2015

 

2015, 12, 31

Gedichte, deren Urheber zu sein ich stets leugnen werde #17

Utopie & Wissenschaft

Das neue Jahr bald aus dem Ei ist.
Weckt mich bitte, wenns vorbei ist

2015, 12, 30

Meine Frau will zu Silvester nicht »Peters Friends« sehen. Ist ihr emotional zu aufwühlend. Jetzt gucken wir »Phantom-Kommando«, und zwar in der von Pro7 auf 70 Minuten zurechtgehackten Version. Hat sie nun davon.

2015, 12, 30

Das Buchgeschäft ist eine lustige Branche. Man arbeitet dort für sein Geld oft zweimal. Einmal, um es zu verdienen. Und das zweite Mal, um es dann auch zu bekommen.

2015, 12, 29

Es gab ja auch keinen logisch nachvollziehbaren Grund, aus dem die 52. Kalenderwoche, obgleich schöner als die anderen, klüger hätte werden sollen. Auf Twitter vergleicht der unvermeidliche Augstein das SWC mit einer Regierung, die Gesetze gegen ihre Kritiker erlässt, aus keinem anderem Grund als dem, dass das Center Augsteins zirkulierende Hetze ein paar Mal nicht unwidersprochen gelassen hat. Bei kolumnisten.de bestärkt einer namens Wallasch die Rechtspopulistin Wagenknecht in ihrer Dummheit, und zwar anlässlich der Aussage, kollaterales Töten von Zivilisten sei mindestens genauso verbrecherisch wie vorsätzliches. Im Deutschlandradio fragt man Axel Honneth auf dem Höhepunkt der Krise des Kapitalismus, ob der Sozialismus noch eine Chance habe, statt vernünftigerweise zu fragen, welche Chancen der Menschheit denn abgesehen vom Sozialismus überhaupt noch denkbar scheinen. Und dann stirbt auch noch Lemmy Kilmister. Persönlich tragisch, sicher, und eine Type war er wohl auch, aber ich habe noch nie bewusst einen Song von ihm gehört. Eine Freundin schickt mir ein paar Links, um mich auf den Moment einzustimmen. Ich schreibe ihr gleich beim Hören des ersten zurück: »Kann der nich singen, oder will er nich?« Seitdem schweigt sie. Schönen Dank auch, Lemmy.

2015, 12, 28

Immer wenn Weihnachten vorbei ist und die Postbeschenkungsdepression einsetzen sollte, sorgt mein Geburtstag für eine zweite Runde. Das reicht, bis zum Jahresende durchzuhalten.

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2015, 12, 27

Gedichte, deren Urheber zu sein ich stets leugnen werde #15

Was immer geschieht:
Nie dürft ihr so weit gehen,
Den Schweigerfilm, den ihr verreißt,
Auch noch zu sehen.

2015, 12, 27

Ich war mit »Interstellar« nicht zufrieden. Obwohl der Film ja tatsächlich eine gewisse Größe hat. Die Größe kommt durch den Versuch zustande, an die Grenze zu gehen und wiederum, wie oft bei Nolan, die Story in einer eigentümlichen Welt zu bauen, die wahlweise vergangen, magisch, phantastisch oder futuristisch ist. Es soll ein großer Wurf sein, aber mich stört, wie auch öfter bei Nolan, die Löchrigkeit in der Ausführung. Es ist sehr schwer, eine Story schlüssig zu machen, wenn man sie auf vollständig eigener Basis aufbauen muss. In der Erzählung wird eine eigenständige Welt behauptet, und die muss in sich funktionieren. Eine Welt zu schaffen, das ist gar nicht so leicht. Selbst Gott ist daran gescheitert. Wenn man in einem System Änderungen vornimmt, hat das mehr Folgen als nur diese Änderungen selbst. Jede Änderung ergibt Implikationen und Prämissen. Das bis zum Ende durchzurechnen ist die große Schwierigkeit, und Nolan macht es sich nicht leicht, weil er halt immer diese großen utopischen, ganzheitlichen Entwürfe vorzeigen will. Bei »Interstellar« löst er die Handlung am Ende durch eine nicht einmal ansatzweise ausbuchstabierte Esoterik auf, und die mag ich nicht. Der Film zerfällt leider in einen sehr guten Hauptteil und ein Ende, das vieles verdirbt. (Denkbar, dass ich bei Nolan zu kritisch bin. Ich zehre eigentlich seit Jahren von »The Prestige« und messe alles von ihm daran.)

2015, 12, 24

»Weißt Du, Aschenbrödel und Scarlet Overkill haben keine Chance, die Elsa zu besiegen.«

Vierjähriger Cineast

2015, 12, 24

Es ist nicht neu, was Magnus Klaue feststellt, aber es sollte alljährlich wiederholt werden: »Dabei könnten sie von Glühweintrinkern lernen, was jeder weiß, der einmal Kind war: Gänsebraten schmeckt wirklich gut, und Schenken macht glücklich.«

http://jungle-world.com/artikel/2015/49/53124.html

2015, 12, 24

Verwandtschaft hat unser Haus gekapert und guckt gerade »Drei Haselnüsse für Aschenbrödel«. Auch das wird mir nicht meine jährliche Freude an der 52. Kalenderwoche verderben.

2015, 12, 21

Der Berufsweg des Sohnes (4,4) scheint damit wohl auch festzustehen:

»Weißt du, der N. möchte gern mein Freund sein. Und ich bin manchmal sein Freund. Aber wenn der mich ärgert, will der eigentlich mein Freund sein. Der weiß manchmal nicht, wie man das richtig macht.«

2015, 12, 21

Gestern abend dann der Höhepunkt der Woche. Ausgiebig mit meiner Frau die Streitfrage erörtet, ob Ernies abweichendes Verhalten eher als Autismus oder als Sadismus zu klassifizieren ist.

2015, 12, 21

Die Zionskirche ist der Wurmfortsatz von Berlin. Ich weiß, wovon ich rede. Ich musste 30 Jahre lang täglich daran vorbeigehen, ohne gegen die Mauer pinkeln zu dürfen. Wenn sie jetzt die Lichtschwerter zücken und einem neomystizistischen Kult huldigen, ist es nur eine Frage der Zeit, bis die Gemeinde sich zu Graves-Lesekreisen trifft und geschlossen zu Wicca überläuft.

http://www.salzburg.com/nachrichten/welt/kultur/sn/artikel/das-erwachen-der-macht-star-wars-gottesdienst-in-berlin/

2015, 12, 19

Zu Hitler fällt mir immer noch nichts ein.

http://www.n-tv.de/panorama/Hitler-hatte-nur-einen-Hoden-article16606301.html

2015, 12, 17

Beim Sortieren einiger Audioaufzeichungen öffne ich eine Datei mit einem älteren Vortrag von mir. Der Sohn hört meiner Stimme zu, die gerade irgendwas über den Begriff der ästhetischen Gattung redet, und ruft mit einem Mal emphatisch: »Das ist wahr! Das ist wahr, was du das sagst!«

2015, 12, 14

Wie ich das hasse, wenn ich Leuten Texte gebe, an denen ich zwei Wochen lang geschrieben habe, und die die dann an einem Nachmittag durchlesen.

2015, 12, 13

Es ist ja nicht alles schlecht am Leben in einer Kleinstadt. Neulich hatte ich unbegreiflicherweise Appetit nach Schlemmerfilet a la Bordelaise. Und dann habe ich es doch nicht gekauft, weil ich dachte: Was werden bloß die Nachbarn von mir denken?

2015, 12, 12

Mein Telephon hat gerade »World of Warcraft« zu »World of Wallraff« korrigiert.

2015, 12, 11

Über den Kapitalismus schimpfen, aber Possesivpronomen in Anreden unterbringen.

»Mein lieber Herr Bartels,
im allgemeinen schreiben Sie schon recht kluge Dinge; umso unverständlicher ist es mir immer wieder, warum Sie sich gedrängt fühlen, gerade den US-amer. Kapitalismus zu verteidigen.
Wie wäre es denn z.B. mit der Überlegung, bevor Sie überhaupt nach den Schuldigen am Terror fragen, zuerst mal Ihre eigene Definition von Terror mit den kapitalistischen Gegebenheiten abzugleichen – Terror herrscht nämlich nicht nur dann, wenn es Claus Kleber im heute-Journal (auch ZDF, direkt vor der Anstalt) verkündet.
Der alltägliche Terror der Marktwirtschaft läßt jährlich einfach mal x Millionen Kinder verhungern, der Terror der Drogenkartelle läßt in Mexico 30000 Menschen sterben, der Terror der H&M-Produzenten läßt in Bangladesh 1000 Menschen in einer einstürzenden Werkshalle sterben, naja, und vom Bombenterror in Vietnam, Laos, Kambodscha zu reden wäre wahrscheinlich plump antiamerikanisch… – kurz gesagt: Kapitalismus minus Scharia ist auch schon ganz schön scheiße.
Ihre Anklage erschiene ja noch sinnvoll, wenn die Komiker von der Anstalt entschiedene Verfechter der dt. Regierungspoltitik wären; da sie gerade das mit zuweilen fast peinlichem Pathos nicht sind und gerne auch verschiedene andere böse Wichte, ob aus Russland, Türkei, Syrien oder auch aus Saudi-Arabien anprangern, müssen es wohl andere Gründe sein, die Sie bewegen.
Sollte es gar eine nur dürftig versteckte Islamkritik sein, die Sie demnächst beschwichtigen läßt: Ich bin ja kein Rassist, aber einen PEGIDA-Redebeitrag kriege ich auch noch zusammen!«

Obwohl ich immer noch nach der Stelle suche, an der ich die Politik der USA oder den Kapitalismus verteidigt habe, trifft mich diese Kritik ins Mark. Sollte der Eindruck möglich sein, dass ich meine Abneigung gegen expansive Weltreligionen versteckt halten möchte?

2015, 12, 10

Die Übersetzung der Martenstein-Kolumne in die Weihnachtsplastik, oder: Ja, ich wollte einfach mal wissen, wie sich das anfühlt, etwas tun zu müssen, was man nicht kann.

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2015, 12, 09

Gedichte, deren Urheber zu sein ich stets leugnen werde #14

Wagners Töne evozierend
Tut sich vor mir auf der Rhein.
In der warmen Rheinbahn frierend
Stört mich selbst der Sonnenschein.

Burg an Turm und Turm an Burg
Reiht zur Regel sich Romantik.
Eine Hütte wird zum Prunkstück
Wie ein Veilchen am Atlantik.

Wieder Wagner – Komm, mach Pause,
Gönn mir eine Gnadenfrist.
Ich, der ich am Neckar hause,
Weiß auch so, was Rheinneid ist.

2015, 12, 09

Ich sitze im IC von Bonn nach Heidelberg. Links zieht der Rhein vorbei. Neben mir sitzt Heino, riecht nach Griebenschmalz und studiert eine Partitur von Schostakowitsch. Irgendwas kann hier nicht stimmen.

2015, 12, 08

Ich bin auf dem Weg nach Bonn, wo ich über Neos, Homophobie, Islamismus, Pegida, Friedensbewegung und andere Formen des Irrationalen lesen werde. Da freue ich mich, noch auf dem Absprung zu erfahren, dass es ab heute eine dieser Formen weniger gibt. Jakob Augstein hat am Wochenende den Antisemitismus abgeschafft. Darauf einen Becher braune Milch.

»›Was die völkische Bewegung der Vorväter zusammenhielt und ihr zugleich als Kraftquelle diente, war … die schwarze Milch des Antisemitismus.‹ Aber das ist Vergangenheit. Man hat bei AfD- und Pegida-Demonstrationen im schwarz-rot-goldenen Meer der Deutschlandfahnen auch schon das fröhliche Weiß-Blau der israelischen Flagge gesehen.«

2015, 12, 07

Diese Geheimregenten lassen sich ganz schön was einfallen, um die Truther auf Trab zu halten.

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2015, 12, 07

Die Ankunft der Karre und unser Spieltrieb wurden erwartungsgemäß zur Komplikation. Ich hatte die Idee, das Auto in Mannheim anzumelden, wegen des Kennzeichens MA. Gegen einen Spottpreis von 50 kann man ein R und ein X dazu kaufen. Das Kennzeichen MARX 42 wäre zu haben gewesen. Natürlich hätten wir dann immer darauf hingewiesen, dass die 42 weder Douglas Adams noch Stalingrad, sondern den späten Band mit den Grundrissen meint. Doch alles fürn Arsch. Wir sind verpflichtet, das Heidelberger Kennzeichen (HD) zu führen, solange wir keinen Zweitwohnsitz in Mannheim führen. Der Moment dieser Erkenntnis war, ich versichere, der einzige je, in dem ich bereut habe, nicht nach Mannheim gezogen zu sein.

2015, 12, 06

Gestern die befremdliche Idee gehabt, dass die elend langen Hollywood-Abspänne, in denen selbst die Catering Services noch aufgeführt werden, die Antwort auf Brechts »Fragen eines lesenden Arbeiters« sind. Der große Spielberg drehte »E.T.« Hatte er nicht wenigstens einen Koch dabei?

2015, 12, 05

Ich habe das Spiel natürlich nicht gesehen, aber ich war in der Heidelberger Mensa, als das 3:0 fiel. Ich mag eigentlich beide Mannschaften. Aber dieser Blick von Thomas Müller, diese torfdummen Augen, in denen 10.000 Jahre agrikulturelle Einfalt aufbewahrt sind und die in diesem Moment zu sagen schienen: Wasn hier los?, ich weiß doch auch sonst nicht, was ich tue, und es klappt immer … – Diese Augen, unbezahlbar.

2015, 12, 04

Seit der Sohn »Frozen« gesehen hat, pflegt er ein neues Hobby, Elsa-Apologie. »Stimmts, die Elsa ist kein Monster, die ist nur eine ganz normale Schwester. Da hat die Anna recht.« … »Die Elsa kann mehr als nur andere ausschließen, stimmts?« … »Die Leute sind nur gegen die Elsa, weil die Angst vor ihren Kräften haben.« Ich geh jetzt erstmal ein Eis essen.

2015, 12, 03

Der neue Standardsatz im Hause Bartels lautet: Unter Koizumi gab es sowas nicht.

2015, 12, 01

Die durchschnittliche Zeit, die ein durchschnittliches Gespräch zwischen durchschnittlichen Odenwäldern im durchschnittlichen Nahverkehr benötigt, um von der furchtbaren Belastung durch die Flüchtlinge auf die Ostdeutschen zu kommen, die man noch heute mit eigenen Händen durchfüttere, beträgt 2:07 Minuten.

2015, 11, 30

Wenn ich wissen will, wie Transzendentes sich anfühlt, stelle ich mir vor, wie es ist, Alfred Draxler zu sein und seine Sorgen zu haben.

»#Olympia2024 Das Nein steht fest! Eine Katastrophe für den Standort Deutschland! Gute Nacht! #München #Hamburg«

2015, 11, 30

Während einer Initiativbewerbung um gegenwärtig aus politischen Gründen nicht existente Stellen von Blockwarten fühlen Bremer BDS-Großmütter die Tragik der späten Geburt.

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2015, 11, 30

Aus der Reihe: Andere machen auch gute Bücher

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2015, 11, 30

Aha.

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2015, 11, 29

Heute morgen mit dem Sohn (4,4) ein Gespräch über die »Deutsche Ideologie« geführt:

Ich: Du spielst das so schön. Willst du später mal Puppenspieler werden?

James: Ja, und Bauarbeiter.

Ich: Und abends Kritiker, he?

James: Ja, Kritiker will ich auch werden.

2015, 11, 28

Dass Norbert Gastell jetzt tot ist, ist ein wenig, Es ist ein bisschen, als sei Homer selbst gestorben.

2015, 11, 27

Kalauer, die man sich erstmal trauen muß #25

Produktivität und Genuss: Der Weg zum Kommunismus führt nur über Hummer und Sichel!

2015, 11, 26

Die Sache mit Zizek beginnt nicht erst bei seinen Drogen oder dabei, dass er sich gern volkstümlichen Richtungen gefällig oder antisemitische Faxen macht. Es ist sein intellektuelles Profil insgesamt. Ich will nicht soweit gehen zu sagen, dass es egal sei, was einer für eine philosophische Idee verfolgt, mit welchen Methoden er arbeitet usw. Aber es gibt eigentlich immer verschiedene Möglichkeiten, auf die Sachverhalte zuzugreifen. Wenn man sie sinnvoll nutzt, ist vieles möglich. Die wichtigste Eigenschaft, die ein Philosoph haben sollte, ist Ernsthaftigkeit. Damit meine ich eine innere Disposition gegen Albernheiten und Darstellerei, nicht Abwesenheit von Humor. Ich versuche beim Lesen immer den Eindruck zu gewinnen, ob der Autor ernstmeint, was er schreibt, oder ob er nur schreibt, um bestimmte Effekte zu erzeugen oder gewisse Konflikte abzuarbeiten. Kein Mensch ist frei von Konflikten oder dem Wunsch, einen Effekt zu machen. Zizek nur ist in dieser Hinsicht ein ganz schwerer Patient. Stellenweise genial, stellenweise ganz dumm, selten was dazwischen. Aber bei allem, was er schreibt, merkt man, dass es ihm darum geht, Effekte zu erzeugen. Er nimmt nie wirklich ernst, was er schreibt, und schlimmer: Er nimmt sich nicht ernst. Ich denke, man tut ihm nicht das geringste Unrecht, wenn man ihn einen Clown nennt. Das ziemlich genau ist, was er sein will. Das auch ist, was er ist. Ich vermute, er ist ein glücklicher Mensch. Wenigstens das spricht für ihn.

2015, 11, 25

Ich habe gestern gelesen, dass nur echte Workaholics Burn Out bekommen, und habe nun fast ein bisschen Ehrfurcht vor mir.

2015, 11, 24

»Was haben wir ihnen angetan, dass ihr Hass so groß wurde?«

Was haben wir Jakob Augstein angetan, dass er dergleichen denken und schreiben muss?

Immerhin bringt er die ganze irrationale Pathologie seiner Richtung in einen Satz: Der Ali hat keinen eigenen Willen, er ist eine stumpfe Reaktionsmasse. Streichelt man ihn, gibt er Pfote. Haut man ihn, beißt er zu. Augsteins Weltbild reproduziert das rassistische & kolonialistische Schema auf natürlich total lieb gemeinte Weise.

2015, 11, 23

Heute zum Mittagessen bei Sushi Circle in Mannheim. Seit wir Japan verlassen haben, das erste Mal wieder Kaiten-Zushi. Es schmeckte fast gut. Und ganz unmerklich flog das erste Mal seit zwei Jahren ein Fastlächeln über mein Gesicht. Das ist ja dann doch immerhin schon mehr Emotion als Xavier Naidoo und Sabrina Setlur in ihrem ganzen Leben zusammen hatten. Der Zauber von Mannheim eben.

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2015, 11, 22

Als Advocati Diaboli im Fall Naidoo fanden sich ein: Michael Mittermeier, Til Schweiger, Hartmut Engler und Bülent Schneemann. Der verdammte Weltgeist legt mal wieder großen Wert auf Ordnung.

2015, 11, 20

Von der Frage, was es heute zum Mittag gibt, abgesehen ist die Frage nach dem nächsten Bond wahrscheinlich die wichtigste unserer Zeit. Das Schicksal ganzer Generationen und mindestens einer Kunstgattung hängt davon ab. Nach dem Bruch, den Daniel Craig schon darstellte, bin ich natürlich für den anderen Bond. Für einen, dessentwegen man (wie schon bei Craig) auch dann hinguckte, wenn man bei Bond nie hinguckt. Da Idris Elba leider aus dem Rennen ist, bleibt eine Liste mit einzig wahren Kandidaten. Hier also die Briten, die schwer in Frage kommen:

1) Ricky Gervais
2) Brendan Gleeson
3) Emma Watson
4) Gerard Butler
5) Damian Lewis
6) Martin Freeman
7) Bill Nighy
8) Ralph Fiennes
9) Ian McKellen & Patrick Stewart
10) Laurence Olivier

2015, 11, 19

Heute keine Naidoowitze auf diesem Kanal. Sie sind seit heute morgen vergriffen.

2015, 11, 18

Ich habe vermieden, etwas zu Paris zu schreiben, weil die Gefahr zu groß war, von Empörung beherrscht zu werden oder bloß dasselbe zu verkünden, was gleichwohl richtig, aber schon unzählige Male geschrieben worden ist. Das heißt gewiss nicht, dass alles, was noch nie gesagt wurde, daher schon der Mitteilung wert wäre. Konsterniert lese ich diesen Artikel, der die Toten einer bestimmten politischen Richtung zuschiebt. Wo Goethe nach Schillers Tod noch mit einem gewissen Recht: »Denn er war unser« schrieb, da ist dieser Artikel hier einfach eine deplacierte Wadenbeißerei, die das übliche Verfahren, den Terror nicht den Terroristen, sondern westlichen Eliten zuzuschreiben, mit dem Wunsch verbindet, auch als antiimperialistischer Linker einmal so richtig wütend über islamistischen Terror sein zu dürfen. Diese menschliche Reaktion hatte man sich nämlich abzutrainieren, wenn man hinter jedem Akt islamistischer Grausamkeit immer nur die Regierungen des Westens zu sehen hatte. Aus den Opfern erst einmal Linke zu machen ist hierbei ein durchschaubarer Schachzug und der Versuch, das klassische antiimperialistische Vorurteil, das den Terror relativiert, auf neuer Kampflinie zu verteidigen. Durch Umbildung der Opfer. Aus Menschen werden Linke.

Dabei ist es schrecklich einfach. Es wurden weder Frankreich im besonderen noch die Linke im besonderen angegriffen, sondern eine ganze Lebensweise. Eine, die es gut sein lässt mit dem Anderen, die sich darin übt zu genießen, jovial zu sein, Beischlaf zu treiben, wie es gerade passt, und offen (nicht zwingend beliebig) zu sein im Denken. Das ist, was den IS-Menschen stört. Das ist, was er zuerst bekämpft. Das ist, was den Kern der islamistischen Empörung ausmacht. Man erinnert vielleicht Said Qtubs Empörung über die amerikanische Ausschweifung. Es war sein Erweckungserlebnis. Das ist, worum es geht. Darum dreht sich im Denken dieser Menschen alles, und das Erbe des Kolonialismus ist ihnen äußerstenfalls ein Vorwand dieser ihrer Mission, einen ganzen Erdball anzusäuern und alles Süße zu vernichten.

2015, 11, 17

Nach langer Suche konnten die Beamten es endlich festsetzen: das Matussek-Smiley

#Smileygate

matze

2015, 11, 14

Kalauer, die nicht mal ich mich getraut hätte (Sushi Quatorze)

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2015, 11, 13

Schöner alter ML-Witz: Was passiert, wenn zwei Neos aufeinandertreffen? Sie spalten sich.

http://starke-meinungen.de/blog/2015/11/13/roland-tichy-und-die-neue-rechte/

2015, 11, 13

Wahrscheinlich hat, denke ich auf dem Weg nach Berlin, wo ich morgen über Liebe, Sex und Zärtlichkeit in der Lyrik von Peter Hacks sprechen werde, wahrscheinlich also hat jeder Ort, der dunkelste noch, diesen einen hellen Fleck der Zuversicht, der mehr als nur er selbst ist, sondern für die Aufhebung der Menschheitsprobleme insgesamt steht. Im ICE-Wagen ist dieser Fleck der Platz 71. Er allein macht das Unerträgliche zwar nicht erträglich, aber doch ertragbar.

Das ist, ich weiß, eine etwas umständliche Art, »ich freue mich auf mein Auto« zu sagen.

2015, 11, 12

Erika Steinbach hat recht. Helmut Schmidt, Asylkritiker der ersten Stunde, Verteidiger von Wehrmacht, Sarrazin und Volksgemeinschaft, war Fleisch von ihrem Fleisch. Sie hat ihn nicht für sich vereinnahmt. Das musste sie gar nicht.

http://www.spiegel.de/politik/deutschland/helmut-schmidt-erika-steinbach-empoert-mit-pietaetlosem-tweet-a-1062135.html

2015, 11, 10

Was so ein gewöhnlicher Star ist, der stirbt im Kreise seiner Vertrauten, und wenn er tot ist, überschattet er für ein oder zwei Tage alle anderen Nachrichten mit den RIP- & Nachruf-Wellen. Aber er wartet, bis er wirklich tot ist. Sogar Grass hat sich dran gehalten, obwohl die Verlockung, auf dem Sterbebett noch einmal das Gefühl zu genießen, die No. 1 der Tagesmeldungen zu sein, bei ihm besonders groß gewesen sein muss. Allein Helmut Schmidts Angehörige lassen schon Tage vorher die Maschinerie an. Und überschatten so die eigentlichen Nachrichten des Tages.

http://www.gala.de/stars/news/starfeed/miley-cyrus-sie-leckt-an-einem-weissen-konzertfluegel_1339340.html

2015, 11, 09

Da ich familiär aus dem Milieu der technischen Intelligenz komme und politisch den Zielen der Arbeiterbewegung stets zugetan war, gestaltete es sich für mich oftmals schwierig, meine abgrundtief anti-demokratische, alles Volkstümliche und Proletarische verachtende, durch und durch kleinbürgerlich-intellektualistische Lebenshaltung mit der Bereitschaft zur klassenkämpferischen Kooperation zu vermitteln.

Natürlich, sagte ich, liebe Proletarier, bin ich für den Kommunismus. Ich will ja, dass es auch mir gut geht. Aber ihr müsst doch begreifen, dass der Kommunismus in erster Linie die Befreiung von eurer Diktatur, eurem Durchschnittsterror bedeutet. Und von der Verewigung eurer albernen Merkmale, die ihr unter den Bedingungen der Lohnarbeit angenommen habt. Versteht mich nicht falsch, Proletarier, ihr werdet immer etwas langweilig und träge bleiben. An den Neuen Menschen glaube ich einfach nicht. Aber man kann Umstände schaffen, unter denen ihr nicht blöder sein werdet als unbedingt nötig. Eure und meine Befreiung bedeutet also zunächst mal tatsächlich, dass wir alle von euch befreit werden müssen. Gut, da ist dann noch die Sache mit den Kapitalisten. Aber ein Kapitalist ist ja auch nichts anderes als ein Proletarier mit zu viel Geld. Es ist ein Kulturkampf, wenn ihr versteht, was ich meine.

Verstanden sie natürlich nicht. Außer das mit dem Kulturkampf. Das hatten sie drauf. Ich konnte machen, was ich wollte, reden, wie ich wollte, lesen, was ich wollte. Immer haben sie in mir den Kleinbürger gewittert. Ich kann nicht sagen, dass mich das besonders gekränkt hat. Ich mag sie ja auch nicht. Ich interessiere mich sehr für ihre Ziele und ihre Möglichkeiten. Aber das heißt ja nicht, dass ich dieselbe Badewanne benutzen muss. Dennoch hatte ich meine Komplikationen mit den permanenten, unterschwelligen Vorwürfen, man sei, nur weil man etwas besser schreiben und das eine oder andere ohne die Hilfe von Meinungsautoritäten erdenken kann, ein unsicherer Kandidat. So beschloss ich, da ich mein Inneres nicht ändern kann, in Tarnung zu gehen. Ich beschloss, mir die proletarische Kultur anzueignen. Das muss jetzt 20 Jahre her sein, immer wieder ist mir was dazwischen gekommen. Aber heute, heute vormittag, genau zu sein, habe ich mir einen Opel Omega gekauft.

Ich habe doch nichts gegen Proletarier. Einige meiner besten Freunde sind Freunde von Proletariern.

2015, 11, 09

Auf dem Weg zu einem Vorstellungsgespräch für einen Nebenjob in Heidelberg löse ich eben eine Tageskarte für 17,20. Da erhalte ich einen Anruf, dem zu entnehmen ist, dass das Auto, das ich für den Job benötigen werde, für 1000 € zu haben ist. Die Investition in diesen Job liegt also genau bei 1017,20.

2015, 11, 07

Kalauer, die man sich erstmal trauen muß #24

Der Vermieter im Haus erspart den Trümmermann. (»Der Boden schief? Wieso das denn? Den hab ich doch selbst verlegt.«)

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2015, 11, 05

Ich habe gerade an der FragJasmin-Tombola teilgenommen.

»Jasmin, ich habe auch eine Frage. Die Verschwörungstheorie weiß immer besser, was passiert ist. Aber sie hat einen Fehler, nämlich den, dass auch sie immer nur weiß, was passiert ist. Wahrhafte Überlegenheit erwiese sich erst, wenn sich zeigt, dass sie auch besser weiß, was passieren wird. Da es immer darum geht, wem Es nützt, und das genauer meint, dass es auch immer nur einen klar Erkennbaren gibt, dem Es nützt, müsste es doch einfach sein festzustellen, wem es nützen wird. Nun meine Frage: Wenn also Wladimir Putin — Gott möge es verhüten — morgen, nächste Woche oder in vierzig Jahren sterben sollte, lässt sich da eigentlich jetzt schon angeben, wer dahinter gesteckt haben wird?«

Fragjasmin

2015, 11, 03

Du weißt, dass du dich zu wenig bewegst, wenn du Muskelkater vom Autofahren bekommst.

2015, 11, 02

Ich sehe ein Video, in dem israelische Passanten einen messerbewaffneten Terroristen verfolgen und der auf seiner Fluchtbewegung noch einer alten Dame in den Rücken sticht. Ich erwische mich bei dem Gedanken: Hoffentlich haben sie ihn noch an Ort und Stelle gelyncht. Ich verabscheue es, solche Gedanken zu haben. Sie haben gottlob nur eine Halbwertzeit von einer Viertelsekunde. Aber noch dafür verabscheue ich jene Terroristen. Dafür dass sie einen dazu bringen, in solche Gedanken zu kommen. Das ist, über seine unmittelbare todbringende Wirkung hinaus, die eigentliche Macht des Terrors, dass er denjenigen, die sich seiner erwehren müssen, seine Logik aufzwingt.

2015, 11, 02

Ich kehre eben von der theoretischen Fahrprüfung heim. Von den 30 Prüfungsfragen hatte ich 42 richtig. Das, versicherte man mir, sei weltweit Rekord.

2015, 11, 02

»Das tritt nach meiner Kenntnis … ist das sofort, unverzüglich.«

Gpunkt Schabowskis gesamte Lebensleistung fasst sich darin zusammen, einen Satz gesprochen zu haben, und es ist bezeichnend, dass er auch den nicht bewältigt hat.

2015, 11, 02

Immer wenn ich bezüglich möglicher Koalitionsbildungen »rot-rot« lese, muss ich zweimal lachen. Das erste Mal bei»rot«, und das zweite Mal bei »rot«.

2015, 11, 01

Manchmal passt zwischen zwei Ohren mehr als 1 Gehirn.

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2015, 10, 30

Ich hatte letzte Woche einen phantastischen Einfall zur Interpretation von Louise Fatios »Glücklichem Löwen« und habe gestern festgestellt, dass mir der Einfall wieder entfallen ist. Seither bin ich sehr unglücklich, im Gegensatz zum Löwen.

2015, 10, 30

Ratlos zwischen den Stühlen: Auf die Wiedergutwerdung der Deutschen folgte die Wiederdeutschwerdung der Guten. Ich bin dann mal Kegeln.

2015, 10, 29

Ich habe gestern versucht, Graves’ »Weiße Göttin« zu lesen, und obwohl ich mich neben meinen Sohn legte, der zum xten Mal die »Minions« guckte, schlief ich nach einer halben Seite ein. Wenn Romantik mich schon müde macht, fürchte ich bei Neoromantik mehr noch, gar nicht wieder aufzuwachen. Ich kam dann zu mir, als Stuart mit einer Gitarre beschenkt wird, und ich hatte das Gefühl, etwas Wichtiges verpasst zu haben.

2015, 10, 28

Ich nehme an, er hat mitbekommen, dass Bruce Willis noch lebt.

Asteroid passiert Erde: Knapp vorbei

2015, 10, 28

Zwei Premier-League-Spieler kündigen ihr Coming Out an. In den Leserkommentaren gehen die Schafe im Schafspelz: Was das für eine Meldung sei. Was der ganze Hype um das bisschen Schwulsein solle? Ich bin hetero, und das steht auch in keiner Zeitung. Überhaupt, was wollen die immer mit ihren Sonderrechten? Wahre Gleichberechtigung herrsche erst, wenn man darüber gar nicht spreche. usw. usw.

Man kennt das schon von den Reaktionen auf Thomas Hitzelsperger, und es wird wahrscheinlich auf absehbare Zeit jedes Coming Out eines Fußballspielers begleiten.

Gewisse Reaktionen verdienen den Ausdruck der Sekundären Homophobie. Einer Homophobie, die das Schwule, weil sie es nicht totschlagen kann, wenigstens totschweigen will. Die Behauptung, dass Schwulsein nichts Besonderes sei, ist dabei die erste Lüge. Es ist besonders, schon aufgrund des numerischen Verhältnisses, aber vor allem, weil es von allenthalben spürbarer Homophobie dazu gemacht wird. In der Fußballwelt insonders ist es weiterhin das schwierigste Thema. Und genau deswegen bleibt ein Coming Out immer eine Meldung. Homophobie hingegen möchte, solange es geht, das Coming Out unterdrücken, und ab dem Zeitpunkt, da es sich nicht mehr abwenden lässt, ihr Unverständnis über die Aufregung ausdrücken, als ob nicht sie selbst diese Aufregung verursacht hätte.

2015, 10, 26

In dem Moment, als Dwayne Johnson mit einem Motorboot gegen die Stromrichtung über einen Tsunami fuhr, dachte ich: Wieso hat er nicht einfach das Meer geteilt?

Im übrigen behauptet auch dieser Katastrophenstreifen, dass ein paar Weltuntergänge pro Jahr sich günstig auf die Scheidungsrate auswirken könnten. Der Weltuntergangsplot funktioniert fast immer so, dass der Held, während er die große Welt rettet, auch die kleine wieder in Ordnung bringt. Nur dass hier gar nichts von der großen Welt gerettet wird. Der Rettungspilot sucht einfach seine Frau und seine Tochter, anstatt seinen Job zu machen. Und das wäre alles nicht so schlimm, wäre es nicht so schlecht erzählt. Von der klassischen Struktur, die man durch »The Day After«, »2012«, »Independence Day« usw. kennt, nämlich viele Stränge nebeneinander zu erzählen und dann schließlich zusammenzuführen, ist nichts mehr übrig, weil von vornherein nur zwei Stränge angelegt sind, und die kommen nicht mal zusammen. Soviel Stümperei hat bislang nur Büchner (»Leonce und Lena«) hinbekommen, und nichtmal Georg R.R. Martin plottet so schlecht.

2015, 10, 25

An günstigen Tagen ist die Bewegung des Neckar mit bloßem Auge erkennbar.

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2015, 10, 24

Ich habe vor ein paar Monaten einen Text geschrieben, in dem ich Menschen, die abweichendes Verhalten mit abweichendem Verhalten zu bekämpfen meinen, »Sesselsadisten« nannte. Dummerweise verlassen selbst Sesselsadisten dann gelegentlich noch ihre Sessel.

http://www.vice.com/alps/read/u4-bier-typ-pruegel-204?utm_source=vicefbalps

2015, 10, 22

Ich fuhr eben im westlichen Heidelberg an einem Firmengebäude vorbei, auf dem »Samen Wagner« steht, und stelle mir jetzt die Frage, in welcher Branche wohl diese Firma tätig ist. Wagners Samen nur echt bei Samen Wagner.

2015, 10, 19

Alfred Draxler zelebriert auf Sport1 etwas, das nur dann widersinnig ist, wenn man den Gefälligkeitsjournalismus des Haus- und Hofsenders für DFL und DFB nicht kennt: Ein Schweigen, das Krach macht, die plappernde Omerta. Zuerst entdeckt er nach dem Fall Hoeneß das zweite Mal in seiner gesamten Karierre an sich eine Neigung gegen Vorverurteilung. Dann fällt ihm ein, dass er ja für die BILD-Zeitung arbeitet. Er konzediert das, legt aber gleich für alle im Raum fest, dass wir darüber jetzt nicht weiter sprechen wollen. Was der SPIEGEL hingegen gemacht habe, sei – beim Barte Günter Wallraffs – etwas ganz anderes, findet der klaftertief in die personellen Beziehungen um Niersbach, Beckenbauer und andere Echtzeithelden des Deutschen Fußballs eingebundene Draxler. Man könne doch nicht einfach die Indizien nehmen und daraus logische Schlüsse ziehen. Wenn das dann gegen Wolle, den Kaiser und unsere WM geht, geht das zu weit. Und weil Draxler dieses Prinzip, niemals einen Verdacht zu äußern, den man nicht gerichtsfest beweisen kann, so unendlich kostbar und wichtig ist, verdächtig er im Anschluss sogleich Theo Zwanziger, hinter der ganzen Sache zu stecken.

http://video.sport1.de/video/dfb-draxler-wittert-intrige-von-zwanziger__0_nbvy8q15

2015, 10, 18

… und dann wurde mir plötzlich klar, dass mein Leben ein nicht endender Deutschleistungskurs ist

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2015, 10, 17

Darf man eigentlich betrunken zur theoretischen Fahrschulprüfung erscheinen?

2015, 10, 16

Ich fordere die Aberkennung aller Siege der Deutschen Nationalelf zurück bis 9 n. Chr. (Varusschlacht, wo das ganze Elend seinen Anfang nahm).

http://www.welt.de/sport/fussball/article147696395/DFB-soll-die-Fussball-WM-2006-gekauft-haben.html

2015, 10, 16

Kunst reagiert beständig auf sich. Vor vielen Jahren hat Funny van Dannen einen wunderschönen Song geschrieben. Jetzt haben zwei politische Aktivistinnen das Bild zum Song gemacht. Man konsumiere Bild und Ton zusammen und verstehe:

»… und man könnte richtig traurig sein, aber ohne Depressionen, und man könnte einer Meinung sein ganz ohne Diskussionen …«

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2015, 10, 15

»In my experience, the people who believe they’re going to be murdered by the Pentagon, are invariably not the people who get murdered by the Pentagon.«

Dirk Gently (BBC)

2015, 10, 14

»Diese Morddrohungen von Pegida muss man ernstnehmen. Nicht weil eine Welt ohne Merkel und Gabriel etwa ein Unglück wäre, sondern wegen der Vernichtungsphantasie selbst. Sie wird sich nämlich nicht gegen eine gut geschützte Kanzlerin richten, sondern sehr bald gegen solche, die im Gegensatz zu ihr weder Schutz noch Schuld haben. Gegen Asylbewerber und vaterlandslose Querulanten, die ihnen helfen. Wo Politiker hängen, hängen bald auch Menschen.« (Heinrich Heine)

Ich würde, was Heine hier so treffend auf den Punkt gebracht hat, gern das Spidermandilemma nennen: Auch einem Sackgesicht muss gegen Unrecht beigestanden sein; denn Unrecht ist unter allen Umständen Unrecht & hat die Angewohnheit weiterzuziehen. (I missed the part where thats my problem)

2015, 10, 13

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(Die beiden Herren sind allerdings nicht das BAAL & der AKGk, sondern die beiden Köpfe des Ianus. Der linke heißt Oskar, der rechte Henryk.)

2015, 10, 12

Danksagungen, die zu Dank verpflichten (Tatort: Tschirpke, Frühling Sommer Herbst und Günther. Berlin Ullstein jetzt):

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2015, 10, 10

Eberbacher Verhältnisse:

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2015, 10, 10

Ein weiterer Grundlagentext zur Spingerjugend. Es sind jetzt, soweit ich sehe, ganze drei (1, 2, 3). Gegen Ulf Poschardt allerdings ist es kein sonderlich geeignetes Mittel, ihm seine Durchschaubarkeit und Oberflächlichkeit vorzuhalten. Man muss den Mann treffen, wo es weh tut. Also z.B.: Ulf Poschardt fährt jeden Tag 1km mehr, weil er den Kreisverkehr der Siegessäule meidet … Ulf Poschardt ist noch nie im 6. Gang gefahren … Jeden Morgen, wenn Ulf Poschardt den Motor abwürgt, wechselt er die Zündkerzen.

Oliver Maria Schmitt: Poschardts Kinder

2015, 10, 08

Blatter suspendiert. Platini suspendiert. Kommt jetzt der Weltfrieden?

2015, 10, 07

Ich habe letztes Wochenende meine Untersuchung der »Wild Things« fast in einem Zug runtergeschrieben. Sie hatte da schon etwas über 40.000 Zeichen. Jetzt, nach dem letzten Korrekurdurchlauf, hat sie fast 50.000 Zeichen. Sendaks Werk hat exakt 1.710 Zeichen, was, wie ich finde, den Unterschied zwischen Poesie und Poetologie recht gut fasslich macht.

2015, 10, 07

Manger statt Mankell: Wer schwedische Kriminalromane gelesen hat, aber nie »Das Buch vom Paradies«, hat die Kontrolle über sein Leben verloren.

2015, 10, 06

Heute ein Double Feature:

Kalauer, die man sich erstmal trauen muß #24
Gedichte, deren Urheber zu sein ich stets leugnen werde #14

Et jibt nüscht Jutet,
Außer man tutet.

(Erich Kästner im Oktober 1925, nach dem Besuch der Berliner Philharmonie)

2015, 10, 02

Ich habe heute die Liste meine Facebookfreunde kritisch durchgesehen und festgestellt, dass da sehr viele drauf sind, die auf Facebook mit mir befreundet sind. Das ist für mich ein absolutes No-Go! Ich will mich nicht wichtigmachen, aber ich werde am nächsten Freitag jeden entfreunden, der bis dahin immer noch mit mir befreundet ist.*

—-

* Eine Parodie ist eine Kunstsorte, die keiner Anmerkung bedarf.

2015, 09, 30

Ich habe heute den Tag über an einer Analyse von Sendaks »Where the Wild Things Are« geschrieben, und es war schon lustig, dass mein Sohn (4 Jahre) mich heute Abend bat, ihm dieses Buch zum Einschlafen vorzulesen. An der Stelle, als Max in sein Zimmer geschickt wird und in dem Zimmer ein großer Wald wächst, sagte mein Sohn nun unvermittelt: »Träumt der Max das? … Und träumt der auch die wilden Kerle?« Ich sah mich schon Luft holen und zu einem halbstündigen Monolog ansetzen, ehe ich mich doch für ein kinderfreundliches »Ja, stimmt« und also dafür entschied, einfach ein bisschen stolz auf den kleinen Mann zu sein.

2015, 09, 30

Auch Karasek fällt bei mir in jenen Topf, in dem schon Kotzebue, Möllemann, Grass oder Michael Jackson stecken. Tod ist nie schön, aber das lebendige Klischee verhindert doch erheblich die Einfühlung. Es sind jene, bei denen man immer lachen muss, wenn der Name fällt. Das ist nicht fair, ich weiß. Wenn Karikaturisten sterben, weinen wir, wenn Karikaturen sterben, strengen wir uns an, nicht zu schmunzeln.

2015, 09, 28

Und da ich drauf komme:

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2015, 09, 28

Die Erwartung, den Blutmond zu sehen, führte gestern zu einer Konversation zwischen mir und ihm, die vermutlich anders verlaufen wäre, wenn wir nicht beide exzessive Kenner des Werks von Max Goldt wären.

MOND: Ich habe schwitzige Hände und bin ganz rot im Gesicht.
ICH: Das wäre ja ganz passend für einen Blutmond. Allerdings sind Sie weiß wie die Wand.
MOND: Wirklich? Ich dachte, ich sei total rot im Gesicht.
ICH: Nein, aschfahl.

2015, 09, 27

Kalauer, die man sich erstmal trauen muß #23

Das Coverbild für meine geplanten Memoiren: »Vom Tellersprecher zum Millionär«

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2015, 09, 26

Marco Tschirpke hat ein neues Gedicht geschrieben. Mit seiner freundlichen Erlaubnis hier die Weltpremiere (aus gegebenem Anlass):

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2015, 09, 21

Gedichte, deren Urheber zu sein ich stets leugnen werde #13

Ein ganzes Leben in zwei Zeilen: DIETHER DEHM

Tausendmal sinniert,
Tausendmal ist nichts passiert.

2015, 09, 20

Hier, wo man noch zwischen schaffender und raffender Arbeit unterscheidet …

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2015, 09, 18

BEING NORA BARTOWITSCH

Sie: Im Winter ist es morgens kalt und dunkel. Der Wecker macht ein sanftes Licht. Das stelle ich mir schön vor.
Ich: Es gibt kein sanftes Licht. Nicht morgens.
Sie: Kein Licht. Morgens.
Ich: Jaja, Christa, und jetzt gib mir meine Frau zurück.

2015, 09, 15

Am 20. Oktober werde ich an der HU Berlin eine Lesung geben (genaueres folgt). Ich kann nun also jenen Satz schreiben, der in keinem mittelmäßigen Roman pensionierter Anhänger der bürgerlichen Mitte fehlen darf: Es war ein seltsames – zugleich genügendes wie verunsicherndes – Gefühl zu wissen, dass er an seine Alma Mater zurückkehren werde. (Wobei kein Zweifel besteht, dass im tatsächlichen mittelmäßigen Roman pensionierter Anhänger der bürgerlichen Mitte »würde« statt »werde« stehen dürfte.)

2015, 09, 14

Ist eigentlich schon mal jemand auf die Idee gekommen, den Schlussvers des »Guten Menschen vom Sezuan« (muss, muss, muss) als Kerr-Parodie zu lesen? Immerhin war Kerr mit Brecht verfeindet und hat schon Karl Kraus wenige Jahre vor dem »Guten Menschen« Kerrs Eigenart aufgespießt, ihm wichtige Vokabeln dreimal zu schreiben (in dem Fall: dürfen, dürfen, dürfen).

2015, 09, 07

Stilfest: Beim Hören von »Peter und der Wolf«. Als der (in der Tat recht mozärtliche) Peter-Part ertönt, zeigt der Sohn auf ein Mozartbild in unserem Wohnzimmer und sagt: »Ist der Mozart der Peter?«

2015, 09, 06

11990493_10207525408355968_4001336243949349058_n»… und all diesen Freunden sengender Sonne sei entgegengehalten: Nicht der Sommer hat die Nazis vor Stalingrad geschlagen, sondern der Winter.«

Auszug aus meinem nächsten Buch »Sagen Sie mal was gegen den Dezember«

2015, 09, 04

… und irgendwann sprang einer auf und rief in die Runde: Wie wäre es, wenn wir die Rolle eines Holocaustüberlebenden mit einem passionierten Sekundärantisemiten besetzen?

Zum 80. Geburtstag schenkt die ARD Dieter Hallervorden mit »Chuzpe – Klops braucht der Mensch« die Tragikomödie über einen jüdischen Berlin-Heimkehrer

2015, 09, 04

Das kleinstädtische Pendant zum Berliner »Kennste einen, kennste alle« lautet übrigens: Kennste alle, kennste alle.

2015, 09, 02

Die WELT von heute: »Doch, der Fremdenhass ist ein Ost-Problem«

Und wiederum mit Beifall von eigentlich zurechnungsfähigen Zeitgenossen. Ist es wirklich so schwer zu verstehen, dass jemand, der die Xenophobie nicht als durch gesellschaftliche und psychische Strukturen bedingtes Gesamtphänomen, sondern als spezifisches Problem des Ostens ausgibt, exakt das Denkmuster reproduziert, das der Xenophobie zugrundeliegt? In beiden Fällen wird die Volksgemeinschaft gereinigt, indem ihre negative Seiten auf eine erkenn- und abgrenzbare Gruppe übertragen werden.

2015, 09, 01

Ich stand zwei Stunden am Rand und wartete auf Ulf Poschardt. Er kam nicht. Wahrscheinlich lief gerade TopGear. Aus irgend einem Grund musste ich an Dürrenmatts Matthäi denken.

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2015, 09, 01

Echte Männer, nur noch selten außerhalb ihrer Reservate anzutreffen.

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2015, 08, 31

Eine bemerkenswerte Wendung hat die Diskussion um das neue Aufscheinen das alten Rassismus in Deutschland genommen. Die Beschäftigung mit der Frage, inwieweit der gegenwärtige Terrorismus ein spezifisch ostdeutsches Phänomen sei, ist ein Reflexionsausfall auf ganzer Linie. Den Gipfel der Dummheit hat einmal mehr ein WELT-Autor erklommen. Michael Pilz heißt der Tropf diesmal. Ich hol dann wohl mal die Fungizide raus. Ich habe so sehr gehofft, nichts über dieses Scheißthema schreiben müssen.

2015, 08, 31

Als ich nach Westdeutschland zog, dachte ich: Es ist schon ein Elend, aber wenigstens bin ich die Puhdys los. Heute dann auf der Kirmes:

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2015, 08, 28

Sternstunden der Ideologiegeschichte. Heute: Die Geburt der Springerjugend

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2015, 08, 27

Ich bin übrigens kein Menschenhasser. Ich bin Menschenkritiker.

#Asylkritiker

2015, 08, 27

Zu den Schlüsselwerken der spätkapitalistischen Epoche gehört der Song »Lebkuchen im August«. Es muss ihn nur noch einer schreiben.

2015, 08, 26

Die Kunst des Autofahrens hat sich bislang nicht auf meine Art, Fahrrad zu fahren, ausgewirkt. Ich vermute mal, dass ich innerhalb weniger Jahre auf 20 Flensburgpunkte kommen werde, aber mit Stolz werde berichten können, dass ich sie alle mit dem Fahrrad errungen habe.

2015, 08, 26

Erzähls uns, alter Mann …

Es ist jetzt siebzehn Jahre her, da pendelte ich regelmäßig in einem Berliner Club zwischen Garderobe, Einlass und Bar, anstatt meine Abiturnoten zu pflegen. Ein Kollege am Einlass sagte mir in den frühen Morgenstunden des 27. der September im Jahre 98, er müsse jetzt nach Hause, damit er es nachher noch ins Wahllokal schaffe. »Wie, du gehst wählen?« fragte ich erstaunt. Hin und wieder traf man ja Leute, die wirklich wählen gehen. Das hat sich bis heute nicht geändert. »Naja«, sagte er, »klar. Schröder doch wohl, damit es wieder besser wird.« Ich war damals altklug, also weder alt noch klug. So goss ich meinen ganzen Hohn über ihn aus, und er bewarf mich dafür mit 10-Mark-Scheinen. (So drücken Türsteher ihre Gefühle aus, wenn sie auf jemanden sauer sind, den sie aber dennoch mögen.) Sechzehn Jahre Kohl sind natürlich ein Ausnahmezustand und entschuldigen so manches, aber Herrgott, wir waren Ossis, hatten also bloß acht auf dem Herzen. Heute, sechzehn und ein weiteres später, ist die Welt eine andere, eine, die von der SPD zerhackt, gefressen und wieder ausgespuckt wurde. Nur die SPD ist immer noch dieselbe, kein Gramm mehr oder weniger (und bitte jetzt keine Witze über Gabriel). Ich persönlich habe aus der Geschichte gelernt. Ich weiß nun, dass recht haben sehr viel mehr Spaß macht als recht behalten.

»Kinder von Flüchtlingen sollen erst zur Schule gehen, wenn ihr Status geklärt ist, fordert Andreas Bausewein.«

2015, 08, 26

Der Sohn lässt beim Zählen grundsätzlich die Fünfzehn aus. Weil er, sagt er, die Fünfzehn nicht leiden kann. Ich habe jetzt die Vermutung, dass er heimlich an unserer Tieck-Ausgabe war und den »Zerbino« gelesen hat. Es ruht kein Segen auf der Romantik.

2015, 08, 25

Das Ei des Kolumbus

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2015, 08, 25

Eilmeldung aus dem Paralleluniversum Achgut. Am rechtsextremistischen Terror ist natürlich die linksradikale Demonstrationskultur schuld. Wer auch sonst?

http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/kleiner_ergaenzender_kommentar_zu_heidenau

(Die oder die DDR, wenn ich die gegenwärtig beliebten Hinweise auf die östliche Lage der Brennpunkte richtig verstehe.)

2015, 08, 23

Lance Armstrong pflegte zu sagen, der Kampf gegen Jan Ullrich werde im Winter gewonnen. Ich füge hinzu: Der Kampf gegen den Winter wird im Sommer gewonnen.

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2015, 08, 22

Beim Erste-Hilfe-Kurs erklärt der Fahrlehrer mit Vulgär-Darwinismus und umfassenden Kenntnissen aus dem Lexikon des unnützen Wissens die Welt. Noch zwei Stunden, und ich kann eine Weltgeschichte schreiben.

2015, 08, 21

Johanna Quandt, Robert Conquest, Gerhard Mayer-Vorfelder, Egon Bahr. Die Antikommunistische Internationale bekommt doch nicht etwa ein Personalproblem.

2015, 08, 20

Kalauer, die man sich erstmal trauen muß #22

Ich folge stets der Handlungsmaxime »Was würde Kant jetzt getan haben?« Ich nenne das den Kantegorischen Imperativ.

2015, 08, 15

Sensation! Mit ganzen 416 Seiten wurde gerade der längste Übersetzungsfehler der Welt entdeckt.

http://m.focus.de/politik/ausland/iran/416-seiten-buch-von-ali-chamenei-die-welt-unter-islam-herrschaft-die-krude-ideologie-des-iranischen-staatsoberhaupts_id_4862184.html

2015, 08, 14

Eine Woche Berlin hinter mir. Es gab Momente, da glich der Urlaub beinahe schon einem Urlaub. Ich scheide mit dem versöhnlichen Gedanken, daß es am Ende wohl doch Schlimmeres gibt als Väter, die einen jedesmal wieder überreden, Volker Pispers zu hören.

2015, 08, 13

Odysseus ist, Wochen nach der Ankündigung, endlich auch bei den Zwischenhändlern angekommen. Heißt: Es gibt jetzt einen Bestellbutton, den man drücken kann. Das Buch wird 320, wahrscheinlicher 336 Seiten dick sein bei einem Format von 16,5 x 22,2 (also breiter als üblich).

Es ist im Grunde ganz einfach. Wenn 100 Menschen jeweils 100 Exemplare kaufen und jeweils 100 ihrer Freunde dazu bringen, es ihnen gleichzutun, muß ich nie wieder arbeiten.

http://www.amazon.de/Odysseus-w%C3%A4r-Haus-geblieben-Schutzschrift/dp/3359025377

2015, 08, 10

Der HSV steigt dieses Jahr direkt ab. Zusammen mit Schalke. Wolfsburg rettet sich in die Relegation und verliert dann gegen Sandhausen. Das ist wissenschaftlich gesichert. Ich habe den Tabellenrechner einhundertmal durchgespielt. Jedesmal dasselbe Ergebnis.

2015, 08, 10

Als sogar die Hoffnung längst gestorben war, kam die WELT, diese BILDzeitung für BILDleser, dann doch nochmal zurück. Das ist der erste vernünftige WELTartikel, seit Jahrzehnten.

http://www.welt.de/debatte/kolumnen/Fuhrs-Woche/article144947876/Man-darf-bei-Wespen-nicht-zimperlich-sein.html

2015, 08, 09

Aus der Reihe: Leser schreiben, und Bartels muß lesen

»Aber es muß schon der Hinweis erlaubt sein, daß es auch eine Reihe israelischer und nicht israelischer Juden gibt, die die gegenwärtige Führung des Landes mit sehr guten Argumenten kritisieren.«

Ein Klassiker: Wenn man Schwierigkeiten hat, das zu widerlegen, was da steht, einfach etwas widerlegen, was da nicht steht.

2015, 08, 09

Gedichte, deren Urheber zu sein ich stets leugnen werde #12

Über allen Gipfeln
Ist Ruh,
In allen Wipfeln
Spürest du
Kaum einen Hauch;
Die Vögelein schweigen im Walde.
Warte nur, balde
Ruhest du auch.

2015, 08, 08

Heimkehren, um der asozialen Revolution beizuwohnen. In einem Prenzlauerbergsupermarkt benimmt sich heute ein Mensch, der in Unterhemd und Unterhose Flaschen sammelt, etwas auffällig. Er ist für jeden erkennbar geistig behindert. Klassisches Prenzlauerbergpublikum, wohlhabend und trotzdem schlecht gekleidet, kumpelt hinter mir in der Schlange den Kassierer an: »Welcome to the Freakshow … Aber naja, sonst wärs ja langweilig.« Man grinst miteinander, und für einen Moment verschwindet die soziale Grenze zwischen Kassierer und Besserverdiener, man hat ja einen Dritten, auf den man hinabsehen kann. So müssen die olympischen Götter sich gefühlt haben, deren mythisches Lachen allerdings Ausdruck eines tatsächlichen Darüberstehens war, während im Prenzlauer Berg bloß das geistige Prekariat über das materielle lacht – selbst dann, wenn es mal mit ihm lacht – und daher glaubt, selbst keines mehr zu sein. Welcome back to the Freakshow.

2015, 08, 08

»Bleiben Sie links!« mahnt mich das Navi. Ich wußte, daß wir uns verstehen werden.

2015, 08, 07

Gedichte, deren Urheber zu sein ich stets leugnen werde #11

Dem alten Manne quellen Haare
Aus Nase, Ohren und Gesicht.
Das Haupt hingegen kahlt die Jahre.
Die Frauen lieben beides nicht.

2015, 08, 05

Es gibt kaum eine Verteidigung gegen den Antisemitismusvorwurf, die nicht ihrerseits Antisemitismus reproduziert. Wolfgang Gehrke übertrifft dahingehend einmal mehr alle Erwartungen.

(»Der durchgängige Verteidigungscharakter lässt die kleine Schrift zur Bestätigungsliteratur für all diejenigen werden, die es ohnehin schon immer wussten.«)

http://www.jungewelt.de/m/2015/08-03/015.php

2015, 08, 04

Kalauer, die man sich erstmal trauen muß #21

Die Kalauerpest expandiert. Heute nacht träumte mir, ich sei in einem Cafe zusammen mit Michael Jackson. Ich nannte ihn »Makel Jackson«, und dann haben wir uns stundenlang darüber amüsiert.

2015, 08, 03

Kalauer, die man sich erstmal trauen muß #20

Wie wird der nächste FIFA-Chef heißen: Blattini?

2015, 08, 02

Und jetzt Urlaub.

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2015, 07, 30

Federica Mogherini im Iran: Es hat schon was verstörendes, einer Frau beim Männchenmachen zuzusehen.

2015, 07, 30

»… laßt uns Kerzchen anzünden für die Verarschten und Ausgebluteten, die mit uns sonst nichts weiter zu tun haben, als daß wir sie erlösen wollen, laßt uns ganz viel davon reden, wie die ›westliche Kultur‹ die ›anderen Kulturen‹ unterdrückt und ausbeutet, die irgendwie unschuldiger, erdnaher, niedlicher sind, von so ein bißchen Klitorisrausschneiden, Steinigen und Frauen-in-den-Sack-Stecken mal abgesehen. Mit Sitting Bull, Geronimo und den Taliban gegen Thomas Jefferson, so stellen die sich das vor.«

Dath (Honig)

2015, 07, 30

»Der auffällig oft benutzte Begriff ›ausländische Personen‹ ist nicht nur eine seltsame Form des Amtsmimikry, die plumpe Nachahmung von Behördensprech, um sich offizieller und legitimierter zu fühlen. Es handelt sich auch um eine rassistische Chiffre, denn natürlich geht es in keiner Sekunde um irgendwelche Staatsbürgerschaften. Es geht allein um Zugehörigkeit und Ausgrenzung qua Haut- und Haarfarbe: waschechter Rassismus.«

Lobo (Mensch-Maschine)

http://www.spiegel.de/netzwelt/web/hetze-gegen-auslaender-im-internet-nennt-sie-terroristen-a-1045831.html

2015, 07, 30

2015, 07, 23

Man sollte nicht klagen, daß es so wenige vernünftige Kommentare zur Sache gibt. Zwischen Vernunft und Seltenheit ist ein Zusammenhang.

http://www.tagesschau.de/videoblog/zwischen_mittelmeer_und_jordan/israel-atomdeal-iran-101.html

2015, 07, 23

Der Moment, in dem wir uns darüber stritten, wer in die Genette-Ausgaben reinmalen darf, wurde von beiden Seiten als existentiell empfunden. Die Anschaffung doppelter Exemplare wird einmal als größter Akt zur Rettung unserer Ehe zu gelten haben.

2015, 07, 21

Ein bewegender Moment: Don Camillo und Peppone reichen sich in St. Johannes Nepomuk zu Eberbach die Hand.

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2015, 07, 20

Was wollen all diese Rentner am Montagmorgen um 8 beim Arzt? Sie sollten auf den arbeitenden Teil der Bevölkerung Rücksicht nehmen und ihm das Freimachen nicht unnötig erschweren.

2015, 07, 19

Feste fallen, wie sie feiern.

2015, 07, 19

Ich habe gestern auf Facebook einen schlechten Witz gemacht, der von 12 Personen geliked wurde. Diese 12 Liker sollten sich was schämen.

2015, 07, 18

Die Organisation der ersten Kindergeburtstagsfeier bringt das ruchbare Tod-oder-Gladiolen-Gefühl zurück, das man das letzte Mal bei der mündlichen Abituprüfung lebhaft hatte. Es fühlt sich sehr echt an.

2015, 07, 14

Da Jürgen Todenhöfer zur Stunde noch einmal seine dreieinhalb Synapsen angeworfen hat und das aus sich rauslaufen läßt, was ihm selbst vermutlich wie Weltkenntnis vorkommt, zitiere ich, dieses Begebnis schamlos für meine Zwecke nutzend, eine Passage aus meiner »Romantik des Weltfriedens« (die im »Odysseus« gedruckt wird). Daß damit alles zu Todenhöfer gesagt sei, sage ich besser nicht. Zu Todenhöfer ist schon unzählige Male alles gesagt worden. Offenkundig ist er der Duracellhase der galoppierenden Unvernunft. Also:

»Die häufig wiederholte Einschätzung etwa, Israel müsse mehr für den Frieden tun, wird, so richtig sie als politische Forderung ist, oft von einer Rechnung begleitet, die unterstellt, es liege in Israels Hand, den Konflikt zu beenden, und lediglich seine übertriebene Wachsamkeit halte diesen aufrecht. Das wäre selbst dann, wenn es stimmte, falsch, denn wer dieses Argument vorträgt, schreibt einer Konfliktpartei die Fähigkeit zu, Entscheidungen für die andere Seite mitzutreffen. Die arabischen Beteiligten erscheinen damit als bloße Reaktionsmasse, die sich stets so bewegen wird, wie die israelische Partei es bei ihren Handlungen vorsieht. Der Terrorismus wird nicht denen zugeschrieben, die ihn unternehmen, sondern denen, die zu seinem Ziel werden. So überschätzt man einerseits die Handlungsmöglichkeiten der Israelis, wie man andererseits den Arabern die Verantwortlichkeit für ihr Treiben abspricht, sie also behandelt, wie man es sonst mit Kindern oder Unzurechnungsfähigen tut. […]

Dass der Drang dahin unwiderstehlich ist, hängt mit der Suche und vielmehr Sucht nach Schuld zusammen. Bekanntlich will, wer die Schuldfrage stellt, von der Sache nichts wissen. Er will sie erledigt. […]

Man kann kein Phänomen der Welt unter Niveau begreifen. Die Schuldfrage beruht auf zwei faulen Punkten. Zum einen auf dem Bedürfnis nach der einfachen Erklärung, zum anderen darauf, dass sie immer schon geklärt ist. Der erste ließe sich bei gehöriger Einfühlung vielleicht noch nachvollziehen. Da ist ein Bedürfnis, in der langen Ereigniskette irgendwo einen Schnitt zu setzen, das vorher Geschehene aus der Betrachtung auszuschließen und somit endlich eine klare Ursache abstrakt festzuhalten, von der aus alles weitere betrachtet und bewertet werden kann. So sind sich die Gegner Israels durchaus uneinig darüber, wo nun der Sündenfall zu verorten ist: im Dogma vom Auserwählten Volk, im Separatismus unter der Diaspora, in der Herausbildung einer jüdischen Finanzoligarchie, im zionistischen Weltkongress, in der Ansiedlung im Nahen Osten, in der Staatsgründung von 1947/48, im Krieg von 1967 oder im Beginn der Siedlungspolitik. Doch alle diese Versuche haben, ungeachtet ihrer unterschiedlichen Urteile, gemein, dass sie einen Punkt suchen, an dem ein Ereignis, eine Entscheidung, eine Ursache unvermittelt in die Welt trat und alles spätere Leid verursachte. Allein als intellektuelle Faulheit aber, als Flucht vor der Kompliziertheit des Lebens, lässt sich die Schuldsucht nicht verstehen. Wer die Schuldfrage stellt, sagte ich gerade, hat sie längst beantwortet, und sei es negativ, in der Abwehr und Verschiebung. Die Schuldzuweisung ist immer eine verdeckte Entschuldung der anderen Seite. Das ist der Punkt, an dem die bloße Einfalt endet und der Eifer beginnt. Denn der Jude ist jenes merkwürdige Fabelwesen, das an allem schuld ist: an dem, was es verursacht, ebenso wie an dem, was ihm geschieht.«

2015, 07, 14

Ein heterologischer Witz ist ein Witz, über den Bertrand Russell nicht lachen kann.

2015, 07, 13

In jeder linken Strömung gibt es einen Teil, der sich danach sehnt, in den Schoß der Heimat zurückzukehren. Auch die Antideutschen machen hiervon keine Ausnahme. Die übliche Dreiteilung in kluge, standhafte und opportunistische Vertreter finden wir hier ebenso wie in anderen Strömungen. Das spezifisch antideutsche Verfahren, im eigenen Staat anzukommen, kann nicht affirmativ sein, weil das die ideologische Struktur, an der festhalten muß, wer sich als antideutsch verstehen will, auf den Kopf stellte. So nimmt die Beitrittserklärung den Umweg über die Kritik anderer Staaten. Das beginnt nicht bereits dort, wo Putin oder Syriza kritisiert werden. Es gibt gute Gründe, an diesen Regierungen Kritik zu üben. Er beginnt allerdings dort, wo einer nichts anderes mehr tut als von Aluhüten, Putinverstehern oder den nationalistischen Tendenzen in Griechenland zu sprechen. Wo einer davon sprechen will, aber vom Machtverhalten der Bundesrepublik und von der irrationalen Struktur der EU niemals spricht.

2015, 07, 12

Gedichte, deren Urheber zu sein ich stets leugnen werde #10

Der Wald, der hat sich eingestellt.
Wohlan, wer will ihn sehn?
Er muß hinaus ins freie Feld,
Ins grüne Feld nun gehn.

Er hielt im Walde sich versteckt,
Daß niemand ihn mehr sah;
Man sah ihn vor lauter Bäumen nicht,
Nun ist er wieder da.

2015, 07, 12

2015, 07, 09

Joachim Gauck ist das, was Schalke im Fußball ist: Der Meister der Herzen, also ein urbaner Waldschrat, der seinen Mangel an Können dadurch ausgleicht, daß er das Herz der Volksmasse anspricht. Leider ist er nicht auch so erfolglos wie Schalke. Daher muß der Esel, den die Esel zu ihrem Präsidenten gemacht haben, fortwährend für den ganzen Stall denken, obgleich seine Neigung doch immer nur den vorderen Boxen gehört, in denen die Zuchtesel hausen. Das Resultat solcher Zerrissenheit ist der Volksgemeinschaftskitsch, in dem der Realität des Volks die Wahrheit des Volks entgegensetzt wird und der findet, die Deutschen sind eigentlich nur deswegen so xenophob, weil sie ihr Nationalgefühl noch nicht hinreichend ausgelebt haben:

»Wir alle, die wir diesen demokratischen, freiheitlichen Staat für verteidigenswert halten, sind aufgerufen, den Zusammenhalt unserer Bürger in eben diesem Geist zu fördern. Denn wir erleben, dass sich fremdenfeindliche Haltungen festsetzen, manche Menschen nicht einmal mehr vor Übergriffen zurückschrecken … Aber die Emotionen, das Wir-Gefühl und das Selbstverständnis der Deutschen haben mit dieser Entwicklung noch nicht überall Schritt gehalten.«

2015, 07, 08

Aus der Reihe: Plakate, die den Charakter des Films fast getroffen hätten:

2015, 07, 07

Axel & Söhne wieder:

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Unlängst wies mich jemand, anläßlich meiner »Blümchenkinder«, darauf hin, ich solle doch nicht in alte Feindbilder zurückfallen. Solches hier hatte ich bei meiner Attacke gegen das Haus und seinen Klüngel noch nichtmal im Sinn, stelle aber beruhigt fest, daß man dort den Job des Zurückfallens in alte Muster auch ganz ohne fremde Hilfe meistert.

2015, 07, 05

Ich frage mich, was Autoren, die die prätentiöse Formel »Statt eines Vorworts« über ihre Vorworte schreiben, damit zum Ausdruck bringen wollen. Verkaufen die auch »Statt eines Buches« statt eines Buches?

2015, 07, 04

Er war die Sorte Feingeist, die, beim Vortrag eines Running Gags anwesend, den Vortragenden darauf aufmerksam macht, daß er den Witz schon einmal gerissen habe.

2015, 07, 03

Die Leiden des Genies

Mit 0 Punkten beim IQ-Test abgeschnitten, weil er daran scheiterte, die Kappe des Stifts zu entfernen.

2015, 07, 01

Natürlich gibt es Angenehmeres als gehaßt zu werden. Es gibt aber auch weniger Angenehmes. Zum Beispiel Hassen.

2015, 06, 29

Ich habe die letzten zwei Wochen damit zugebracht, die Texte, die in den »Odysseus« sollen, auszuwählen und durchzusehen. Es sind 20, manche davon sehr lang. Das Buch wird 300 Seiten (in 16,5 x 22,2 cm) haben. Die schiere Textmenge (ca. 800.000 Zeichen) war also hinreichend groß, um daran verblöden zu dürfen. Am Ende des Lektorats hatte ich die Idee, an irgendeinen Satz in dem Buche eine Fußnote zu hängen mit dem Inhalt: »Das sollten sich einige Herrschaften mal hinter die Ohren schreiben!« Nun bin ich ganz gespannt, ob ich diesen Plan auch umgesetzt habe.

2015, 06, 23

Ein neues Meisterwerk am utopischen Kurzfilmhimmel:

»Axel Honneth verlässt die Universität«

(Regie: Lukas Savari)

2015, 06, 17

Gedichte, deren Urheber zu sein ich stets leugnen werde #9

DIE NEUTRALITÄT DER GESCHLECHTER

Ombudsfrau und Ombudsmann
Saßen da und sahn sich an.

2015, 06, 16

Und was in jedem Fall gegen den Tod spricht: Dort wartet Günter Grass.

2015, 06, 16

Harry Rowohlt (†) an Peter Hacks (28. Juli 2002):

»[…] verdanke ich einen schönen Ausspruch, zwar nicht von ihr, aber doch immerhin von mir. Im Rahmen eines Interviews, das ich ihr gewährte, fragte sie mich einst nach meinem Musikgeschmack, und als ich ›Country‹ antwortete, sagte sie: ›Wir Kommunisten mögen keinen Kitsch.‹ Darauf ich: ›WIR Kommunisten aber schon.‹ Zum Abschluß unseres Telefonats sagte ich: ›Ich habe übrigens heute einen Brief von Dr. Peter Hacks aus Groß Machnow gekriegt.‹ Sie (erpicht): ›Ah ja? Was schreibt er?‹ Ich (grausam): ›Das, Baby, wirst du nie erfahren.‹ (Legt auf.)«

2015, 06, 16

Kalauer, die man sich erstmal trauen muß #19

Die Öde an die Freude verdient doch ihren Namen.

2015, 06, 15

Kalauer, die man sich erstmal trauen muß #18

Randnotiz Staffelfinale: In Westeros nichts Neues.

2015, 06, 15

Ich bereite meinen nächsten peinlichen Kalauer vor und frage mich, was schlimmer klingt: Nägel bei die Fische oder Butter mit Köpfen?

2015, 06, 14

Hiltrud, komm schnell: Es spricht schon wieder aus ihr!

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2015, 06, 13

Der passive Wortschatz ist eines der wichtigsten Instrumente des Sittlichen. Angenehmer freilich ist, häßliche Wörter gar nicht erst zu kennen.

2015, 06, 11

Natürlich ist der wahre Blick in die Seele eines Menschen der Blick in seinen Kühlschrank. Der Blick auf seinen Schreibtisch beweist gar nichts. In Worten: Gar nichts. Nada. Zippo. Zilch.

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2015, 06, 09

»Rock ‘n Roll ist grundlose Innovation. So lautet die kürzeste Definition, die mir bislang untergekommen ist.«

https://nachdenklichekrankenschwester.wordpress.com/2015/06/03/wie-ich-eine-zeiss-caster-baute/

2015, 06, 08

Ich bin, was Game of Thrones betrifft, mißmutiger denn je. Soweit es die übergreifende Handlung betrifft, ist die Serie gut erzählt. Die Daenerys-Fabel hat sogar, nach anfänglicher Langeweile, ein dramatisch hohes Niveau erreicht; man kann an ihr inzwischen fast die Normallogik eines jeden Revolutionszeitalters nacherzählen. Auch über die Leistung der Darsteller muß man nicht streiten. Und die Einfälle der Episoden sind mitunter grandios. Was mich stört, ist diese typische HBO-Masche, dieses sinnlose Spiel mit nackter Haut und Sadismus, das nur in wenigen Fällen einen Zweck für die Fabel hat und meistens nicht mehr zu sein scheint als das übliche Aufmerksamkeitsheischen mit äußerlichen Mitteln. Die Rote Hochzeit, Genitalverstümmlungen, Vergewaltigungen live, zuletzt ein Menschenopfer. Und praktisch nie wird der Konflikt als Konflikt gezeigt, es bleibt immer nur das höhnische Lachen des Schurken oder die Gleichgültigkeit der Beteiligten. Ich will ja gar nicht MacGyver zurück. Ich meine nur, daß Spannung aus der Handlung und nicht aus dem Effekt kommen sollte.

2015, 06, 08

Befremdlich, daß Sauce Hollandaise auch nach Jahren noch schafft, einen lähmenden Erwartungsdruck auf mich auszuüben. Gerade prokrastiniere ich mit Arbeit, um nicht kochen zu müssen.

2015, 06, 06

Ich habe es gerade geschafft, einen Text über die FIFA zu schreiben, in dem das Wort »Fußball« nicht einmal vorkommt.

2015, 06, 06

Auf Fehmarn fand vor ca. 20 Jahren eines dieser lokalen Feste statt, auf denen man grillt, trinkt, fremdgeht usw. Am Buffettisch lag schön aufbereitet eine größere Menge weißen Spargels. Eine Frau trat an den Tisch, schnitt am vorderen Ende durch die Spargelstangen, tat das Getrennte auf und entfernte sich, die verblüfften Blicke der Umstehenden gewahr werdend, mit den Worten: »Mein Mann mag am liebsten die Spitzen.«

spargel

2015, 06, 06

Gedanken in kurzen Hosen:

Daß die Würde des Menschen unantastbar ist, wird solange eine hohle Phrase bleiben, als es Jahreszeiten wie den Sommer gibt.

2015, 06, 05

Material für morgen:

»Enrique hat Barca nicht verzaubert oder verhext, sondern kehrte lediglich zur Klub-DNA zurück: Barca spielt im holländischen 4-3-3-System, mit zwei Dribblern auf dem Flügel und mit Suarez als klassischem Stoßstürmer. Der Teufel liegt wie so oft im Detail. Natürlich ist Barcelona noch immer ein Ballbesitzteam, doch ihre Spielanlage hat sich merklich gewandelt. Es wird schneller gespielt, direkter der Weg in die Spitze gesucht. Barca ist nicht mehr abonniert auf das Spiel durch das Zentrum, es wird öfter der Weg über die Flügel gesucht.«

Barca, mit anderen Worten, spielt exakt so wie unter Guardiola 2008/09, in der ersten großen Saison der Ära. Die mit dem Tripel. Der Messi von heute ist besser als der damals, Neymar ist fast so gut wie Henry damals, und Suarez ist zumindest der Möglichkeit nach der bessere zentrale Stürmer als Etoo. Ich habe, obwohl der Höhepunkt der Entwicklung wohl später, bei 2010/11 liegt, die Mischung von damals (Kurzpaß- + Tempospiel) immer als die ideale empfunden und nie ganz begriffen, warum Guardiola sich so sehr in seine – grundsätzlich richtige – Idee des reinen Kurzpaßspiels zurückgezogen hat. Das Kurzpaßspiel wurde ja dadurch nicht gefährlicher, und dafür ging das andere Element, das schnelle Spiel auf den Flügeln, verloren, das situativ zum Einsatz kommen konnte und dann oft sehr erfolgreich war.

http://www.11freunde.de/artikel/was-macht-barca-so-stark

2015, 06, 05

Momente, in denen ich dann doch froh bin, unter Deutschen zu leben: Wenn man um 14 Uhr ins übervolle Freibad kommt und trotzdem noch ausreichend schattige Plätze vorhanden sind. So viel Glück hätte man unter normalen Menschen nicht.

2015, 06, 02

Ich habe von meinen dauerhaften Erkältungszuständen allmählich die Nase voll.

2015, 06, 01

Kopf hoch, HSV. Nächstes Jahr klappt es bestimmt.

2015, 06, 01

Das sind die beiden vorangestellten Sätze in Daths »Für immer in Honig« (2005). Gelesen 2010, wiedergelesen (gehört) 2012. Verstanden (vermute ich) schon damals, aber man muß zugeben, daß die jüngste Historie dem Verständnis dieser Sätze eine zusätzliche Pointe verpaßt hat.

Honig

2015, 05, 31

Ich durchlebe gerade die langweiligste Bahnfahrt aller Zeiten. Der kleine Mann ist auch nicht mehr das, was er mal war.

2015, 05, 30

Die einzige Querfront, die mich heute abend wirklich stört, ist die Viererkette von Wolfsburg.

2015, 05, 30

Selbstkritik: Gegen Artikel der Welt polemisieren ist ein wenig, als bewürfe man Analphabeten mit Buchstabensuppe.

2015, 05, 30

Es gibt ja auf Facebook diese Leute, die ununterbrochen irgendwen entfreunden und darüber ausführlich berichterstatten. Wie ein Huhn, das jedesmal gackert, wenn es darauf verzichtet hat, ein Ei zu legen. Skurril ist die Haltung, alle Welt noch an seinen Unterlassungen teilhaben zu lassen. Skurriler aber, daß man, um Entfreundungskönig zu werden, erstmal Befreundungskönig gewesen sein muß.

2015, 05, 26

Zwei Jahre Japan und anderthalb weitere in Baden haben mich wohl nicht dümmer, aber doch vorsichtiger in dem gemacht, was ich sage. Beim Dialekt neige ich ohnehin dazu, mich aufs Gegenüber einzustellen. Ich berlinere, wenn ich anberliniert werde. Das dann aber unvermeidlich. Und daß sie weder im Odenwald noch in Kansai das Konzept der permanenten Ironie kennen, ist etwas, womit sie – nicht ich – leben müssen. Die rauhe Ausdrucksweise wiederum mußte ich mir regelrecht abtrainieren und merke, daß die Freundlichkeit mir nicht zur zweiten Natur geworden ist, immer erst dann, wenn ich mal wieder in Berlin bin und gleich wie selbstverständlich in die alten Umgangsformen zurückfalle. Heute morgen röhrt mich irgendein Nachbar meiner Eltern quer durchs Haus an: »[blubb blubb] Licht angelassen!« Noch ehe er ausgeröhrt hat, röhre ich zurück: »Dann machs halt aus, Pfosten!« Ich versichere, daß zwischen Rezeption von Nachbars Mitteilung und meiner Antwort nicht 1 Gedanke durch meinen Kopf ging, ernstlich: Reiz –> Reflex. Es war, als ob ich neben mir stehe und kopfschüttelnd mein eignes Verhalten studiere. Nach getaner Arbeit setzte ich mein Fahrrad mit den Worten »Beim nächsten Mal mehr!« in Gang, was beim Nachbar genauso gut anzukommen schien wie die erste Entgegnung. Soll heißen: Ich freue mich, einmal wieder zu Hause zu sein.

2015, 05, 26

»Doch Varoufakis wäre nicht Varoufakis, hätte er es bei den Fotos belassen.«

Doch die Deutsche Presse wäre nicht die Deutsche Presse, hätte sie die Fähigkeit, über Varoufakis ohne alberne Personalisierungen zu berichten.

http://www.stefan-niggemeier.de/blog/21131/

2015, 05, 24

Verschleppt durch Familienbande in das Ödland anliegender Kleingartenkultur mit seiner entsetzlich penetranten Sonne, seinem Stechvieh, Pollenflug, verblödeten Nachbarn und seinem quälend langsamen Internetempfang zeichnet sich mir doch eine waldmeisterlich-weiße Art Glück vor der Nase ab. Es gibt ein richtiges Leben im Falschen.

weisse

2015, 05, 23

Willy Astor, du Vereinshymnenschwerverbrecher!

2015, 05, 22

aus meinen Frankfurter Tagebüchern (Band 1, S. 1):

Es gibt nur eines, das noch mehr nervt als ein Zug, der wegen Überfüllung nicht abfährt: Passagiere in einem Zug, der wegen Überfüllung nicht abfährt.

2015, 05, 21

[23:56 Uhr] Da ich morgen mit meinem Sohn nach Berlin fahre, habe ich heute abend noch schnell per Google Street View einen Blick auf mein altes Zuhause geworfen und sehe nun, daß meine Eltern schon wieder das Fenster offengelassen haben. Von einem Anruf habe ich dann aber doch Abstand genommen.

berlin

2015, 05, 21

Kalauer, die man sich erstmal trauen muß #17

Liverpool

liverpool

2015, 05, 20

Das Leben ist manchmal so ein Trottel. Wie kann man bloß auf die Idee kommen, zwei so elementare Shortcuts wie Strg+c & Strg+v direkt nebeneinander zu legen?

2015, 05, 16

Wenn Trolle aus der Kommentarspalte in den Haupttext aufsteigen. Filipp Piatov tanzt die Performance fort, die ich letzte Woche in den »Blümchenkindern« beschrieben habe.

http://www.welt.de/debatte/kommentare/article140977655/Wer-das-Falsche-studiert-wird-keinen-Job-finden.html

2015, 05, 11

Stefan Liebich tritt der Atlantik-Brücke bei. Das ist gut und wichtig. Irgendwer muß doch dafür sorgen, daß die Atlantik-Brücke nicht zu sehr nach links abdriftet. Für diesen Job ist Liebich nach aller Erfahrung der richtige.

2015, 05, 09

Und für alle, denen unterdessen entfallen ist, wer die Alleinschuld an der Situation trägt, weist die Deutsche Bahn, ihre Anzeigentafeln mißbrauchend, noch einmal darauf hin.

gdl

2015, 05, 08

Das Unbehagen am 8. Mai läßt sich leicht lösen. Wer nicht will, daß die Losung vom »Tag der Befreiung« falsch verstanden werden kann, nämlich als indirekte Entschuldung der Deutschen, die dieses Regime, von dem sie auf militärische Weise getrennt wurden, mehrheitlich mitbetrieben haben, der soll den 8. Mai am 9. Mai feiern. Zum Zeitpunkt der Kapitulation war es in Moskau bereits nach Mitternacht. Der 8. Mai wäre dann die Zeitreichnung des Nazireichs, der 9. Mai die der anderen Länder.

2015, 05, 07

Daß er schlecht ist, ist am Kalauer das Gattungseigene. Das Lachen, das er erzeugt, ist jenes von der Sorte: »Och nee …«. Er ist damit eigentlich kein Witz, sondern die Behauptung eines Witzes. Die Demonstration der humorvollen Haltung geht am besten mit solchen Gattungen, die es nicht leicht haben, Lachen zu erzeugen. Der Kalauer ist derjenige Witz, der dadurch besticht, daß er die Entschlossenheit seines Urhebers verrät, das Leben leicht zu nehmen. Deswegen muß man ihn pflegen, wie eine schlechte Angewohnheit.

2015, 05, 07

Kalauer, die man sich erstmal trauen muß #16

Ich habe vorgestern Kaumliebenswürdiges über die Achse des Guten veröffentlicht. Heute sollte ich erwähnen, daß die Achsel des Guten dagegen sehr gelobt werden muß:

prince

2015, 05, 07

Man kann eine Bewegung bei ihrem Fußvolk packen, dann ist es ganz leicht, man kommt schnell auf die Pathologie. Aber dann steckt immer auch etwas übergreifende Fußvolkpathologie drin. Das Spezfische einer Bewegung kriegt man besser, wenn man sich ihre besten Vertreter ansieht.

2015, 05, 04

Tatsächlich sind doch die sozialen Netzwerke im Internet dasjenige, was seit über 2000 Jahren der Agora in ihrer gesellschaftlichen Funktion und Bedeutung am nächsten kommt: eine kaum kontrollierte Form der Öffentlichkeit, die auf aktiver Teilnahme der Einzelnen beruht und deren Vorgänge dennoch weit über den Sichtkreis des Einzelnen hinaus ruchbar sein können.

2015, 05, 01

Leiden des Saul-Ascher-Forschers:

Meine Frau ruft gerade: »Es ist schon 1813!« Sie meinte natürlich die Uhrzeit. Aber zusammengezuckt bin ich doch.

2015, 04, 30

Odysseus ist jetzt in seiner Rotstrichphase. Irgendwie ist es bedenklich, daß ich dem eigenen Buch beim Schrumpfen zusehe und nichtmal traurig bin. Vielleicht liegts ja am Gegenstand. Wenn ich z.B. »Die Anatomie der schreibenden Mehrheit« aus dem Band werfe, dann denke ich nicht: Schade um den schönen Text, sondern ich denke: Gut, ein paar Idioten weniger im Buch.

2015, 04, 25

Idris Elba wäre wahrscheinlich ein brillanter Bond und ästhetisch jedenfalls eine geringere Revolution als ein Bondsong von Madonna. Dennoch, Spiegel Online, der Mann, den ihr Yaphet Kotto nennt, heißt Alonso Mosley, und er ist der wahrhaft Unsterbliche hier.

http://www.spiegel.de/panorama/leute/james-bond-yaphet-kotto-gegen-schwarzen-007-a-1027651.html

2015, 04, 24

Kalauer, die man sich erstmal trauen muß #15

Loretta Lynch wird also …

Ich trau mich nicht.

2015, 04, 23

»Je mehr wir zu uns kommen lassen, umso mehr werden ihr Leben riskieren und verlieren , um zu uns zu kommen.«

Wenn Broder hierfür Beifall von HC Strache erhält, dann greift auch die bekannte Unterscheidung von Gesinnungs- und Handlungsethik nicht, denn nach dem, was Broder hier und zuletzt geschrieben hat, ist der Beifall von Strache gewiß kein Beifall von der falschen Seite mehr.

2015, 04, 23

Worte, die keiner braucht #1

Fußballdeutschland

2015, 04, 22

Der GDL-Streik zwingt mich, über die Dörfer zu tingeln statt im ICE zu sitzen, mithin, fünfmal umzusteigen statt einmal. Zum Zeitvertreib wollte ich erst meinen Text zum letzten GDL-Streik lesen, habe mich dann aber doch dafür entschieden:

Reinhard Lakomy: Lokführerlied

2015, 04, 22

Rezeption:

vortrag

2015, 04, 21

Eitelkeiten des Bahnreisenden. Eben stehe ich in Beerfelden-Hetzbach. Es ist genauso, wie ich es mir vorgestellt haben würde, hätte ich je eine unbestimmte Kenntnis von der Existenz dieses Ortes gehabt. Nun, da ich von Beerfelden-Hetzbach weiß, verlasse ich es im Bewußtsein eines Bildungsvorteils, denn ich bin sicher, daß Beerfelden-Hetzbach von mir nach wie vor nichts weiß.

2015, 04, 20

Kalauer, die man sich erstmal trauen muß #14

Wer im April Grass sät, wird im Juli Zeh ernten.

2015, 04, 19

Eigentlich wollte ich schon immer mal in Auerbachs Keller lesen. Aber die wissen nichts von Politik. Und schlecht beleuchtet sind sie auch. Wenn ich also am Dienstagabend in der Uni Leipzig unvermittelt »Eckermann, notiernse!« sage, dann kann das als Ausdruck der Trauer mißdeutet werden.

https://baaleipzig.wordpress.com/veranstaltungsreihe-die-feinde-israels/

2015, 04, 15

Veronica Ferres bekennt: »R.I.P. Günther Grass! Ich glaube auch an eine Vielzahl von Wirklichkeiten!«

Ja, auch ich gebe es zu, Frau Ferres, ich glaube, wie Sie, wie Günter (der sich übrigens in jeglicher Wirklichkeit ohne h schreibt), an eine Vielzahl von Wirklichkeiten. Aber in allen von denen sind Sie mit Carsten Maschmeyer verheiratet. Ist das nicht traurig?

2015, 04, 15

Eigenschaften sind überhaupt das allerunausstehlichste an den Menschen.

2015, 04, 14

Daß der Vatikan sich weiterhin weigert, einen schwulen Botschafter als französische Abordnung zu akzeptieren, ist doch bestenfalls ein kleiner Skandal. Religion bedeutet ja wörtlich nicht viel mehr als eine liebgewonnene Sache zu bewahren, ihr gegen die Anmutungen von außen mit Sorge im Dienste zu sein. Die gute Sache, das ist in guter Tradition die eigene Einbildung, die Anmutung von außen, das ist in nicht minder guter Tradition die Wirklichkeit mit ihren Evidenzen. Es ist nicht Aufgabe von Religionen voranzuschreiten. In aller Regel braucht die Katholische etwa 400 Jahre, ehe sie eine weltliche Evidenz anerkennt. Planeten, die um die Sonne kreisen zum Beispiel. Die Frage ist nicht, ob die Katholische Kirche irgendwann einen offen schwulen Papst haben wird. Die Frage ist, ob sie, bis es so weit sei, noch existieren wird. Wetten werden ab Montag bei mir angenommen.

2015, 04 , 14

Die Grasstrommel ist immer noch bei weitem das erträglichste Buch aus der Reihe des Grauens. Grassens Sprache jedoch ist immer, in allen Büchern, volkstümelnd-manieriert und dabei stets inkonsequent durchgeführt. Er hatte Talent zum Ausdruck, aber er konnte es nicht geschickt einsetzen. Und als Erzähler hat er dasselbe Problem: die Einfälle, die Szenen sind gelegentlich gut, aber das Ganze entzog sich seines Zugriffs. Das war im übrigen auch der Vorwurf, den MRR ihm über die Jahre immer wieder gemacht hat, abgesehen von dem, daß seine dauerhafte Schreibkrise seit Ende der Sechziger mit Politisierei kompensiert werde. Nur war MRR da nicht konsequent, weil er eben auch von Grass pofitiert hat (spät hat er das bereut, in einem Interview 2012 mit Weidermann). Grass jedenfalls hatte gute Anlagen zum Schreiben, stilistisch und erzählerisch, aber er wußte nicht, wie man die organisiert. Und was am Ende immer noch bleibt, ist das Urteil Dürrenmatts: Um so dicke Bücher zu schreiben, ist der Grass einfach nicht intelligent genug. Der Roman ist die Gattung, in die man die ganze Welt packen kann. Und zwar, im Gegensatz zum Drama, entfaltet. Die Welt des Günter Grass will ich nirgends hineinverpackt sehen.

2015, 04, 13

Günter Grass ist tot. Hat Ken Jebsen schon bekanntgegeben, wer dahinter steckt?

2015, 04, 10

Schlimmer als ein Ohrwurm ist ein Ohrwurm durch einen Song, den es gar nicht gibt. So plagt mich seit Wochen in der Melodie von »Camptown Races« folgender Satz: »Ned Flanders war ein feiner Kerl, duda duda …« Und keine Ahnung, wie ich das wieder loswerden soll.

2015, 04, 09

Schon aus sportlicher Perspektive muß das blinde Vertrauen in alles, was irgendwie nach einem Gegner für seinen (Augsteins) Leib-und-Magen-Feind aussieht, beeindrucken. Kein Mensch weiß, wie ernst die Vernichtungsdrohungen des Iran tatsächlich zu nehmen sind. Augstein weiß es. Er muß es wissen. Wenn er nicht ganz genau wüßte, daß der Iran nichts weiter will, als seine Defense aufzustellen, müßte er ja zugeben, daß ein Restrisiko für Israel wirklich vorhanden ist. Und wo ein Restrisiko eingestanden ist, läßt sich eine Sicherheitspolitik, die es einkalkuliert, nicht mehr als irrationale Kriegstreiberei brandmarken. Mit einem Wort: Augstein will es nicht wissen, weil es andernfalls viel schwerer wäre, zu seinen gestanzten 1-Satz-Urteilen zu kommen, die er so liebt und über die hinaus er ohnehin keinen klaren Gedanken fassen kann.

Es plappert also mal wieder. Ohne Punkt. Ohne Komma. Ohne Ahnung. Sogar Robinson hat schon angerufen. Er will seinen Freitag zurück.

http://www.spiegel.de/politik/ausland/jakob-augstein-ueber-den-atomvertrag-mit-iran-und-benjamin-netanyahu-a-1027654.html

2015, 04, 08

Bemerkenswert an diesem Artikel scheint mir die Formel, mit der Ulf Poschardt ihn auf seiner Pinnwand verlinkt hat: »so sind unsere jungen autorinnen. schockierend egoistisch.« Man sieht gut, worauf es ankommt. Da das bloße Ich nicht stark genug ist, ein ganzes Weltbild zu begründen, muß immer der Skandal mit her, das Schockierende. Diese Pose, daß man bestimmte Dinge eben tun muß, um gegen den Mainstream zu wirken, ist eigentlich ein Panzer, der von der Pflicht zur Substanz befreien soll. Was man uns mitteilt, ist nicht mehr als eine Meinung mit nicht mehr Geltung als für denjenigen, der sie herumträgt. Sagte man das aber unfrisiert und ohne Rebellenpose, wäre das ganz banal. Also gibt man vor, gestisch zu schreiben, eine bestimmte Haltung einzunehmen, um zu schocken. Und das ist die Masche eigentlich aller Springer-Kolumnisten.

http://www.welt.de/kultur/article139269797/Warum-mich-der-Feminismus-anekelt.html

2015, 04, 07

Die Hauptfrage der Matussek-Forschung lautet:

War sein Maoismus so katholisch, wie sein Katholizismus maoistisch ist?

2015, 04, 06

Es wird überhaupt zu wenig auf Facebook geredet. Über alles.

2015, 04, 06

Ich finde, auf Facebook wird viel zu wenig über das Wetter geredet.

2015, 04, 02

Heute wieder politische Ideologiegeschichte am Eßtisch. Der Sohn will sein Gemüse nicht essen.

Papa: Wenn du dieses Gemüse gegessen hast, kannst du die zweite Portion Nudeln haben.
Sohn: Ich hab das schon gegessen.
Papa: Nein. Da isses doch noch.
Sohn: Ich hab keinen Hunger mehr.
Papa: Gut, aber wenn man keinen Hunger mehr hat, braucht man auch keine Nudeln zu essen.
Sohn: Ich hab noch Hunger. Gibts du mir die Nudeln?
Papa: Wenn du das Gemüse aufgegessen hast.
Sohn: Ich hab das schon gegessen.
Papa: Mein lieber Sohn, ich sage das nicht gern, aber du diskutierst wie ein Israelkritiker.

2015, 03, 31

Wie man solchem Populismus entgegnet?

steuern

So:

Nachkommen der alten Geschlechter in Rom waren die Patrizier, die nach der Vertreibung der Könige die höchsten Ämter im Staat besetzten und viele Vorrechte besaßen. Aus den Nachkommen der später Zugewanderten war der Stand der Plebejer erwachsen. Diese hatten keinen Anteil an der Regierung und keinen Zugang zu den Beamtenstellen, waren aber zum Kriegsdienst und zur Steuerzahlung verpflichtet. Da die Römer viele Kriege führen mußten, waren seine Bürger oft lange Zeit von Hause fort, konnten ihre Äcker nicht bestellen und gerieten in Verschuldung.

Immer drückender wurden diese Mißstände, immer belastender die Schulden, in die sich die Plebejer verstrickten, und immer größer wurde die Unzufriedenheit. Als sie wieder einmal von einem beschwerlichen Kriegszug heimkehrten und die Hoffnung auf Befreiung von den drückenden Steuerlasten enttäuscht wurde, kam es zu einem Aufstand. Bewaffnet, wie die Plebejer noch vom Kriegszuge waren, rotteten sie sich zusammen und zogen zur Stadt hinaus auf eine Anhöhe, nicht weit von Rom. Dort auf dem »Heiligen Berge« ließen sie sich nieder.

Mit Bestürzung erlebten Senat und Patrizier diesen Auszug; denn ohne die Masse der Plebejer schien der römische Staat nicht lebensfähig. Alle waren sich darin einig, daß man sie zurückholen müsse. Man betraute Menenius Agrippa, einen erfahrenen Senator und ein Freund des Volkes, mit der Führung der Gesandtschaft, die mit den Plebejern verhandeln sollte.

Murrend wurde er empfangen, man wollte von seinen Vorschlägen nichts wissen. Doch dann gelang es ihm, die Aufmerksamkeit der Ausgewanderten zu gewinnen. Menenius Agrippa erzählte ihnen eine Fabel: »Einst empörten sich die Glieder des Körpers gegen den Magen, weil sie glaubten, er allein sei untätig, während sie alle arbeiteten. So weigerten sie sich, weiterhin ihren Dienst zu tun. Die Hände wollten keine Speise mehr zum Munde führen, der Mund sie nicht mehr aufnehmen und die Zähne sie nicht zermahlen.

Doch als die Glieder nun ihren Plan ausführten, spürten sie allzubald, daß sie durch solche Weigerung sich selbst am meisten schadeten. Jetzt erst erkannten sie nämlich, welche Bedeutung der Magen für sie habe: daß er die empfangene Speise verdaue und dadurch allen Gliedern Leben und Kraft verleihe. So hielten die Glieder es doch für besser, sich mit dem Magen zu versöhnen. – Und was will meine Fabel euch sagen?« schloß der kluge Agrippa. »Daß auch im Staate keiner ohne den andern bestehen kann, nur in der Eintracht liegt die Kraft.«

Diese Rede überzeugte die Plebejer, daß auch sie die reiche Erfahrung und die Staatskunst des Senats auf die Dauer nicht gut entbehren könnten. Doch nicht eher kehrten sie zurück, als bis die Patrizier ihnen ihre Forderungen zugestanden hatten. Von nun an wurden Volkstribunen gewählt, die jedes gegen die Plebejer gerichtete Gesetz für ungültig erklären und auch in die Gerichtsverhandlungen eingreifen konnten. Die Volkstribunen wurden bald nicht minder geachtet als die Konsuln.

2015, 03, 31

In Japan ist grad Kirschblüte. Und hier ist Sturm. Es ist aber noch keine vorbeigeflogen.

2015, 03, 30

Die zwei Tage bis zum 1. April hätte Deniz Yücel nun auch noch warten können. Nicht weil das irgendwas änderte, aber diesen Knaller am 1. April zu bringen, und dann kommt raus, daß der Aprilscherz darin liegt, daß dieser Aprilscherz gar kein Aprilscherz ist.

http://www.taz.de/Kolumne-Besser/!157354/

2015, 03, 29

Also Absturzwochen. Es ist ein emotional erschütterndes Ereignis. Und der Umstand, daß sich da ob Selbstmordpilot oder technischer Schaden eigentlich nichts Sinnvolles bei denken läßt, macht die Leute noch verrückter als der Vorfall schon selbst. Sie wollen ihre Trauer ausdrücken, haben aber das Gefühl, ein einfaches »Ich bin traurig« sei nicht ausreichend. Also suchen sie nach Möglichkeiten, ihre Trauer durch verallgemeinernde und die Welt zum mindesten etwas bessernde Feststellungen zum Ausdruck zu bringen. Irgendwas, das einen Sinn in die Sache schiebt, oder wenigstens eine sinnvolle Ersatzübung darstellt. Die einen hassen jetzt leidenschaftlich den Co-Piloten (und fordern vermutlich bald härtere Strafen für Amokselbstmörder). Die anderen vermuten mit derselben Leidenschaft eine Verschwörung (zum Kaschieren eines technischen Fehlers) und sehen den Copiloten als Sündenbock, womit einmal mehr bewiesen ist, daß nicht der Mensch, sondern bloß die Wirtschaft böse ist. Eine dritte Gruppe hat diese ersten beiden Hürden sonder Mühe genommen, scheitert aber an dem Versuch, das widerliche Betragen der BILD-Zeitung, die im Grunde nichts anderes tut als immer schon, mit der üblichen Gelassenheit zu ertragen. Auch in dieser dritten Position, die sich selbst als außerhalb des gerade laufenden, ich sag jetzt mal: Diskurses sieht, ist ein Anteil an ursprünglicher Trauer aufbewahrt. Jeder bewältigt den Ärger auf seine Weise. Man muß sich mit dem Gedanken helfen, daß dieses hysterische Geschnatter denen, die es hervorbringen, irgendwie weiterhilft. Ich will damit eigentlich nur sagen: Auch ich bin traurig, und euer Treiben auch deines, Kai Diekmann sei euch ein paar Tage lang völlig gegönnt. Aber dann haben wir uns wieder lieb und steigen zusammen in den nächsten Flieger zur Kegel-WM in Helsinki. Naja gut, Kai Diekmann nicht.

2015, 03, 28

Meinetwegen müssen sie übrigens nicht die Fahnen auf Halbmast ziehen. Der Anblick der deutschen Flagge als solcher macht mich bereits hinreichend traurig.

2015, 03, 27

Max Goldt lesen:

»Die Bild-Zeitung ist ein Organ der Niedertracht. Es ist falsch, sie zu lesen. Jemand, der zu dieser Zeitung beiträgt, ist gesellschaftlich absolut inakzeptabel. Es wäre verfehlt, zu einem ihrer Redakteure freundlich oder auch nur höflich zu sein. Man muß so unfreundlich zu ihnen sein, wie es das Gesetz gerade noch zuläßt. Es sind schlechte Menschen, die Falsches tun.«

2015, 03, 26

Nachrichten aus der Heimat #2

Eberbach, unweit von Mannheim, hat die richtige Antwort auf »Leben im Quadrat« gefunden: Leben im Kreis.

2015, 03, 20

Songquiz mit dem Sohne:

SOHN: Papa, kannst du nochmal das Lied singen, das du vorm Kindergarten gesungen hast?
PAPA: Heute morgen?
SOHN: Ja. Kennst du das noch?
PAPA: Ich weiß nicht, ob ich mich erinnere. Worum gings denn in dem Lied?
SOHN: Der Michael hat den Film vergessen.

Da fiels dem Papa wieder ein.

2015, 03, 19

Es fällt mir immer schwerer, Jan Böhmermann nicht zu mögen: https://www.youtube.com/watch?v=Vx-1LQu6mAE

Es gibt ja nun durchaus zwei Möglichkeiten: 1) B.s Behauptung stimmt. Dann wärs ein Coup von Seltenheit, getoppt allenfalls noch von Kujaus Tagebüchern (aber besser, weil mit fulminanter Selbstanzeige). 2) B.s Behautung stimmt nicht. Dann hätte er bewiesen, wie leicht sich Videos verändern und also Volksstimmungen manipulieren lassen.

Und warum das alles so genial ist, liegt nur zur Hälfte am Coup selbst (das Fake bzw das Metafake). Anders als Vorläufer wie Harald Schmidt und Martin Sonneborn beläßt Böhmermann es nicht beim Witz, sondern geht auf die Substanz. Er spült den Fall nicht mit einem Augenzwinkern weich, da ist kein »Alles nur Spaß«, und anschließend treffe man sich, um gemeinsam bei »III nach 9« darüber zu plaudern. Er greift Jauchs Verfahren als den eigentlichen Skandal an und richtet sich gegen einen von Mob 1.0 & 2.0 kooperativ hergestellten Entrüstungssturm. Böhmermann wird politisch, und das ist gut so:

»Es trifft aber wirklichn Nerv. So sind wir Deutschen halt. In einem Jahrhundert zweimal Europa verwüstet, aber wenn man uns den Stinkefinger zeigt, dann flippen wir aus. Dann kennen wir keine sachliche Diskussion mehr! … Denn wir sind Deutsche. Liebe Redaktion von Günther Jauch: Yanis Varoufakis hat unrecht. Ihr habt das Video nicht gefälscht. Ihr habt einfach nur das Video aus dem Zusammenhang gerissen und einen griechischen Politiker am Stinkefinger durchs Studio gezogen. Damit sich Muddi und Vaddi abends nachm Tatort noch mal schön aufregen können: ›Der Ausländer, raus aus Europa mit dem! Er ist arm und nimmt uns Deutschen das Geld weg! Das gibts ja wohl gar nicht! Wir sind hier die Chefs! So!‹ – Das habt ihr gemacht. Und der Rest ist von uns.«

2015, 03, 18

Über Otto Reutter erzählt man, daß er von seinem Manager so lange ins Klavierzimmer eingesperrt wurde, bis er mit einem neuen Hit wieder rauskam. Ich habe heute auf meinen Kalender gesehen und bemerkt, daß ich übermorgen einen Artikel abgeben muß, was etwas knapp ist. Das Thema: der zeitgenössische Autor. Also schloß ich mich selbst ins Zimmer ein. Und herauskam die These: Das Selfpublishing ist der lange Arm des Bitterfelder Wegs.

Der eherne Satz, daß einen die besten Einfälle grundsätzlich heimsuchen, während man auf der Toilette sitzt, ist damit damit vorerst widerlegt.

2015, 03, 16

Der Sohn ärgert sich, weil er sein zur Hälfte schon geleertes Schälchen mit Kartoffelchips zur Topinambursuppe nicht mit dem noch vollen Schälchen der Mama tauschen darf.

MAMA: Jeder hat gleich viel bekommen. Das ist deine Schale.
SOHN: Das ist NICHT meine Schale.

Sohn steht auf, geht in die Küche und leert die Schale in den Mülleimer.

SOHN: Das sind NICHT meine Kartoffelchips!

—-

Manche Begebenheiten ersetzen ganze Enzyklopädien der politischen Ideengeschichte.

2015, 03, 13

Nachrichten aus der Heimat. Die Eberbacher Bärlauchtage sind in vollem Gange. Sogar der Neckar müffelt. Für kurze Zeit trägt die Stadt, die sich sonst als »Perle des Odenwalds« vorstellt, den Beinamen »Bärlauch-Hauptstadt«. Im Gasthaus Grüner Baum gibt es ein Bärlauch-Buffet. Das Touristenzentrum veranstaltet eine Bärlauch-Wanderung. Das Café Victoria lädt im Vierhebigen Jambus zu einer Lesung: »Wenn Bärlauch Schokolade küßt«; im Anschluß findet ein Bärlauchpralinenkurs statt. Ich erhalte von all dem nur via Einwurf in meinen Postkasten Kenntnis. Vielleicht gehe ich nachher noch raus, aber zum Biomann. Da ist nämlich jeden Freitag Dinkeltag.

Einstweilen meldet die Heldenstadt Leipzig an, nur ihr allein gebüre die Krone, zu welchem Fall  bereits Brecht sich hat abschließend vernehmen lassen:

Andrea: Unglücklich das Land, das keinen Bärlauch hat!
Galilei: Unglücklich das Land, das Bärlauch nötig hat!

2015, 03, 12

Jeder kriegt die Freunde, die er verdient #1

»Was bedeutet Deine Frage, ob ich Deine Gedichte sehen wolle? Wenn sie bedeutet, daß Du weißt, daß sie schlecht sind, will ich sie nicht sehen.«

Hacks an André Müller (2. Februar 1998)

2015, 03, 12

Kalauer, die man sich erstmal trauen muß #13

Rückblickend läßt sich schon sagen, daß Diether Dehm Klaus Lage ganz schön zugetextet hat.

(ceterum: »Das Telefon schweigt wie gefrorenes Holz«, »Meine Eltern sind mit deinen damals Kegeln gefahrn« … Man kann, soweit ich seine Songs kenne, wohl verallgemeinern, daß Dehm eine Tendenz zu albern verkorksten Stellen in sonst ganz konventionell geschriebenen Schlagern hatte. Die Stellen hauen dann immer richtig rein und machen das Weiterhören unmöglich. »Schweißperlen« ist ähnlich. Die Exposition ist ganz (schlager-)klassisch, die Idee nichtmal schlecht, und im Refrain gehts dann um Achselschweiß. Diese Stelle: »Nur deinen Schweiß …« – Das ist, als ob einer mit einer heißen Nadel in einen mit Amoniakaromaduft gefüllten Ballon sticht.)

2015, 03, 10

Besorgte Mitmenschen sagen mir, ich soll nicht die ganze Zeit über politische Irrationalität schreiben. Ich tue das zwar durchschnittlich kaum öfter als einmal im Monat, aber gut, ich schließe mich also der um meine Gesundheit besorgten Fraktion an und werde nicht über die hiesigen Schmähungen gegen Syriza schreiben. Dabei hatte ich, alter Stammleser des Schadewaldt, schon so einen schönen Titel:

Hellas & Hysterien

2015, 03, 07

Ich schreibe jetzt doch einen Text zur Behandlung von Edathy. So tief kann man sinken.

2015, 03, 06

Selbst der schlechteste Fuballkommentator ist immer noch besser als der beste Fußballfan, weil er, was er sagt und tut, erst in seinem Kopf geformt hat, bevor er es in die Welt haut. (Marx, Kapital I/III-5) Und Marcel Reif ist nichtmal der schlechteste Fuballkommentator.

2015, 03, 03

Die Griechen sind entschuldigt, denn sie haben keinen Dativ. Die BILD hätte ihn, weiß aber nichts damit anzufangen:

Griechen

Auch, daß der Platz fürs m nur deswegen fehlt, weil das »wir« größergemacht wurde. In der Volksgeneinschaft ist kein Platz fürn m.

2015, 03, 02

Gedichte, deren Urheber zu sein ich stets leugnen werde #8 *

Herr Fricke und Frau Fricke
Spazierten auf der Jannowitzbrücke.
Da kam eine Mücke.
Und stach Frau Fricke.
Da nahm Herr Fricke seine Krücke
Und schlug der Mücke ins Genicke.
Das war der Mord auf der Jannowitzbrücke.

—-
* Ich habe das folgende Gedicht, wie gesagt, nie geschrieben, hätte ich es aber geschrieben, dann wäre das wohl Sommer ’88 im zarten Alter von 9 Jahren passiert. Ich habe, pardon: hätte also gleich doppelt Dispens.

2015, 02, 23

Bemerke gerade, daß ich die Oscarverleihung verpaßt habe und könnte jetzt alles auf die Grippe schieben. Aber wahrscheinlich hatte ich einfach keine Lust, mich von der Bollywoodschaukel zu erheben.

2015, 02, 21

Ich las einmal bei Egon Friedell die These, daß das Leben viel eher von der Kunst abschreibe als umgekehrt. Ich finde das immer noch abwegig, glaube aber mitunter, daß es stimmt. Vielleicht liegt es ja daran, daß das Leben abwegig ist.

Kopie: »Im Irak sind 22 Mitglieder der Al-Qaida-Organisation Islamischer Staat in Syrien und der Levante (ISIL) bei der Explosion einer Autobombe in einem islamistischen Trainingscamp nördlich von Bagdad, in der Nähe der Stadt Samarra, ums Leben gekommen. Die Bombe war eigentlich für ein Selbstmordattentat bestimmt – nach Angaben der Polizei war die Gruppe gerade dabei, ein Propaganda-Video mit dem künftigen Selbstmordattentäter zu filmen, als die Bombe losging. Ein Kommandeur habe die Funktionsweise des Sprengstoffs demonstrieren wollen, dabei sei dieser hochgegangen, schreibt die New York Times. Er und 21 andere seien gestorben.« (Die Welt)

Original: https://www.youtube.com/watch?v=kw1nzMY-Ouw (The Ladykillers)

Und was der Fall ganz abgesehen davon lehrt: Selbst der Islamismus ist imstande, die Welt ein bißchen besser zu machen. Davon steht bei Friedell natürlich nichts.

2015, 02, 19

Neuigkeiten vom Sohne:

Neulich laufen wir die Straße entlang. Sagt der Sohn: »Ich würde gerne in eine Moschee gehen.«

Man macht sich ja leicht Sorgen, so als Eltern. In der Kaufhalle dann sieht er auf einer Joghurt-Verpackung Dracula samt Fledermäusen. Sagt der Sohn: »Diesen Joghurt will ich haben. Den mit Batman.«

Nina Ruge hat recht: Alles wird gut.

2015, 02, 19

Gedichte, deren Urheber zu sein ich stets leugnen werde #7

Beamtenrock:

Die Kartei, die Kartei,
Die hat immer recht!

2015, 02, 17

Fastnachtnotizen #3

Unter meinem Fenster versucht ein leicht angetrunkenes Paar mit Hühnerkappen auf dem Kopf, ein paar Krach schlagende Kinder zur Ordnung anzuhalten. Es findet das richtig, und es fällt ihm dabei auch gar nichts auf.

Fastnachtnotizen #2

Und jetzt »Atemlos durch die Nacht«. Bevor ich in den Odenwald gezogen bin, wußte ich nicht mal, daß Helene Fischer überhaupt existiert. Ich fühle mich kontaminiert.

Fastnachtnotizen #1

Und draußen jetzt Humba Täterä. Wo warst du, Berlin, als ich dich brauchte?

2015, 02, 15

Aus der Reihe »Der hypothetische Paparazzo«: So hätte unser Fürstenzwillingsbild ausgesehen, wenn wir keins gehabt hätten.

Fürstentwins

2015, 02, 13

Die größte Leistung des Lungenfischs, wenn er sich während der Trockenperiode im Schlamm eingräbt und wartet, daß das Wasser zurückkommt, ist nicht, daß er nicht erstickt, sondern daß er nicht an Langeweile stirbt.

(Anmerkung des Autors: Ja, alle meine Texte sind autobiographisch.)

2015, 02, 07

Astro

2015, 02, 02

Gedichte, deren Urheber zu sein ich stets leugnen werde #6

BABEL

Sie plapperten und schrieen
Auf Griechisch und Latein,
Auf Belgisch und Chinesisch,
Und auf einander ein.

2015, 01, 22

Sätze, die man nicht einmal beim Lektorieren lesen möchte:

»Ich bin ein hoffnungsvoller Idealist und meine, es gäbe Zeiten, wo bestimmte Leute, angesichts des sich verschärft ausbreitenden verschärften Schwachsinns, sich erinnerten, daß es anders besser gehe.«

2015, 01, 20

Selbst in diesem, soweit es die Haltung betrifft, respektablen Moment lebt der Autor in der Täuschung, daß Anliegen und Tendenz der Achse jemals andere waren. Der »übellaunige Ex-Linke«, von dem er spricht, wollte nie was anderes als auf irgendeine unverdächtige Weise in der Mitte der Gesellschaft ankommen. Am wenigsten verdächtig tut man das, indem man sie und sich selbst marginalisiert. Es ging nie um Inhalte, sondern darum, daß »besserverdienendes Ignorantentum« nur in der Pose der Rebellion einigermaßen virulent sein kann. Und diese Saite hat auch Miersch immer wieder gern angeschlagen.

http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/na_dann_ohne_mich

2015, 01, 09

Das Elend unserer Tage. Die Satire liegt am Boden, die Realsatire boomt:

Ramelow-Wahl: CDU wollte SPD-Politiker einkaufen

Jazenjuk: »Wir können uns alle sehr gut an den sowjetischen Einmarsch in die Ukraine und nach Deutschland erinnern.«

»Russland will Transsexuellen das Autofahren verbieten.«