Die Geheimnisse des Fußballs

Es ist an der Zeit, daß das Journal für die elegante Welt, das sich den höheren Sphären verschrieben hat, sich auch einmal mit der wichtigsten Hauptsache der Welt befaßt: mit dem Fußball. Das Fußballspiel verhält sich wie das Absolute bei Hegel; es ist eine höchst erfreuliche Sache und will erkannt sein. Die Sprache wurde den Menschen gegeben, um sich über Fußball zu verständigen. In diesem Spiel wirkt und webt alles fort, was wir schön, gut und wahr nennen. Das Nachdenken über Fußball macht uns zu besseren und weiseren Menschen. Wer den Fußball liebt, kann – Clemens Tönnies einmal ausgenommen – kein schlechter Mensch sein.

Soweit die Hymne. Im vollen Ernst der Überlegung indes taucht die durchaus der Verfolgung werte Frage auf, wie das Fußballspiel gesellschaftlich zu verorten ist. Der Begriff des Sportes ist zwar zutreffend, aber kaum hinreichend. Er erklärt, warum Leute sich körperlich betätigen; er erklärt nicht, warum Leute anderen Leute bei körperlichen Betätigungen zusehen. Der Kontext, in dem solche Schau passiert, zeigt, daß es nicht die bloße Betätigung ist, die fasziniert. Interesse an einem Sport tritt ausschließlich im Zusammenhang mit Wettkämpfen auf. Und das führt auf den Begriff des Agon, der so alt wie die Gesellschaft selbst ist. Der Agon ist ein Element, von dem die gesamte griechische Antike durchdrungen ist. Es sind nicht allein die sportlichen Betätigungen von Olympia, die ja als Paradeigma unserer heutigen Olympischen Spiele hergehalten haben. Die griechische Sprache bereits arbeitet in ihrem regulären Partikel-Gebrauch (men … de … de …) viel stärker mit Entgegensetzungen, opponierenden Perioden, als die Syntax jeder anderen indogermanischen Sprache. Der alte Grieche reiht seine Gedanken wie ein Kampfrichter, der nacheinander die Kontrahenten in die Arena ruft. Welche Eigenart sich natürlich auch in der Rhetorik zeigt, die, begünstigt von politischen und juristischen Umständen (Ekklesia und Dikasterion), jeder Grieche der höheren Gesellschaft zu erlernen hatte und deren Ausübung den Alltag in einem Grad bestimmte, wie es heute kaum noch vorstellbar ist. Oder eben doch vorstellbar. Die Rhetorik, könnte man sagen, hatte in der Antike einen Stellenwert wie in der Jetztzeit der Fußball. Auch sie fand als Wettkampf statt; die Redner lernten, in der Rede die schwächere Sache zur stärkeren zu machen. Der Agon durchdringt die griechische Gesellschaft schließlich so sehr, daß selbst die Ausübung und Herstellung der Kunst im Zusammenhang von Wettkämpfen vonstatten geht. Der berühmte Certamen Homeri et Hesiodi ist vermutlich ohne historisches Vorbild und eine Imitatio des Agons zwischen Aischylos und Euripides in den Aristophanischen Batrachoi, aber zumindest die sind ganz dem Zeitgeist entnommen: Das gesamte attische Theater pflegte in Form des Wettkampfs ausgetragen zu werden. Und damit also bin ich dort, wohin ich gelangen wollte. Die Kunst kann ohne den Wettkampf und der Wettkampf kann ohne die Kunst bestehen, aber jene eigentümliche Vermischung im griechischen Theater zeigt, daß beides einander nicht ausschließt, und der nachhaltige Erfolg der griechischen Kunst legt gar den Verdacht nahe, daß Wettkampf der Kunst förderlich sein kann. Kann auch die Kunst dem Wettkampf förderlich sein? Wieviel Kunst steckt im Fußball, oder anders gesagt: Besteht die Fasziniation am Fußball wirklich allein darin, daß er als Agon ausgetragen wird? Es muß ja doch einen Grund geben, aus dem der Fußball und nicht etwa Gewichtheben oder Tiefsee-Schach jene gigantische Begeisterung in der weiten Welt hervorruft.

Ich wage die Überlegung, daß Fußball zu jener merkwürdigen Gattung der sinnlosen Künste gehört, zu denen auch die Kochkunst und die Architektur zählen. Sinnlos sind sie nicht, weil sie keine (weiterlesen…)

Weltgeist sieht Leipsch: Die Sogenannte

Unlängst habe ich vermocht, mich … – doch ich stocke, indem ich das schreibe. Gestern nämlich kam mir ein Buch eines gewissen Wolf Schneider unter die Nase, Deutsch fürs Leben, das von sich behauptet, ein Lehrgang der höheren deutschen Sprache zu sein und worin sich folgende Regel findet: “Mit Wörtern geizen”. Schreiben Sie, steht da, “also nicht: zu diesem Zeitpunkt, sondern: jetzt”, nicht: “keine Seltenheit”, sondern: “häufig”, nicht: “ließ an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig,” sondern: “war ziemlich deutlich” usw. Das Grundprinzip guter Sprache sei, niemals mehr zu schreiben als unbedingt notwendig. Man staunt dann im übrigen, was so alles nicht notwendig ist. Daß diese Regel fischig ist, vermag der Beobachter bereits daran zu erkennen, daß ihr die Kulturabschaffer aller politischen Lager, Puritaner wie Maoisten, Rousseauisten wie Fortschrittler, gleichermaßen und uneingeschränkt Beifall zu spenden geneigt sind (ja! : zu spenden geneigt sind, nicht: spenden). Für die faulsten Exemplare aller Obstkörbe sollte stets ein leerer Korb bereitstehen, in den man sie alle miteinander werfen kann. Kultur ist ihrem Wesen nach konservativ, die Abschaffer von Kultur daher entweder als Fortschrittler oder als Rückschrittler auftreten, meistens doch aber als Fortschrittler. Das Schlechteste läßt sich einmal am besten verkaufen, wenn man es als das Neueste anpreist. Was deutsche Sprache ist, lernt man bei Goethe und Thomas Mann. Es gibt auch andere, bei denen man es lernen kann, aber keinen, der nicht in jene Linie gehörte, die Mann und Goethe, als die zwei Gipfelpunkte, zwischen sich (Karl Kraus, Heine), nach hinten (Wieland, Lessing) und nach vorn (Arno Schmidt, Hacks) spannen. Ich kann der Menschheit nur dringend davon abraten, die Sprache Goethes zu einer Sprache Schneiders werden zu lassen. Stil ist genauer, auf Wirkung hin berechneter Sprachgebrauch. Notwendig an Sprache ist demnach alles, was die vom Autor gewünschte Wirkung erzeugt, und es ist nicht schwer zu begreifen, daß es Situationen gibt, in denen es durchaus angebracht ist, anstelle von “neulich habe ich” “unlängst habe ich vermocht” zu schreiben.

Unlängst also habe ich vermocht, mich über den Wolf Schneider der Malerei, Wolfgang Mattheuer, gar tüchtig zu echauffieren. Der Text, der nun dabei herauskam, war – ich muß es gestehen – eigentlich eine Digression. Mein ursprüngliches Vorhaben hatte ich darin, über meine Leipziger Eindrücke auf ein Phänomen zu sprechen zu kommen, das gemeinhin unter dem Schlagwort Leipziger Schule gefaßt wird und von dem ich behaupte, daß es kein Phänomen, sondern vielmehr ein wahrhaft leerer Begriff ist. Leere Begriffe nützen bestenfalls dem Logiker, und selbst der ist glücklicher, wenn er seinem Existenzquantor kein Negationszeichen voraussschicken muß. Aus Dingen, die existieren, lassen sich besser Ableitungen gewinnen als aus nichtexistenten Dingen. In phänomenologischen Disziplinen (zu welchen auch die Ästhetik zählt) ist der leere Begriff hingegen nicht nur ein Ärgernis, sondern schlechterdings ungestattet. Die Aussage, daß alle Welxen dumm sind, ist für den Logiker, der eher an der Struktur einer Aussage interessiert ist als an der Frage, ob die Dinge, über die geredet wird, tatsächlich existieren, immerhin noch eine Aussage, mit der man operieren kann. Für denjenigen, der berufsmäßig mit den Erscheinungen befaßt ist, ist die Aussage, daß die Leipziger Schule eine gute Schule ist, schlichtweg unsinnig, da sie ja unterstellt, daß eine Leipziger Schule tatsächlich existiert.

Ich habe, wie Sie wohl gemerkt haben, noch eben so verhindern können, das Thema erneut in einer Digression versanden zu lassen, was freilich nicht in jedem Fall bedauerlich wäre; es hängt ja ganz von der Beschaffenheit des Sandes ab. Am Strand von Samoa beispielsweise gibt es nicht ein Korn, das größer ist als die anderen, woran man … Ich rufe mich zur Ordnung. Die Leipziger Schule also, die ich, da ich ihre Existenz bezweifle, die sogenannte Leipziger Schule, oder kürzer und besser: die Sogenannte nennen will, war mir von jeher als Begriff suspekt. Ich erinnere mich meiner ersten Berühungen mit den Erzeugnissen (weiterlesen…)

Weltgeist sieht Leipsch: Der Jahrhundertkitsch

Es begann eigentlich ganz harmlos. Am letzten Tag der Buchmesse brachte ich die Zeit, die mir bis zum Abend blieb, auf die Weise rum, daß ich mir das von Leipzig ansah, wofür allein es mit Recht berühmt ist: die Werke seiner bildenden Künstler.

Leipzig selbst, man kennt es, reizt kaum zum Verweilen. Selbst wenn man die merkwürdig zielgerichtete Tristesse des Stadtbilds und die puritanische Geschäftigkeit ihrer Bewohner ignoriert, bleibt noch immer präsent, daß diese Stadt der Schoß der deutschen Misere und Unvernunft ist. Ich habe Leipzig einmal die Hauptstadt der romantischen Bewegung genannt, worauf mir die Städtenamen Berlin, Jena und Heidelberg entgegenflogen. Ich leugne auch deren Eignung für diesen Titel nicht, konnte aber mit dem Verweis auf die Bananenrevolution von 1989 und das antibonapartistische Happening von 1813 meine Widerredner zum Schweigen bringen. Volksfeste wider die Gesittung – gibt es romantischeres?

Leipzigs Künstler, sagte ich. Gewiß: auch ihnen haftet hier und da das Leipzighafte an. So habe ich mir etwa nicht erspart, im Vorbeigehen Mattheuers abgeschmackten Jahrhundertschritt einer Betrachtung zu unterziehen. Da stand er, dummdreist, dröhnend und häßlich (weiterlesen…)

Eschatologisches I

Die Maya sind ein merkwürdiges Völkchen. Sie wußten nichts von der Welt und kannten doch ihr Ende. Sie hatten einen merkwürdigen Kalender, der das Ende der Welt für den 21. Dezember 2012 vorsah. Leider ereignete sich das Ende dann ein paar hundert Jahre früher, und die wiederkehrenden Götter waren kaum größer als die Maya und sprachen Spanisch. Wie wir aber durch den Echtzeithelden und Träger des Agent-Mulder-Ordens II. Klasse, Erich von Däniken, belehrt sind, muß das Ende der Welt nicht notwendig am 21. Dezember 2012 eintreten. Die Umrechnung des Maya-Kalenders in den unseren könne schließlich auch falsch sein. Baut da schon jemand insgeheim vor für den Fall einer peinlich ausbleibenden Katastrophe am 21. Dezember 2012? Die Grundregel aller geschäftstüchtigen Propheten lautet: Sage nichts voraus, das noch zu deinen Lebzeiten eintreffen müßte. Und überhaupt, 21. Dezember! Hätte man nicht wenigstens bis Weihnachten warten können? Wie? Wer kurz vor dem Ende der Welt noch Weihnachten feiern wolle? Ich natürlich! Und wenn ich wüßte, daß morgen die Welt in tausend Stücke zerbräche, ich zöge noch heute los, eine Schrankwand zu kaufen.

Ja, ich habe es gesehen, das neueste Bildwerk Roland Emmerichs, des amerikanischsten aller Nichtamerikaner. 2012 ist ein spektakulärer Film. Die Story ist genrebedingt gebaut, die Zweitklassigkeit der Darsteller (den stets erstklassigen John Cusack ausgenommen) ist statthaft, denn hier kommt alles auf die Bilder der großen Naturkatastrophe an. Technisch ist der Film vollkommen, die Effekte gekonnt, was nach Maßgabe der naturalistischen Gattung Film bereits hinreichend sein müßte. Bilder zu machen, das ist die eigentliche Tugend des Films. Aber diese eigentliche Tugend ist eben nur bedingt kunstfähig, will sagen: Auch die besten Bilder retten einen Film dort nicht, wo keine gute Handlung sie zusammenhält. Und wie sich an dem technisch gleichfalls Maßstäbe setzenden Avatar sehr gut nachvollziehen läßt, verdrießt selbst bildhafte Perfektion, wenn das Werk sich der läppischen Weltanschauung eines JJ Rousseau bedient und von einer dramatisch äußerst unergiebigen Handlung getragen werden muß.

Natürlich gab und gibt es Einwände gegen 2012. (weiterlesen…)

Was ist ein guter Dialog?

In der Frage, was einen guten Dialog ausmache, steckt zugleich die Frage, woran ein schlechter Dialog kenntlich sei. Ein schlechter Dialog ist einer, dessen Inhalt auch in anderer Form, z.B. in linearer Rede oder in einem Traktat hätte ausgestellt werden können. Wenn, was in einem Dialog verhandelt wird, nicht notwendig in Dialogform verhandelt werden mußte, muß der Dialog als schlecht gelten, gleich wie unterhaltsam, kunstvoll, gedankentief oder originell er im übrigen ist.

Ein guter Dialog kann sich nur dort entwickeln, wo eine geeignete Ausgangslage vorliegt. Eine solche sehe ich allein gegeben, wenn die Positionen aller Teilnehmer, die in einem Dialog aufeinandertreffen, so beschaffen sind, daß erstens keine von ihnen selbst die höchstmögliche Erkenntnis bereits enthält, gedankliche Totalität herzustellen also durchaus erst Aufgabe des lebendigen Dialogverlaufs ist, und wenn sie zweitens einander auf eine solche Art begegnen, daß eine produktive Steigerung über die einzelnen Positionen der Teilnehmer hinaus möglich ist.

Die erste Bedingung ist wichtig, weil in dem Fall, in dem (weiterlesen…)

Über das Bergsteigen

Einen Berg zu besteigen ist wie Dichten. Da ist ein Gebirge. Da sind einige Berge. Jeder Berg ist Teil des Gebirges, aber er steht – gleich den poetischen Gattungen – immer auch für sich. Es gibt stets mehrere Wege nach oben. Es gibt aber an jedem Berg nur einen Weg bis ganz nach oben.

Die Bergsteiger nähern sich dem Berg gewöhnlich von verschiedenen Seiten, meist von derjenigen, auf der sie wohnen, und so nehmen sie also verschiedene Wege nach oben. Von denen, die auf den Wegen treten, die nicht bis ganz nach oben führen, schreiten einige in dem Wissen nach oben, daß sie die Spitze nie erreichen werden, andere hingegen leugnen das und erachten das Ziel ihres Weges für die eigentliche Spitze. Wieder andere leugnen, daß es überhaupt eine Spitze gibt und kraxeln munter um den Berg herum und probieren sich an all den Pfaden aus, die horizontal verlaufen. Und wieder andere bekommen es, sobald sie auf einen Weg treffen, der nach oben führt, mit der Angst zu tun, der Weg könne nicht bis ganz nach oben führen und meiden folglich den wie alle anderen, die nach oben führen.

Es muß jetzt aber noch erwähnt werden, daß jeder Weg auf dem Berg ausgeschildert ist. Schließlich wird der Berg in aller Regel seit Jahrtausenden schon bestiegen. (weiterlesen…)

80 Jahre Tübke, angemessen begangen

Vor genau 80 Jahren, am 30. Juli 1929, wurde Werner Tübke geboren. Er feiert heute folglich seinen 80. Geburtstag, und es ist traurig, daß wir ihn ohne ihn feiern müssen.

Werner Tübke, Selbstbildnis

Werner Tübke, Selbstbildnis

Andererseits: Der Tod von Klassikern ist ihre eigentliche Geburt, und daß Werner Tübke ein Klassiker ist, daran hat schon zu seinen Lebzeiten kaum einer gezweifelt. Ich zögere nicht, Tübke den größten Maler des 20. Jahrhunderts zu nennen. Es ist wohl weniger schwer, der größte Maler des 20. Jahrhunderts zu sein als z.B. des 16., aber immerhin hat das 20. auch ein Genie wie Dali hervorgebracht, der handwerklich vollkommen ist und an dem einzig ein gewisser Hang zur inneren Leere verdrießt. In Tübkes näherem Umfeld befanden sich Künstler, die nicht unbedingt zu den schlechtesten ihrer Zeit zählen, wie etwa Zander, Heisig und Mattheuer. Man mag sie derselben Schule zurechnen oder nicht, man mag einem jeden von ihnen seine eigene Unüberholbarkeit (weiterlesen…)

75 Jahre Kirsch

Zwölf Meter im Quadrat, ein Laken, Wein
Und über uns das Weltall stürzt nicht ein.

endet eines seiner schönsten Gedichte. Man wünscht, die Welt wäre wirklich so. Aber das eben ist, was Kunst macht: sie macht uns wünschen. Und sei es nur Glück wünschen wie in diesem Fall dem Rainer Kirsch, einem großen Lyriker, der heute seinen 75. Geburtstag feiert.

Daß hinter dem Lyriker Kirsch auch immer ein Kopf steckte, der ebenso wichtige Gedanken aus seinem Dichten zog wie er auch sein Dichten gedanklich untermauerte, wurde oft übersehen. Zu oft. Vielleicht ist es das traurige Schicksal der Lyriker, daß niemand ihnen glaubt, daß sie hinter ihren Versen auch noch Gedanken haben. Es geistert beim Worte Lyriker im Common Sense weithin das Bild eines ganz naturwüchsigen Poeten um, der seine Dichtung eher intuitiv, ganz ungedanklich, ausschließlich im Affekt hervorbringt und der keiner anderen Reflexionen fähig ist als der allersubjektivsten. Das mag sicher auf die meisten der gegenwärtigen Lyriker treffen; ihre Gedichte sind ja dann auch entsprechend. – Auf Kirsch trifft es nicht.

Aus diesem Grund möchte ich den Anlaß des Jubiläums nicht mit einem Kirsch-Gedicht begehen, sondern mit einer theoretischen Reflexion, die Rainer Kirsch im Januar 1980 in einem Interview mit Rüdiger Bernhardt in die Welt gesetzt hat und von der ich meine, daß sie den klassischen Kunstgedanken auf makellose Weise zur Anschauung bringt: (weiterlesen…)

Betriebsblind

Folgenden Absatz habe ich mit eigenen Augen im Editorial der Präsentation des Dramen-Kanons von Marcel Reich-Ranicki gelesen:

Gelegentlich hört man, es sei nicht immer ganz leicht, ein Stück zu lesen. Denn der Autor, der doch im Theater die Hilfe eines Regisseurs, der Schauspieler und eines Bühnenbildners in Anspruch nimmt, appelliert beim lesenden Publikum stets an dessen Vorstellungsgabe. Das ist schon richtig, aber die hohe, die ganz große Freude bereitet immer jene Literatur, deren Lektüre auch etwas mühevoll ist. Ob wohl Hegel daran dachte, als er provozierend schrieb, das Drama sei »die höchste Stufe der Poesie und der Kunst überhaupt«?

Ich halte eigentlich (weiterlesen…)

Dichterliebe II

Ohne eine wirkliche Rezension anzustreben, will ich den heutigen Eintrag meines Journals der Besprechung des gestern bereits vorgestellten Buchs widmen.

Dichterliebe ist eine eigentümlich faszinierende Mischung aus gut recherchierter Biographie und ansprechend erzählter Lebensgeschichte: ein biographischer Roman also oder eine kunstvolle Biographie. Es ist eben dieselbe Mischung aus Kunst und Wissenschaft, die den Studien von Heidi Urbahn de Jauregui überhaupt eigen ist. Sie ist in dieser Frage entschieden französisch. Die deutsche Eigenart, alles dem Gedanken unterzuordnen, selbst auf Kosten der Lesbarkeit, ist ihr fremd.

Das Buch nimmt zunächst durch seine inhaltliche Fülle für sich ein. Jeder Mensch von Geschmack liebt Bücher, die nicht müde werden, den Leser mit einer Kanonade vorzüglicher Ideen unter Beschuß zu nehmen. Von diesen vorzüglichen Ideen (weiterlesen…)