieder was geschrieben habe. Ich habe also tatsächlich mal wieder etwas geschrieben, und zwar über den Klassik-Begriff von Peter Hacks – ein Gegenstand, von dem ich nicht zu sagen wüßte, ob es seine hellen oder seine schattigen Seiten sind, die ihn interessanter machen:
http://www.felix-bartels.de/wp-content/uploads/2011/07/Selbst-auf-den-Schultern-der-Gegner.pdf

