2017

 

2017, 12, 31

Kalauer, die man sich erstmal trauen muss #47

Ich mag kein Silvester. All diese Jahrsager.

2017, 12, 31

Wer nichts zu sagen hat, äußert sich schweigend – öder wortlich.

2017, 12, 26

Dann bleib doch zu Hause, Ulffried. Ist sowieso schwer jetzt mit den Parkplätzen in Kirchennähe.

2017, 12, 24

Ich hatte nie das Privileg, von den Eltern beim Onanieren erwischt zu werden. Aber seit ich heute mit einem Berg an Geschenken im Arm auf dem Weg ins Untergeschoss vom Sohn überrascht wurde, meine ich zu wissen, wie sich das angefühlt haben müsste.

2017, 12, 23

Konvergenz

2017, 12, 23

Entwurf einer Trauerrde: Mein Vater war ein grober Mann. Aber er liebte mich. Mit all seinen Fehlern.

2017, 12, 20

Glühwein ist die Leberwurst der Alkohole.

2017, 12, 20

Ich fühle mich von diesem Kalender um den 4. Advent betrogen.

2017, 12, 19

Ich mag die Idee, ich mag den Trailer. Und doch, man sieht hieran unmittelbar das Problem dieser Art Adaption. Dass sie sich bloß als Ableitung des Originals gebärdet nämlich. Wenn das Ziel Emanzipation ist — und verständigen wir uns darauf, dass das ein hinreichendes Ziel ist, einen Film zu machen –, dann wäre mehr Unabhängigkeit auch im Stofflichen sinnvoll. Allein das Anliegen, ein Heist-Movie dieser Klasse mit komplett weiblicher Besetzung zu erzählen (als Gegenfabel zur bislang unhinterfragt akzeptierten komplett männlichen Besetzung von »Oceans 11«), markiert den Wert des Unterfangens. Der Trailer allerdings lässt den Eindruck aufkommen, dass der ganze Film im Schatten des Originals stehen und kaum heraustreten wird. Das ist strategisch nicht sinnvoll und erinnert mich an »The Naked Now«, die erste Episode von »The Next Generation«, gleich nach dem Piloten. Man hätte die Chance gehabt, sich vom übermächtigen Original zu emanzipieren, und wählt bei der ersten Gelegenheit gleich eine Handlung, die sich unmittelbar auf eine Folge der Originalserie bezieht. »Oceans 8« muss also praktisch schon besser werden als die Vorlage, um gegen sie bestehen zu können. Von dieser Fehlwahrnehmung sollte man sich, so gut es geht, lösen und den Film für sich bewerten. Es sollte leichtfallen, den »Ghostbusters« von 2016 zu übertreffen. Und warum eigenlich 8? Nun, weil eine Trilogie aus drei Teilen besteht, und wo eine 11, 12, 13 ist, auch eine 8, 9, 10 sein muss. Bleiben wir dran. Wir bleiben dran.

2017, 12, 19

Mein Begriff von Nachbarschaft wurde wesentlich durch Alf geprägt.

2017, 12, 18

Sobald ein Jedi beginnt, über die Macht zu reden, klingt er wie der Leiter eines Freizeitkurses für Karate.

2017, 12, 15

Idee für einen Film: Die Handlung beginnt mit dem traumatischen Ereignis eines Kindes. Dann springt das Geschehen in die Gegenwart. Ein Ermittler ist einem Serientäter auf der Spur. Die Handlung macht deutlich, dass der Ermittler ein ähnliches Problem wie der Täter hat, und beider Probleme passen auf das zu Beginn gezeigte Ereignis. Ermittler fasst Täter. Es wird nicht aufgelöst, wer von beiden das Kind war.

2017, 12, 14

Zum Frühstück gleich ein Rib Eye zu essen fühlt sich nur halb so dekadent an, wenn man erst kurz vor 12 aufgestanden ist.

2017, 12, 13

Es gibt da bei Stoppard diese Stelle, an der Rosencrantz Güldenstern oder Güldenstern Rosencrantz fragt, ob er sich an den Moment in seinem Leben erinnere, an dem ihm das erste Mal klarwurde, dass das nicht einfach immer so weiter geht, dass irgendwann Schluss ist mit dem Leben. Im echten Leben kann sich wohl kaum einer an diesen Moment erinneren, weil man das erste Mal sehr wahrscheinlich im Kleinkindalter davon hört, jener Zeit, deren Erlebnisse nahezu vollständig im Unbewussten versinken. Man kann es aber nachspüren. Ich hatte einen solchen Moment, letzte Woche, als ich erfuhr, dass die Virgin Oak Serie von Auchentoshan sehr wahrscheinlich eine einmalige Sache bleiben wird. Nach Batch 2 dürfte Schluss sein. Irgendwie war ich davon ausgegangen, dass man diese kosmische Abfüllung erhalten wollen muss. Wenn der Macallan Sherry Oak 12y sowas wie die Jupiter Sinfonie unter den Single Malts ist (elegante Komposition, tiefe Wirkung, unfassbar langer Abgang), dann ist der Auchentoshan Virgin Oak der beste Song (was immer der beste ist, ich vermute, irgendwas von Nik Kershaw oder Mark Knopfler). Er rockt, wo der andere grazil ist. Vom Brennprozess scheint er die Orangen- bzw. Mandarinen-Note zu haben (denn sie ist allen Auchentoshan-Abfüllungen eigen, die ich kenne). Durch die Lagerung in unverwendeten Fässern aus amerikanischer Weißeiche kommt der vom Bourbon her bekannte rund-süßliche Geschmack hinzu (oft als Vanille bezeichnet, oder auch als Karamell). Ein guter Malt, sagt man, sei daran kenntlich, dass in ihm Brennereicharakter und Einfluss der Lagerung sich die Waage halten. Beim Auchentoshan tun sie das, aber die Elemente greifen fast feindlich ineinander. Die Spannung ist enorm, und so zusammen haben sie mich damals erobert. Meine alte Flasche ist fast leer. Ich habe mir heute eine neue gekauft, und ich weiß, dass es wahrscheinlich die letzte in meinem Leben gewesen sein wird. Ich bin jetzt genau in der richtigen Stimmung, Stoppards Schauspiel noch einmal zu lesen. Vielleicht nicht heute Abend, aber doch bald. Sicher jedenfalls, bevor ich die neue Flasche öffne. Wann immer ich das tue, ab dann werde ich wissen, dass die Zeit läuft, denn einen einmal geöffneten Whisky sollte man spätestens nach einem Jahr verzehrt haben. Also lasse ich die Flasche geschlossen? You can’t have the cake and eat it. Pardon: drink natürlich, drink the cake.

2017, 12, 12

»El Divo« ist der beste Film über Helmut Kohl seit Helmut Kohl. Es versteht sich, dass er das nur werden konnte, indem er sich einen anderen Gegenstand gesucht hat. Helmut Kohl ist nicht ästhetisierbar. In keiner Hinsicht. Sorrentino hingegen ist ein Regisseur, der sich in jeder einzelnen Situation für die Kunst entscheidet. Das strahlt durch jede Einstellung, jede Geste, jedes Wort hindurch. Das auch ohnedies etwas alberne Gerede darüber, dass heute keine großen Regisseure mehr gebe, wird durch diesen einen Menschen schon beschämt.

2017, 12, 12

eben bei WhatsApp

– Ich kann grad nicht antworten. Sitze im Schopenhauer-Seminar.
– Das ist natürlich ein zureichender Grund.

2017, 12, 11

Die besten Witze kommen noch immer von Augstein. »Bei aller Empörung …« Wie er sich in die Pose wirft des Nachdenklichbleibenwollenden, der sich mit Mühe zur Ordnung ruft, an den Rechtsstaat zu denken, und sich gegen seine politische Neigung zu diesem Bekenntnis hat durchringen müssen. Als ob er hier nicht mit juristischen Argumenten eine Praxis verteidigt, mit der er ohnehin keine Probleme hat.

Doch es ist auch schwierig mit Recht & Richtig: Israelische Flaggen zu verbrennen ist zwar erlaubt, wäre aber nicht richtig. Augstein einen antisemitischen Schwachkopf zu nennen wäre zwar richtig, ist aber nicht erlaubt.

2017, 12, 11

Einar & Anders. Skandinavische Reflexionen. Teil 1

Einar: Du bist so dumm wie boshaft.
Anders: Findest du nicht auch, dass das jetzt sehr einseitig ist?
Einar: Ich gebe zu, es könnte auch sein, dass es sich umgekehrt verhält.

Mit dem Gefühl, dem anderen was beigebracht zu haben, gingen sie auseinander.

2017, 12, 08

Eine gute Sauce und ein guter Text haben einiges gemein. Man braucht immer mehr, als man schließlich braucht. Man sammelt eine Menge passender Gedanken, und vielleicht die Hälfte davon schafft es in den Text. Aber ohne die andere Hälfte, die in den Tiefen einer Datei namens »Paralipomena« verschwindet und allenfalls per Zufall mal wieder unter den Schein eines Augenlichts gerät, ohne diese aussortierte Hälfte, könnte die erwählte nie das geworden sein, was sie nun ist. Das Lesen von Nachlasstexten lässt sich also dem Trinken flüssigen Entenfetts vergleichen, und da ich deutlich häufiger Nachlasstexte lese als Entenfett trinke, finde ich den Vergleich nicht übertrieben.

2017, 12, 08

Ich kann auch nachdenklich:

Tropfsteine sind die Sanduhren der Ewigkeit.

2017, 12, 08

Stirner, Marx, Michelet (v.l.n.r.)

2017, 12, 07

Kalauer, die man sich erstmal trauen muss #46

»Jetzt mal Buddha bei die Fische«, sagte er und schubste Siddhartha in den Teich.

2017, 12, 07

Es ist wirklich zum Verzweifeln. Da steht der Friedensprozess, an dem vor allem die Hamas so lange mit Engelsgeduld gearbeitet hat, endlich kurz vor Abschluss, und dann kommt dieser Trump und macht alles kaputt.

2017, 12, 03

Zumeist entstehen Missverständnisse zwischen mir und anderen dadurch, dass in Ironie gebrochene Aussagen für bar genommen werden. Ich habe mich über die Jahrzehnte daran gewöhnt, was insofern okay ist, als ich auch sonst nicht viel von der Welt erwarte. Erschwerend tritt hinzu, dass ich die britische Variante bevorzuge: Es ist nicht witzig, wenn man es nicht mit ernstem Gesicht vorträgt. Wirklich ernstgemeinte Aussagen hingegen müssen in witziger Form erscheinen. (Na, war dieser letzte Satz jetzt ironisch?) Was mir nicht in den Schädel will, ist der Ausdruck Selbstironie. Ironie, die ihr Subjekt nicht einschließt, ist bestenfalls boshaft oder listig und wird bevorzugt von Leuten, deren Ich nicht die Stärke hat, ohne die Abwertung des Anderen zu überleben. Wo Ironie äußerlich bleibt, kann Handlung nicht zur Haltung werden, und der eigentliche Wert der ironischen Haltung – nämlich der, durch Brechung eigener Gewissheit die Erkenntnis auf höhere Stufe zu bringen, indem Haltung dem Inhalt integriert wird – geht dort, wo Ironie nur gegen das Andere gerichtet ist, verloren. Der Spottende ist ein Esel, der sich eine Mütze aufstülpt, damit ihm keine langen Ohren wachsen. Der Ironiker ist ein Esel, der sich ein paar lange Ohren aufsetzt, damit ihm keine wachsen. Nur so hat er die Chance, tatsächlich schlauer zu werden. Man muss aber zugeben, dass auch in diesem Fall Dummheit sich ihren Weg sucht. Die aufgesetzten Ohren verwachsen meist mit der Zeit. Es verhält sich damit wohl nicht anders als mit der Dialektik, über die Goethe und Hegel sich (28. Oktober 1827) verständigt haben. Sie hilft eigentlich nur dem, der auch ohne sie klarkäme.

2017, 12, 02

Wenn mir etwas, das ich eigentlich weiß, gerade nicht einfallen will, bringt auch die Brechstange wenig. Ich denke dann meistens an etwas anderes, und spätestens nach einer halben Stunde hab ich es vergessen.

2017, 12, 02

Als unlängst einige Leichtbewaffnete aus der Phalanx der Antideutschen mit stolz eingestandener Kenntnislosigkeit die Quantenmechanik des postmodernen Relativismus und Mangels an Objektivität anklagten, war das noch nicht witzig. Als der Weihnachtskalender anstand, dann schon. Der Sohn fragte mich, ob im Kalenderkästchen von morgen schon heute was drin ist. Natürlich kann man sich darüber Gedanken machen. Erfahren wird man es erst, wenn heute nicht mehr heute, sondern morgen ist. Und also wird man nie wissen können, ob schon heute etwas drin gelegen hat. Ich mag mich irren, aber ich denke, dass Rudolph Schrödinger ein ziemlicher Weihnachtsmuffel war, im Gegensatz zu Nikolaus Bohr. Das war, was ich dachte. Was ich sagte, war: Ja.

Kinder und Ideologiekritiker brauchen einfache Wahrheiten.

2017, 12, 01

»Magnus« holt seine ganze Kraft aus der Figur, um die sich alles dreht. Das reicht, um 70 Minuten interessant zu bleiben, ist bloß zu wenig für eine Doku. Es fehlt die Idee hinter den Kamera. Aber ich nehme ein schönes Bild mit: der junge Magnus Carlsen in seiner ersten Partie gegen Garri Kasparow. Es gab Remis.

2017, 12, 01

Von Hannes Stein, der gelegentlich unerbeten in meinem Blickfeld auftaucht und von dem ich der Einfachheit halber annehme, dass er auch dann noch existiert, wenn ich ihn nicht wahrnehme, hatte ich das letzte Mal Notiz erhalten, als er vor gut einem Jahr beschrieb, wie er im Nachthemde gegen 4 Uhr früh nach der Wahl des Donald Trump weinend die Hand seiner Frau hielt, weil jetzt die Welt untergehe oder so ähnlich. Ganz so genau wollte ich das eigentlich gar nicht wissen, aber danke dafür. Nun hat er irgendwo auf Facebook anlässlich der obligatorischen Dummheiten des Zizek zu #metoo geäußert, dass er die Revolution ja ohnehin nicht leiden könne und Zizek ein Grund mehr dafür sei. Ich täte gut daran, einfach weiterzuarbeiten und Slavoj und Hannes einander zu überlassen; sie haben sich wirklich verdient. Doch es ist leider exemplarisch für das geläufige Verständnis des Revolutionsbegriffs. Die Revolution nicht mögen, das ist so sinnvoll, wie den Regen nicht mögen. Es gibt sicher gute Gründe dafür (nicht nass werden z.B.), aber er kommt, ob Hannes Stein das nun gefällt oder nicht. Eine Revolution ist ein genuines Ereignis des Bestehenden. Sie erklärt sich aus dem Zeitalter, aus dem sie hervorgeht, nicht aus dem, in das sie mündet. Sie erscheint nicht, weil sinistre Gestalten sich dazu entschlossen haben, sondern als Umschlag von Bewegungen, die im Bestehenden angelegt sind. Krisenhaften nämlich als Ausdruck, dass das Bestehende an seine Grenzen gelangt sei. Ich kann vieles verstehen. Einen etwa, der sagt, man müsse das Bestehende so einrichten, dass Revolutionen vermeidbar werden. Oder einen, der sagt, man müsse, da Revolutionen ohnehin geschehen, dafür sorgen, dass die richtigen Leute sie vollziehen. Oder einen, der meint, es sei möglich, durch eine temperierte Politik der Transformation den explosiven Umschlag, den man Revolution nennt, zivilisierter und geregelter hinzubekommen. Was ich nicht verstehe, das ist, wie es in einem aussieht, dem das Bestehende, wie es ist, gefällt, der dann aber, wenn dies Bestehende aus sich selbst heraus seiner immanenten Krise entgegensteuert und jenes R-Ereignis hervorbringt, Himmelherrgott schreit, als sei gerade die Schlange ins Paradies eingebrochen. Tiefer als jedes Nachthemd lässt diese Art Statement blicken in die Seelenlage eines Tui, der sich keinen Gedanken gestattet, der einen Schatten werfen könnte auf das Geliebte, noch dem Geliebten selbst gestattet, irgend einen Schatten zu werfen. Natürlich irren sie, aber dass sie so irren.

2017, 11, 30

Ja sicher sitze ich im Glashaus. Wo sonst? Es ist kein Problem, denn ich spüre schon lange keine Neigung mehr, mit Steinen zu werfen. Ich schätze die Wärme und den Luftzug, der nicht durch die Winde außerhalb verursacht ist, sondern durch das, was darin passiert. Und das Haus ist aus Glas, nicht aus Stroh, Holz oder Stein. Hörst du es, Wolf? Ich kann also sehen, was draußen geschieht. Ich lebe in meiner Zeit, aber nicht mit ihr. Und groß ist das Haus und weit. Ich pflanze vieles an darin, auch wenn ich weiß, dass zu viel Gewächs nicht gut für den Luftzug ist. Zumindest da kann ich mich selten entscheiden zwischen mir & mir. Manchmal kann man ja lüften. Und zum Scheißen gehe ich vor die Tür.

2017, 11, 29

Zum Kapitalismus: Hätte er von allem so viel wie Geld, wär er reich.

2017, 11, 27

Gedichte, deren Urheber zu sein ich stets leugnen werde #25

EDITIONSGESCHICHTE

Man strich ihr alle Mängel an.
Sie blieb doch Julia Engelmann.

2017, 11, 26

Es läuft ja seit ein paar Wochen ein Angeberwettbewerb darum, wer den promovierten Argumentationslogiker Daniel-Pascal Zorn (kurz: DaPaZo) schneller ans Ende seines Kreolisch gebracht hat. Ich weise an dieser Stelle darauf hin, dass ich von diesem Experten für Diskussionen geblockt wurde, noch ehe ich überhaupt eine Diskussion mit ihm geführt hatte. Aber ich will nicht angeben. Das hätte jedem passieren können.

2017, 11, 25

Kalauer, die man sich erstmal trauen muss #45

Das Los des Lektors nennt man Lektorat-Los, denn manch ein Manuskript macht ihn ganz lekto-ratlos, so dass bald besser scheint, es bliebe lektorat-los.

2017, 11, 20

Kalauer, die man sich erstmal trauen muss #44

Die Liste der Vernunft:

1. Hegel

2017, 11, 20

Etwas eigenartig sieht das schon aus, wenn Leute, die keine FDP in der Regierung wollen, Lindner nun für sein Verhalten tadeln. Ich bin dem Mann dankbar, dass er die neuerliche Regierungsbeteiligung der FDP einstweilen verhindert hat.

2017, 11, 18

Ich mag nicht gegen das Wetter wettern. Ich dann das Gefühl, auf sein Niveau zu sinken.

2017, 11, 17

Die berühmten Redshirts, die bei Außeneinsätzen mitgenommen wurden, damit die Chefbesatzung nicht sterben muss, lagerte man in den Katakomben der NBC-Studios. Das Photo zeigt William Shatner und Leonard Nimoy bei der Auswahl für die Folge »Horta rettet ihre Kinder«

2017, 11, 17

Ich habe im September gegen meine Neigung an der Wahl teilgenommen. Das bedeutet nicht, dass ich das bei einer Wiederholung wieder tun werde. Man muss wirklich nicht über jedes Stöckchen springen.

2017, 11, 16

Wenn der Traum von der eigenen Tankstelle platzt, kann ich immer noch als Werbetexter gehen. Einen hab ich schon: »Duden – Bei uns wird das Kleine noch groß geschrieben.«

2017, 11, 16

Als der Sohn eben beim Ersteigen der Treppe sagte: »Ich kann mir wirklich nicht vorstellen, wie es ist, ein Nagel zu sein«, und ich antwortete: »Darüber sollte eine Fledermaus mal ein Buch schreiben«, haben wir beide sehr gelacht. Aber vermutlich aus verschiedenen Gründen.

2017, 11, 16

Autoren, die sich beim Ende ihrer Filme keine Mühe geben, sind die schlimmsten. Ich habe mal bei Polanski einen Wutanfall bekommen, bei »Die neun Pforten«, und dann gleich nach Beginn des Abspanns wieder ausgemacht.

2017, 11, 15

Wenn man ein Lektorat von vier Wochen in zweien erledigen soll, wird es nur halb so gut werden, wie sehr man sich auch streckt. Man kann es schaffen, aber Sorgfalt lässt sich, vergleichbar dem Schlaf, nicht beschleunigen. Wenn einem dann das Honorar verdoppelt wird, damit man dennoch rechtzeitig fertig werde, ändert das nichts, außer dass der Auftraggeber nun anstelle des ganzen Preises für die halbe Arbeit den doppelten für die halbe zahlt. Natürlich ist das unsinnig, aber für Unsinn bin ich immer gern zu haben.

2017, 11, 15

Gedichte, deren Urheber zu sein ich stets leugnen werde #24

Die schärfsten Kritiker der Kälber
Waren früher welche selber.

2017, 11, 13

»Man muss sich Camus als unglücklichen Menschen vorstellen.«

Sisyphos

2017, 11, 08

Twitter verdoppelt das Limit der Tweets auf 280 Zeichen. Bestimmt kann man dort bald auch ganze Sätze schreiben.

2017, 11, 08

Ideologie ist der Ort, an dem kein Stöckchen zu niedrig hängen kann, dass sich nicht irgend ein Hündchen fände, bereit darüber zu springen.

https://amp.welt.de/amp/wirtschaft/video170387612/Drei-Gruende-warum-wir-Steueroasen-brauchen.html

2017, 11, 08

Ich kann leider keine Karikaturen malen. Das mag daran liegen, dass ich überhaupt nicht malen kann. Könnte ichs, brächte ich folgendes zu Papier: Ein Mann sitzt auf einer Pressekonferenz und hält eine Phantomzeichnung hoch. Die Zeichnung zeigt ein Gesicht, das dem des Mannes, der sie hält, aufs Haar gleicht. Darunter in Anführungszeichen: »Wir fahnden nach diesem Mann«. Die Karikatur könnte den Titel »Ideologiekritik« tragen, würde aber auch so, denke ich, nicht verstanden werden.

2017, 11, 08

Die M10 ist eine wunderbare Sache. Sie führt mich direkt von meiner alten Wohnung zum Hauptbahnhof, und zwar im 5-Minuten-Takt. Früher fuhr sie alle 10 Minuten, und umsteigen musste ich auch noch. Die höhere Frequenz heute hat zur Folge, dass mir praktisch immer eine M10 vor der Nase wegfährt, wenn ich die paar Schritte zur Haltestelle gehe. Natürlich kommt auch schneller eine nach, doch kann dieser Umstand das Gefühl, die vorige verpasst zu haben, nicht aufheben. Seltsamerweise macht es nicht glücklicher, schneller die Bahn zu bekommen, wenn man dafür häufiger Bahnen sieht, die man nicht bekommt. Fortschritt ist im Grunde viel zu schade für den Menschen.

2017, 11, 06

In der achten Episode von Star Trek Discovery taucht eine USS Gagarin auf. Es wurde auch Zeit.

2017, 11, 03

Lebensleistungen.

Ich habe gerade aus meinem Vortrag, der vom Problem der sich im politischen Kampf ästhetisch verleugnenden Kunst handelt, eine Passage gestrichen, die inhaltlich entbehrlich war, aber die Bemerkung enthält, man müsse »nicht gleich mit der Brecht-Stange durch die Tür ins Haus fallen«.

2017, 11, 01

Ich habe seit 12 Monaten keine Augstein-Kolumne mehr angeclickt. Krieg ich jetzt meine Medaille?

2017, 11, 01

Wer im Steinhaus sitzt, sollte nicht mit Gläsern werfen.

2017, 10, 31

Ich mag Luther übrigens auch nicht. Deswegen habe ich nach der 2. Staffel aufgehört.

2017, 10, 29

150 Gäste, und nicht einer hat mir gesagt, dass ich was am Mund habe.

2017, 10, 29

Sitzt eigentlich schon jemand an dem Buch »Mit Daniel-Pascal Zorn reden«?

2017, 10, 25

»Der Stadtverordnete Theremin hatte eine anstrengende Sprechstunde hinter sich. Viele Leute waren zu ihm gekommen, jeder mit seinem Ärger. Bei einigen hatte er die Ursache des Ärgers beseitigen können, den übrigen hatte er empfohlen, sich nicht zu ärgern.« (aus: Liebkind im Vogelnest)

2017, 10, 24

Irgendwann möchte ich doch nochmal erleben, dass ich an einem Vortrag/Aufsatz/Essay arbeite, der sich auf Anhieb in das vorgegebene Zeichen-/Zeit-Kontingent fügt. Die Vorgaben sind ja nicht willkürlich. Theoriebildung allerdings auch nicht. Die Fähigkeit des Menschen, Theorie am Stück aufzunehmen, und der nötige Raum, sie nachvollziehbar zu entfalten, stehen zueinander in einem empfindlichen Missverhältnis. Welcher Trottel von Demiurg das auch immer zu verantworten hat.

2017, 10, 24

So, schnell nach dem Aufwachen mal wieder ein Traumprotokoll. Es ist zu absurd. Ich bin William Shatner und rede mit einem Bekannten. Er zu mir: »Ich habe mit ein paar alten Freunden von dir gesprochen, die mir verraten haben, was du früher gemacht hast. Jetzt verstehe ich endlich, warum du Spock immer verteidigst. Pass auf: Anders als die Batman-Gemeinde halte ich Spock nicht für einen präjudizierenden Narzissten, aber …« Dann Telephon, Aufwachen.

2017, 10, 23

Genau heute vor 150 Jahren starb Franz Bopp. Es gibt Forscher, die an Weltruhm leiden, weil sie durch eine zündende Idee das Bewusstsein der Welt verändert haben. Darwin z.B. oder Einstein. Franz Bopp gehört dazu, nur dass sein Weltruhm etwas, naja, sagen wir mal: diskreter ist.

2017. 10, 22

Der In-Door-Spielplatz in Buchen hat einen Kneipen-Pooltisch. So einen, in den man Geld einwerfen muss, damit er die Kugeln rausrückt. Mein Sohn und eine Freundin aus seiner Klasse wollten etwas Billard spielen. Ich hab ihnen die Queuehaltung gezeigt, sie stellten sich an wie die ersten Menschen, haben die Turnierregeln nicht behalten, aber ab der dritten Runde langsam den Unterschied zwischen Cueball und den anderen Kugeln kapiert. Der Tisch ist schon älter, und der Mechanismus auf D-Mark eingerichtet. So geht man erst an den Tresen, zahlt in Euro und erhält diese alten Bekannten wie Spielchips. Mensch, wenn Bernd Lucke das wüsste!

2017, 10, 16

Meine Kindheit war schlagartig vorbei, als ich gestern erfuhr, dass der Marienkäfer ein Raubtier ist.

2017, 10, 16

Die aufschlussreichsten Träume habe ich allzumeist, wenn ich mich nach dem Aufstehen nochmal hinlege. Vielleicht ist die Erinnerung dann auch bloß am besten, wer weiß. Heute morgen jedenfalls zwischen 7 und 10 träumte mir, dass ich zwischen zwei Damen stand, die mir beide den Hof machten. Was mir gleichermaßen gefiel, wie es mich überforderte. Ich retirierte unter dem Vorwand, mir einen Döner zu holen. Was ich dann auch tat. Zurückgekehrt erfuhr ich, dass mir beide je ein Liebesgedicht geschrieben hatten. Als erstes setzte ich mich hin und verglich das Metrum beider Poeme. Ich glaube, ich brauche dringend Hilfe.

2017, 10, 15

177 Titel meiner Playlist haben empirisch gemacht, was eigentlich ohnehin klar war. Es gibt einen Zusammenhang zwischen Fahrweise und der Musik, die gerade läuft. Bei »It’s the End of the World as We Know It« neige ich zum Schnellfahren. Bei »What a Wonderful World« fahre ich langsamer, doch mein Blick geht automatisch von der Straße weg zu den malerischen Landschaften aus Odenwald und Neckar, durch die die B37 sich schlängelt. Als ideal erwiesen haben sich »Wouldn’t It Be Good« und »Dirty Diana«. Dicht gefolgt von »Eingecremter Arbeiter« und »Nachdenken im Auto«. Außerdem hat sich gezeigt, dass bestimmte Songs nur zu bestimmten Landschaften passen. »The Letter« und »Basket Case« sind gut geeignet für schmales, bergiges Terrain, aufwärts. »Starman« ist perfekt für die Abfahrten.»Echo’s Answer« geht nur im Stadtverkehr, »Back in the USSR« ist ein Fall für Landstraßen. Bei stockendem Verkehr geht eigentlich fast alles. Außer »Eye of the Tiger«. Als ich heute mit geschätzten 2km/h durch die kilometerlange Staustelle tuckerte, lief auch dieser Song. Fußgänger, die mich rechts überholten, lächelten mich freundlich an.

2017, 10, 10

Der ganze Wert jener beim Arzt und sonstwo ausliegenden Illustrierten wird in Rubriken wie »Was wurde eigentlich aus …?« oder »So sehen die Stars von … heute aus« gut messbar. Wenn nämlich die Zeitung mir mit viel Aufwand mitteilt, dass ich Menschen, die ich noch nie kannte, heute nicht wiedererkennen würde.

2017, 10, 05

Ein wenig hatte ich ja darauf gehofft, dass Bob Dylan den Titel verteidigt.

2017, 10, 03

Kalauer, die man sich erstmal trauen muss #43

Wie nennt man eine Bewegung, deren Vertreter sich bei jeder Kritik von der gesellschaftlichen Mehrheit verfolgt fühlen und infolgedessen genau das verfolgende Verbalverhalten an den Tag legen, das sie an anderen stets beklagen?

Eine Rantgruppe.

2017, 10, 03

Logbuch, 10:16 Uhr

Der Versuch, den Nationalfeiertag zu verschlafen, ist soeben gescheitert.

2017, 09, 29

We will laugh the day that Hefner dies.

2017, 09, 28

Das von mir selbst hiermit in die Welt gesetzte Gerücht, dem Austritt von Frauke & Marcus aus der AfD werde ein baldiger Austritt von Oskar & Sahra aus der PDL folgen, in dessen Wirkung ein gemeinsamer Abend bei Hummer & Rotwein zur Gründung einer neuen »Weder-links-noch-rechts«-Rechtspartei führen wird, ist infam und sollte keinesweg weiter lanciert werden. Jeder sieht doch, dass beide Paare unüberwindliche Differenzen in Ethik und Weltanschauung trennen. Namentlich werden sie in der Steuerpolitik nie auf einen gemeinsamen Nenner kommen.

2017, 09, 27

So. Die Wahlen sind durch, die Kinder im Bett, der Riesling frisch gezapft. Jetzt erzählt der Papa maln bisschen ausm Ländle. Baden-Württemberger Religionsfreiheit nämlich funktioniert so. Rechtlich wird niemand gezwungen, sein Kind in den Religionsunterricht zu schicken. Man ist ja säkular, tolerant, bürgerlich. Nur findet der Unterricht nicht in der Randzeit statt, und Eltern, die (finanziell und/oder zeitlich) nicht in der Lage sind, für die betreffenden Stunden, während denen Religion gelehrt wird, ihren Kindern eine Betreuung zu organisieren, müssen ihr Kind wohl oder übel in der einzig möglichen Obhut lassen, nämlich im laufenden Religionsunterricht. Mir scheint das sehr exemplarisch für das, was man reelle Freiheit der bürgerlichen Gesellschaft nennen kann. Man sorgt für die rechtlichen Voraussetzungen und erschwert zugleich die Möglichkeit, dies Recht zu nutzen. So haben alle was davon. Die Gesellschaft kann sich was auf ihren zivilen Charakter einbilden, und die Minderheiten geraten in den Genuss, an der Offenbarung der Mehrheitsgesellschaft teilzuhaben. Übrigens ist Eberbach eine Oase in dieser Hinsicht. Nicht bloß, dass wir 50m von der Schule entfernt wohnen und ich fast immer zu Hause (also verfügbar) bin, auch hat die Grundschule eine Bibliothek für die Kinder mit einer Vollzeitaufsicht. Dort kann das Kind dann sitzen und Winnie Puuh oder Schleiermacher lesen, während seine Klassenkollegen nebenan was über Jesus lernen. Und ich würde mein Kind sofort in den Religionsunterricht schicken, wenn ich die Nachricht erhielte, dass der Lehrplan Religion sich dem Beutelsbacher Konsens unterworfen hat. Ich hab doch nichts gegen Religionen. Einige meiner besten Freunde sind Religionen.

2017, 09, 26

Schon die ersten 1:30 min von Star Trek Discovery (mit fraktaler Weltall/Pupillen-Ästhetik und Ballhaus-Kreisel) enthalten mehr Regiekunst, als man es von Star-Trek-Serien gewohnt ist. Das Franchise ist in der Gegenwart mit ihren High-End-Serienproduktionen angekommen. Hoffentlich hält das Drehbuch da mit. Wer so einsteigt, muss auch liefern. Ich rechne mit TNG- und hoffe auf DS9-Niveau.

2017, 09, 25

Tragisch ist, genau 1 Talent zu haben, das sich zu genau 0 Geld machen lässt. Es gibt z.B. auf Facebook diese Leute, die ihre ganze Zeit damit verbringen, anderen unter die Einträge zu schreiben, dass & warum sie das besser nicht geschrieben hätten, was & worüber sie statt dessen hätten schreiben sollen, wie sie es hätten schreiben müssen und dass sie überhaupt viel zu viel Zeit auf Facebook verbringen. Pinnwandberater. Halten Facebook sauber. Ungebeten, ungehört, unbezahlt. Facebook ist voller tragischer Fälle. Gebt ihnen ab und an etwas Zucker, sie brauchen das.

2017, 09, 25

Adenauer: Was interessiert mich mein Geschwätz von gestern?

Merkel: Was interessiert mich mein Geschwätz von morgen?

2017, 09, 25

Gestern Nacht, so viertel nach 1, klingelt mein Telephon. Am anderen Ende der Leitung wollen ein paar schwer betankte Freunde, die der Union nahestehen, unter Freunden und Bekannten ein Stimmungsbild zur Wahl einfangen. Sie erweckten den Eindruck anlassloser Ausgelassenheit. Doch wir alle an der Strippe wussten, dass der Grund ihrer Freude darin liegt, den rechten Speck an die AfD losgeworden zu sein. Ich fand das rührend und brachte nicht übers Herz, ihnen zu sagen, dass ich gar nicht die Union gewählt hatte.

2017, 09, 24

Seehofer im TV als ein Beispiel unter vielen für die immer selbe Denkart: »Wir haben den Fehler gemacht, die rechte Flanke offen zu lassen.« Wir waren, heißt das, nicht weit genug am rechten Rand für die Menschen, die nun AfD gewählt haben. Obgleich Seehofer hier nur ausspricht, was er sich ohnehin und auch ganz ohne Druck der AfD ersehnt, bleibt diese Art Äußerung selbst ein Problem.

Allein schon, dass es allenthalben – bei den Journalisten ebenso wie den Politikern – üblich ist, die Frage zu stellen, was man falsch gemacht habe, sobald ein Wahlverlust vorliegt, und dass diese Frage sich selten auf technische Probleme des Wahlkampfs bezieht, also auf die mangelhafte Vermittlung von Inhalten, sondern vor allem auf die zu vermittelnden Inhalte selbst, allein schon diese allgegenwärtige Frage gibt eine gedankliche Struktur vor, der sich fast jeder in den Betrieb Involvierte beugt. Ich habe das vor einiger Zeit an Wagenknechts Populismus aufgegriffen. Es gilt, das zu Ändernde geändert, auch für alle anderen Parteien:

»Der Unterschied zwischen Politik und z.B. Sport liegt daran, dass es bei Politik nicht allein auf den Erfolg ankommt. Wichtig wäre zu begreifen, dass ein politischer Erfolg, der mit dem Verlust der eigenen Standpunkte erkauft wurde, nur eine andere Art der Niederlage ist. Wer Forderungen wie ›Raus aus dem politischen Exil‹ bereits für Inhalte hält, der hat schon verloren.«

2017, 09, 24

Kalauer, die man sich erstmal trauen muss #42.

Es ist Sonntag. Die Lokale sind seit Stunden geöffnet. Ich geh dann jetzt mal fehlen.

2017, 09, 23

Aus »Atomic Blonde«, das zur Zeit der Perestroika spielt, habe ich genau einen Satz behalten: »Mit Berlin geht es abwärts«. Der hat mich dazu gebracht, einen alten Gedanken neu zu ordnen. Berlin, so viel stimmte und stimmt, ist keine Metropole, sondern die groß angelegte Simulation einer Metropole. Bislang hatte ich die Mentalität des heutigen Berlin nicht als Bewusstsein eines Niedergangs, sondern als Ungeduld am Wachstum verstanden. Es liegt nahe, die Flut der ambitionierten Peinlichkeiten, mit denen die Stadt sich selbst und jeden, der sich in ihr aufhält, überschüttet, als Neid auf tatsächliche Metropolen zu verstehen. Das mag hingehen, aber der Richtungssinn scheint mir verkehrt. Vielleicht rührt die Berliner Neurose aus dem Bewusstsein, dass man nie wieder das sein wird, was man einmal war: Tiegel und Abgrund, Attraktion und Repulsion, Einheit und Differenz eines weltumfassenden, epochalen Konfliktes. Das paradoxe Verhältnis der Stadt zu sich selbst liegt darin, dass alle ihre historische Bedeutung aus der Zeit stammt, da sie – als schroff geteilte – gar nicht existierte, während sie heute, wo sie wieder unter uns weilt, einfach eine Großstadt von vielen ist, und nichtmal eine wichtige. Wenn ich irgendwann wieder dort hinziehe, und das wird sicher passieren, dann also nicht aus Sehnsucht, sondern wahrscheinlich aus Mitleid.

2017, 09, 22

9,0 auf der nach oben und unten offenen Bartels-Skala

2017, 09, 18

Es ist übrigens nicht so, dass ich gar kein Interesse an den Bundestagswahlen habe. Sie ersetzen einem, der mit der Zeit immer weniger Interesse für Fußball aufbringt, die Sportereignisse. Ich folge den Umfragen und insbesondere dem Wahlabend mit dem Interesse eines Fans, der natürlich seine Lieblingsmanschaften hat und kurz vor dem Herzkasper steht, wenn die Anderen gewinnen. Aber gerade dieses Interesse an der Wahl schließt meine Teilnahme aus. Es wäre ein unlauterer Eingriff in die Abläufe. Ich besteche ja auch nicht vor dem Champions-League-Finale den Schiedsrichter und freue mich dann über das Ergebnis, als hätte mein Handeln nichts damit zu tun. Ja doch, ich glaube, man kann sich nicht wirklich für Wahlen interessieren und zugleich Wählen gehen.

2017, 09, 14

Die Schlagfertigkeit des Proletariats. Bauarbeiter an der Kasse bittet um Öffnung der Kippentheke. Mann hinter ihm, halb freundlich, halb herablassend: »Naja, ein Laster braucht der Mensch.« Bauarbeiter: »Ich hab zwei.«

2017, 09, 13

»Ich habe heute Angela Merkel einen Brief geschrieben und sie zu einem zweiten TV-Duell aufgefordert.«

Was für ein Zufall. Ich habe ihr heute auch einen Brief geschrieben:

Liebe Kanzlerin,

ich habe gerade Chicken Wings im Ofen. Bitte komm nicht vorbei. Es reicht nicht für zwei.

Dein Felix (B)

2017, 09, 12

Ich hab eine Weile rumgeeiert diesmal, zugegeben, und bin dann doch hängengeblieben an meinem eigenen alten Satz: Nur eine Partei kommt in Frage, und die kommt nicht in Frage. Der gilt.

2017, 09, 11

Ich schreibe gerade an einem Text über den Umgang mit charismatischen Herrschern, weil die Zeitung und mein Konto an einem Sommerloch leiden. Er ist fast fertig, aber ich erinnere mich nicht, schon einmal solch einen Unwillen beim Schreiben entwickelt zu haben. Das liegt wohl daran, dass der Text eigentlich drei verschiedene Texte ist und keiner davon richtig, aber auch alle drei sein muss, damit das alles Sinn ergibt. Langsam wird er besser. Aber ich hasse ihn. Ich hasse meinen eigenen Text. Noch bevor er fertig ist. Normalerweise hasse ich meine Texte immer erst hinterher.

2017, 09, 11

Kalauer, die man sich erstmal trauen muss #41

Pompeji, 79

»Zieh dir was Schönes an«, sagte Elena zu Glaucus, »heute kommt Vesuv.«

2017, 09, 10

Das muss dieser Wohlstand sein, von dem Ayn Rand immer schreibt:

Das erstickende Leben in den Wohnsärgen von Hongkong

2017, 09, 10

Ich würde gern was nettes über »The Circle« schreiben, habe aber keine Muße, mir was aus den Fingern zu saugen. Es ist so. Wenn man ein Thema nimmt wie bekannt aus »The Truman Show«, also die Idee, eine Welt zu zeigen, die unserer Welt aufs Haar ähnelt mit dem Unterschied, dass ein bestimmtes Bürgerrecht darin außer Kraft gesetzt ist, dann hat man das Problem, dass man es so erzählen muss, dass dieser Zustand, der vorliegt, oder der Prozess dorthin authentisch wirkt. Es muss anschaubar werden, warum diese Lage von den Menschen und der Gesellschaft akzeptiert wird. »The Truman Show« löst das durch die Unwirklichkeit der Truman-Blase. Man sieht die Außenwelt kaum, was immer noch Fragen aufwirft, aber es wird deutlich, dass das für den Film vernachlässigt werden soll. »The Circle« bezieht die Außenwelt mit ein; nur dann kann sie nicht so glatt und unbehandelt dahinplätschern, wie es geschieht. Es scheint keinen Protest zu geben, keine Gegenbewegung, überhaupt eigentlich kein Gegenspiel. Erst sehr spät gibt es sowas wie eine Kollision der Interessen. Der Film wirkt wie eine nicht enden wollende Exposition, was allerdings etwas langweiliger klingt, als es sich letztlich anfühlt. Man kann sich das alles durchaus ansehen, ohne einzuschlafen oder schreiend aus dem Kino zu rennen, aber es stimmt einfach zu vieles nicht; die Story, Verhalten und Motiviation der Heldin, die ganze Logik des Settings. Auch die Besetzung ist nicht günstig. Emma Watson scheinen solche Rollen nicht zu liegen, was schon bei »Colonia Dignidad« mein Eindruck war, aber ihr politisches Temperament wird sie vermutlich immer wieder zu solchen Stoffen führen. Solange sie nicht in einer Netflix-Serie verendet, scheint aber alles noch zu retten. Es wird schon. Doch wieso klingt Tom Hanks eigentlich immer noch wie von Arne Elsholtz gesprochen?

2017, 09, 10

Heute hat Deniz Yücel Geburtstag, und heute sitzt er nach wie vor in einem türkischen Gefängnis. Daran sollte man sich, denn Gewöhnung ist machtvoll, immer wieder erinnern. Er sitzt dort nicht, weil er konspiriert hat. Er sitzt dort nicht, weil von ihm irgend eine handgreifliche Gefahr ausgegangen wäre. Er sitzt dort, weil er Auffassungen öffentlich vertreten und Leute interviewt hat, die der türkischen Regierung nicht passen. Er sitzt, weil er seinen Job gemacht hat. Ich würde gern etwas weniger Banales feststellen, aber es ist einmal die Lage. Ich hoffe, auch wenn es keinen Grund zur Hoffnung gibt, dass das sein letzter Geburtstag war, den er in Haft verbringen muss.

2017, 09, 09

Heute zur Abwechslung mal was streng Wissenschaftliches. Die zehn besten Hitchcocke:

Topaz, Number Seventeen, Rich and Strange, Jamaica Inn, Marnie, Family Plot, Torn Curtain, Frenzy, Stage Fright, Vertigo

Kleiner Spaß, das waren die schlechtesten. Die besten:

The Lady Vanishes, Rear Window, Rope, The 39 Steps, The Trouble with Harry, Psycho, Sabotage, North by Northwest, Strangers on a Train, Lifeboat

Ordnungsgemäß zertifiziert von mir. Irrtum ausgeschlossen.

2017, 09, 08

Ich weiß, was das Finanzamt vorhat. Es will mich dazu bringen, die FDP zu wählen. Nich mit Schlappsack, Freunde!

2071, 09, 08

Aktivisten eines Boykottvereins beklagen sich über Versuche, ihn zu ächten. Sie fühlen sich verfolgt, und es fällt ihnen dabei auch gar nichts auf.

2017, 09, 08

Einige finden es wichtig, zwischen Xenophobie und Rassismus einen tiefen Strich zu ziehen, so als ob das eine das andere im Grunde ausschließt. Ein paar andere drucken derweil Plakate.

2017, 09, 03

Gestern aufner Einschulungsfeier zwei Glückskekse statt einem abgegriffen. Heute fühl ich mich schuldig, als hätte ich der Jugend die Zukunft gestohlen.

2017. 09. 02

Brandenburger Maki: Spar deinen Reis nicht auf morgen.

2017, 09, 02

Obwohl der Sohn täglich schwerer wird und ich zunehmend gebrechlicher, ist es immer noch sehr leicht, ihn auf den Arm zu nehmen.

2017, 09, 01

Im Kochschlüppie die Welt verändern – nur in Berlin

2017, 08, 29

Guten Tag. Mein Name ist Felix Bartels, und ich habe keine Meinung zu Tegel.

2017, 08, 27

Ich stelle mir das so vor, dass Bloedel, stets seines albernen Namens wegen gehänselt, den Moment, worin Dankwart ihn erschlug, als Hochpunkt seines Lebens empfunden hat. Darüber sollte Julia Engelmann mal ein Lied schreiben.

2017, 08, 26

Immer wenn mein Vater eine Begebenheit erzählt, erinnert er mich an Tucholskys »Ein Ehepaar erzählt einen Witz«. Und er braucht dazu nichtmal eine zweite Person.

2017, 08, 24

Karaoke ist, wenn man mit The Who beginnt und bei Marianne Rosenberg landet.

2017, 08, 24

Preußischer Ikarus vor irgendnem Blechvogel in Mitte

2017, 08, 23

Die Aldi-Nord-Fahnen erinnern schmerzlich, dass die Grenze der Zivilisation hinter uns liegt. Hier im Land der Barbaren ist die Gesittung so runter, dass einem sogar die Autos die Zunge rausstrecken.

2017, 08, 22

Zielstrebig bin ich auf das einzig Interessante in Schmittys Buchte zugesteuert, die Fuselgalerie. Sie ist ein tiefer Blick in die Seele des alten Kettentrinkers. Die Abteilung Gin wird vertreten von Gordon’s. Kein Einwand so weit, nur dann kann man halt auch gleich Wacholderbeeren fressen. Schmeckt ähnlich penetrant und kommt billiger. Wozu einer noch Absolut kauft, wenn er schon Russkij Standard zu stehen hat, bleibt mir rätselhaft. Abgesehen davon: Wodka gehört ins Eisfach, Schmitty! Der beste Whisky im Regal ist ein Oban. Four Roses und Writers Tears sind immerhin konsumierbar. Dennoch nicht ein wirklich eleganter Single Malt dabei. Was Schmitty bei seinem Einkommen davon abgehalten hat, die gesamte Range von Macallan aufzukaufen, wird damit leicht erklärlich. Die vollkommene Abwesenheit von Geschmack offenkundig. Nur was hat er dann mit seinem Geld getan? Die drei originellsten Antworten gewinnen je eine Flasche Black Bowmore. Gesponsort von der Helmut-und-Loki-Stiftung mit eben dem Geld, dessen Verbleib gerade erfragt wurde.

http://www.helmut-und-loki-schmidt-stiftung.de/

2017, 08, 22

»The Dark Tower« war ja, neben »Dunkirk«, der Film des Jahres, auf den ich mich am meisten gefreut habe. Er ist nicht wirklich gut und nicht wirklich schlecht. Aber diese Szene, in der Jake Chambers seinen Schuh auszieht, um ihn durch das Portal zu werfen, die hat mich wirklich fertiggemacht. Das warf mein Kopfkino an. Warum hat er nicht einfach irgendeinen herumliegenden Gegenstand genommen? Und was, wenn der jetzt die ganze Handlung über mit nur einem Schuh rumläuft, einfach weil dem Regisseur das gefällt. Mich macht das fertig, wenn Leute in Filmen Autos offenstehen lassen oder Knarren wegwerfen oder ihr Frühstück nicht aufessen, weil sie z.B. flüchten müssen. Da ist mir wie bei diesem Gefühl, dass man was verlegt hat, aber noch nicht weiß, was. Wenn ich einen Film schriebe, zöge nie einer seine Schuhe aus. Oder dann wenigstens beide. Nie ließe wer seine Knarre liegen, immer kommt der Bösewicht erst rein, wenn das Frühstück vorbei ist, und alle Autos werden ordnungsgemäß abgeschlossen. Ich glaube, ich wäre der schlechteste Drehbuchschreiber der Welt, aber auch der zufriedenste.

2017, 08, 21

Wollte dem Sohn grad erklären, dass es früher keine Werbung im Fernsehn gab, ehe mir einfiel, dass ich ihm dazu erstmal erklären müsste, was Fernsehn ist. Epochen sind auch nicht mehr das, was sie nie waren.

2017, 08, 16

R: Ist das das Ende?
P: Nein, das ist nicht das Ende.
R: Woran erkennt man das Ende?
P: Daran, dass man das Ende erkennt.

aus: »Gespräche über den Weltuntergang« von Richard Peter Sloterprecht. Sindelfingen 2016, S. 137.

2017, 08, 15

Martin Schulz ist so weit davon entfernt, Kanzler zu werden, dass er schon solch absurde Dinge wie »Ich werde Kanzler« sagen muss, um überhaupt noch in die Medien zu kommen. Zum anderen gibt es eine eigentümliche Bewegung in jedem Wahlkampf, dass nämlich, je näher die Wahl rückt, desto mehr diejenigen Meldungen überwiegen, die die bloß agonale Seite des Vorgangs betonen. Es geht dann fast nur noch um Umfragewerte oder darum, was der Kandidat für ein Kandidat ist, statt z.B. darum, was er für ein Kanzler wäre. Und damit wird Schulzens Problem auch deutlich: Er ist kein Kandidat, also spielt er in einer Phase, worin nur noch der Kandidat interessiert, keine Rolle mehr. Dabei wäre leicht Abhilfe zu schaffen. Schulz könnte, nachdem er versucht hat, die CDU mal links, mal rechts und schließlich durch die hohle Mitte hindurch zu überholen, endlich ganz auf Provokation setzen, und zwar hineinstoßend in den ewigen doppelten Boden des bürgerlichen Selbstverständnisses. Er könnte Meinungen aussprechen, die unzweifelhaft Überzeugung einer großen Mehrheit sind, aber zugleich von einer größeren Mehrheit für abscheulich befunden werden. Sätze, die gefühlt, aber nicht geglaubt werden. Solche Sätze, bei denen der Ottonormalhengst dieses Gefühl bekommt, einer habe ihm gerade buchstäblich aus der Seele gesprochen. Bei denen er das Gefühl hat, dass da nicht nur wer ist, der für ihn kämpft, sondern auch jemand, bei dem er noch was über sich selbst lernen kann. Ich meine Sätze wie: »3.000 Verkehrstote im Jahr sind ein Preis, den ich gern zahle für meine Freiheit. Aber natürlich respektiere ich, dass nicht alle solche Opfer bringen wollen.« Damit kann man keine Wahlen gewinnen, ausgenommen diejenigen, die man nicht gewinnen kann. Und genau so eine versucht Schulz gerade zu gewinnen. Versucht er doch, oder?

2017, 08, 14

Wenn ich sage, dass Klassenhass mir fremd ist, dann meine ich damit nicht, dass ich die Aversion nicht verstehen könnte. Im Gegensatz zum Rassenhass richtet sich Klassenhass nicht auf unveräußerliche Eigenschaften von Menschen, sondern auf menschliche Handlungen in einem bestimmten Rahmen, und nicht auf irgendwelche Handlungen, die man so hingehen lassen kann, sondern auf Handlungen, denen immer schon etwas Kriegerisches innewohnt. Was ist ein Arbeitsvertrag anderes als eine Kriegserklärung? Diesen Unterschied sollte man im Kopf behalten, aber das, wie gesagt, ist nicht mein Punkt hier. Der zweite Teil des Wortes ist, was mich stört. Hass bleibt mir fremd. Ich kann nicht hassen. Ich habe es versucht, ehrlich. Es geht nicht. Immer kommt mir ein Gedanke dazwischen, und zwar nicht stets derselbe, immer ein anderer. Dachte ich bislang. Aber heute fiel mir auf, dass ich auch hassen kann. Wenn die Umstände günstig sind, kann das jeder. Im Supermarkt z.B., wenn man dort in der Schlange steht, und vor einem eine Person mit einem randvoll gefüllten Wagen, und natürlich sind es immer die mit den vollen Wagen, die besonders unflink beim Packen sind. Und natürlich kann die Person nicht einfach ihre Sachen in den Wagen pfeffern und dann abseits in ihre dreizehneinhalb Beutel packen. Sie muss die Kasse blockieren, bis alle Beutel gefüllt sind. Und natürlich vertut sie sich, packt zwei der dreizehneinhalb Beutel wieder aus, weil was in einen anderen muss. Und natürlich braucht sie mindestens zwei Minuten, um den Betrag auf den Cent genau aus der Geldbörse zu geben. (Überhaupt: Leute, die nicht mit Karte zahlen … Was sind das bloß für Menschen?) Und natürlich sammelt sie Treuepunkte. Und natürlich – wir sind ja im Odenwald hier – muss noch ein privates Gespräch mit der Verkäuferin geführt werden. Aber natürlich nicht während des Packens, das wären ja zwei Dinge und auf einmal, also fast schon sowas wie Kinderüberraschung. Und natürlich stehe ich selbst da mit nichts als einem Becher Magerquark. Und natürlich war ich zu höflich, einfach zu fragen, ob ich sie mich vorlässt. Aber die Person hätte eigenlich auch von selbst drauf kommen können, dass meine Zeit viel kostbarer ist als ihre. Wobei, wenn ich sie so ansehe: nein, hätte sie nicht. Ich wäre jetzt sehr gern in Schweden. Dort riecht alles nach Bananen, und niemand muss anstehen oder nach Panama fliegen, weil er es zu Hause nicht mehr aushält. Kurzum, ich weiß nicht, was Klassenhass ist, aber Kassenhass, den kenne ich.

2017, 08, 11

Als Goethe alt wurde und bemerkte, dass er im deutschsprachigen Raum kaum noch ein Publikum hatte, setzte er sich hin und beschloss »Weltliteratur« zu schreiben. Das ging sehr flott. Es waren ja auch nur dreizehn Buchstaben, so dass er sich den Rest des Nachmittags freinehmen konnte.

2017, 08, 10

Ich hab nie geschafft, Petyr Baelish so abscheulich zu finden, wie man ihn offenkundig finden soll. Das liegt einfach daran, dass er Michael Redgrave so ähnlich sieht, der diesen ursympathischen Volksliedkundler Gilbert spielt in »The Lady Vanishes«. Ich warte seit sieben Staffeln darauf, dass Littlefinger endlich die Flöte auspackt und sich als eben der Knuddelheld erweist, den er die ganze Zeit vor der Welt verbirgt. Wenn ich es recht bedenke, ist diese Erwartung der einzige vertretbare Grund, die Serie weiterhin zu verfolgen. Denkt an meine Worte: Littlefinger kommt noch.

2017, 08, 08

Ich war ja schon mit Nora verheiratet, als es noch nicht cool war.

2017, 08, 07

Ich glaube, diese eine Szene im Intro, wo Willy mit Alf um einen Zollstock streitet und ihm die Brille fast von der Nase fällt, die hat mein ganzes Leben geprägt.

2017, 08, 06

Es ist immer ein wenig seltsam, die beliebte Formel »Erst nachdenken, dann schreiben« zu lesen. Sie kommt ja praktisch immer gegen Leute zum Einsatz, bei denen Nachdenken vor dem Schreiben auch nichts hülfe. Darüber sollten die Leute erstmal nachdenken, ehe sie sowas schreiben.

2017, 08, 05

1874 gab es noch keine Chatprogramme. Aber sonst scheint sich nicht viel geändert zu haben.

Berthold Woltze: Der lästige Kavalier

2017, 08, 05

Ich schreibe seit gestern an einen kleinen Text über Sorrentinos »The Young Pope« und wäre schon fertig, wenn nicht James stundenlang mit mir Lego spielen, Filme gucken und dicke Bücher lesen wollte. So hindert der Sohn den Vater daran, sich dem Heiligen Geist zu widmen.

2017, 08, 04

Der sinnvollste Kommentar zum Neymar-Transfer war: »Haha, Schnapszahl!«

Leider hat ihn, wie zum entschiedenen Nachtteil der Wirklichkeit festgehalten sein muss, bislang noch keiner gemacht. Selbstgerechte Halbheiten dagegen gehen immer.

https://www.derwesten.de/sport/fussball/neymar-irrsinn-bringt-streich-und-klopp-auf-die-palme-der-gott-des-geldes-wird-alles-verschlingen-id211475171.html

2017, 08, 03

Und während ich beim Internisten sitze und mir die Zeit mit Überlegungen zum Marxschen Arbeitsbegriff vertreibe (wegen Vortrag bald) hebt sich mein Blick zu dieser Tür.

2017, 08, 03

Indem ich heute eine dieser fiesen Skopien habe mit allen diesen ekligen Maßnahmen im voraus, wird mir erneut klar, was für ein seltsames Verhältnis wir zu unserem Körper herstellen. Gibt er Ruhe oder verschafft uns schönes Empfinden, fühlen wir uns mit ihm eins. Wenn er schmerzt oder nervt, ist es, als ob er – der ja niemand anderes ist als wir selbst – uns zuleibe rückt. Wir betrachten ihn wie einen dieser Gäste, der die Chips auffuttert und immer bis zum Schluss bleibt. Nur, wer in jedem Fall bis zum Schluss bleibt, das ist einmal der Gastgeber. Menschen sind seltsam. Das Angenehme ist organisch, das Unangeneme wird ausgestoßen, auch wenn es dasselbe ist. Es geht im Ich also genau so zu wie in der Gesellschaft.

2017, 08, 01

Machtübernahme: So reagierte Bartels auf das Netz.

2017, 08, 01

Das erste, was ich verbiete, wenn ich an der Macht bin: Alle Artikel, die mit »So reagiert das Netz auf …« beginnen.

2017, 07, 30

Autokorrektur killed the Kalauer Star.

2017, 07, 29

Mit Würde altern

2017, 07, 28

Gestern einen Text erhalten – 1,5 Monate nach Redaktionsschluss, mit dem Vermerk, er (Autor) brauche die Korrektur aber bis morgen (heute), da er übermorgen in Urlaub fahre. Bemühe mich zu liefern. So viel Frechheit muss belohnt werden.

2017, 07, 28

Das Lustigste an der ganzen Sache ist, dass Scaramucci kein nom de guerre ist. Ich habe nachgesehen. Er heißt wirklich so.

2017, 07, 28

Wenn ich wüsste, dass morgen die Welt untergeht, würde ich heute noch einen Baum ausreißen.

2017, 07, 24

Ich bevorzuge Baseballschläger

Homemade Drone Catcher

2017, 07, 23

Banalitäten, zu wiederholen, bis es sitzt:

Von Pinkwashing geht die Rede, wo der Jude sich des Verbrechens schuldig gemacht hat, keine Verbrechen zu begangen zu haben.

2017, 07, 21

Hatte gerade eine Geschäftsidee, so revolutionär und trächtig wie Ebay, Google oder Facebook: eine Lego-Ersatzteil-Börse.

2017, 07, 19

Den Kindergeburtstag unterscheidet von der Fahrprüfung, dass er jedes Jahr wiederkommt. Sonst ist da kein Unterschied. Alles muss klappen und nicht irgendwann klappen, sondern jetzt & hier. Kindergeburtstag ist die Fahrprüfung für Erwachsene. Aber es hat geklappt, soviel nachträgliches Gespoile darf sein. Das Thema war, wie unschwer auf dem Bild nicht zu erkennen, Star Wars. Es ist übrigens gar nicht so leicht, einer Schar von 5-6jährigen Zuhörern zu erklären, weshalb Batman viel cooler ist als Darth Vader, ohne dabei das Wort »Ambivalenz« zu benutzen. Den Ballon trug ich heute morgen vom Kindergarten nach Hause, den Sohn noch dortlassend. Unterwegs lächelten mir viele Leute freundlich zu, die das sonst nie tun. Die Magie von Batman.

2017, 07, 16

Besuch aus Japan, das bedeutet für mich in erster Linie mal, mitten im Juli in der Küche zu stehen und eine Weihnachtsgans zu machen. Das ist das wenigste, was ich nach den delikaten Sausage-Nigiri dort zurückgeben kann.

2017, 07, 15

Bin gerade während einer Kindermusicalvorstellung von »Emil und die Detektive« kurz eingeschlafen und war dann doch etwas erleichtert, dass mein Portemonnaie noch neben mir liegt.

2017, 07, 14

Und gerade aus dem Nebenzimmer die helle Stimme das Fastsechsjährigen: »Mann, der bekackte Teppich hat das Zimmer erst richtig gemütlich gemacht!«

2017, 07, 12

Dieses Bauwerk, das mein Sohn vor einem Jahr in Berlin hinterlassen hat, erinnert mich in diesen Tagen erneut daran, dass man sich auch über das Problem der Gewalt mehr als bloß einen Kopf machen sollte.

2017, 07, 12

Im Duty-Free-Handel werden Plastiken verkauft, die wichtige Punkte aus dem Leben großer Männer festhalten. Diese hier trägt den Titel »Die letzten Wochen von Miersch und Maxeiner«

2017, 07, 10

»The Shallows« ist ein wunderbarer Film. Man legt ihn ein, guckt die ersten 10 Minuten, wo auch etwas gesprochen wird. Anschließend kann man nach nebenan gehen, die Küche aufräumen, telephonieren oder Wandteppiche fertigmalen. Wie lange und oft man immer den Raum verlässt, man kommt sofort wieder in die Handlung zurück. Ein Film der tausend liegengebliebenen Dinge. Guckt »The Shallows«. Es wird euer Leben ändern.

2017, 07, 10

Im Namen der Liberalität ihre Abschaffung zu fordern ist nicht neu. Man sollte das, denke ich, nicht mit Häme quittieren, sondern die Gelegenheit nutzen, es zu studieren. Der Liberalismus enthält ein Paradoxon, das er nicht auflösen kann. Er nimmt für sich in Anspruch, der Gegenentwurf zum Autoritären zu sein, aber in dem Moment, worin er nicht bloß Ansprüche formuliert, sondern in die politische Auseinandersetzung tritt, wird er, wie alle anderen politischen Ideen auch, des Autoritären nicht ganz entraten können. Es gibt keine nicht-autoritäre Weise, politische Kämpfe auszufechten. Das universelle Mittel widerspricht hier dem besonderen Zweck. Nicht das wäre ihm vorzuwerfen, sondern der Grad der Unbewusstheit, in dem viele seiner Anhänger ihr Ballancespiel mit diesem Paradoxon treiben. Man löst das Problem nicht, indem man das innere Ideologem unangetastet lässt. Die Lösung kann nur darin liegen, die politische Idee als Bewegung und also in sich widersprüchlich darzustellen. Mit anderen Worten, ich rate den Liberalen, das zu tun, was wir mit dem Marxismus längst tun – die Paradoxien der Bewegung, der man sich zurechnet, nicht zu leugnen, sondern sie regelrecht zu nutzen. Es ist eigentlich blöd, das zu raten, weil es sie stärker machte. Aber vielleicht wäre dann alles auch viel weniger langweilig.

(Das ist ein sehr eng gezogenes Wir. Eigentlich ist es ein Ich, da ich ja nur für mich sprechen kann, aber ich bin zu eitel, mich so eitel auszudrücken. Dass der größte Teil einer jeden politischen Strömung unterm Begriff bleibt, erst recht unterm spekulativen, der von Begriff erst redet, wo Widersprüchliches vermittelt wurde, will ich ja gerade gesagt haben. Ich meine aber, dass die Anhänger des Marxismus da auch insgesamt weiter sind. Sie haben mehr Übung in Selbstzerfleischung, und ein Nebenprodukt der Selbstzerfleischung ist Reflexion.)

2017, 07, 08

Heute nach Gotha, ein Auto gekauft. Epische Verhandlungsschlacht. Gebrauchwagenhändler sind die einzige Berufsgruppe, bei der nun wirklich jedes Vorurteil stimmt.

2017, 07, 08

Nicht nicht-einvernehmliche Entfreundung dagegen ist viel einfacher. Auch trauriger. Man sitzt dann wochenlang da und fragt sich, was man eigentlich falschgemacht hat. Vor allem so wunderbare Menschen wie ich, die den Fehler immer zuerst bei sich selbst suchen. Ich schlage schriftliche Begründungen an den Betroffenen vor. Bei mir reichen 3 Seiten.

2017, 07, 08

An der Elbe tobt der Krieg um Nichts. Der sogenannte Gipfel spielt keine Rolle mehr. Krawalltouristenversteher üben sich im Krawalltouristenverstehen. Exlinke Staatsbürger blasen Ergebenheitsadressen an die Ordnungskräfte in die Luft. Soweit alles, wie gehabt, nur halt diese Woche mit Tränengas und schwarzen Gesichtspullovern. Ich will meinen Beitrag für mehr Frieden in der Welt leisten und fange heute mal mit etwas Unscheinbarem an. Der Entfreundung bei Facebook.

Sowas passiert nämlich auch dauernd. Und aufs Jahr gerechnet scheint die Sache ebenso aufregend und berichtenswert wie der G20-Scheiß. Immer wieder liest man diese Statusmeldungen, in denen sich irgendwer nicht beruhigen kann, weil irgendwer anderes ihn von der Liste geworfen hat. In aller Regel wird dann ausführlich Bericht gegeben, was der Entfreunder für ein mieser Charakter war und welche furchtbaren Ansichten er hatte, so dass man sich unwillkürlich fragt, was an der Entfreundung so skandalös gewesen sein soll. Mit so einem, wenn er denn tatsächlich so ist, will doch niemand befreundet sein.

Das Problem am Verfahren der Entfreundung ist, dass sie nie einvernehmlich passiert. Der nachträgliche Ärger rührt zum größten Teil da her, dass der Entfreundete gekränkt ist, weil nicht ihm zuerst der Faden der Geduld gerissen ist. Zweie merken seit geraumer Zeit, dass sie nichts miteinander zu schaffen haben sollten. Da will man eigentlich den Anfang gemacht haben beim Schlussstrich. Andernfalls ließe sich ja vermuten, man mochte den anderen mehr als der einen. In diesem Zusammenhang sehe ich jene nachträglichen Bewältigungen von Entfreundungserfahrungen. Es kommt aus dem Bedürfnis, öffentlich noch einmal klarzustellen, dass man keineswegs mehr Gefühl investiert hatte als der Andere, der bloß zufällig einen Schritt schneller war. Wie in dieser Szene in dem einen Jarmusch-Film, ich glaube, es war »Down by Law«, als der eine »Fuck you!« sagt, und der andere dann: »Fuck YOU!«. Genau so funktioniert social network.

Mein Vorschlag also wäre: die einvernehmliche Entfreundung. Man schickt sich, nicht öffentlich, eine Entfreundungsanfrage. »Ey, weisse, ich finndich scheiße, aber keine Sorge, ich weiß, du finns mich auch scheiße. Lassmal getrennte Wege gehn. Aber nur, wenne willst. Wenne mir jetzt schreibst, dass du mich garnichso scheiße finns, dann können wir natürlich Freunde bleim, und dann versichere ich dir hiermit, dass ich dich auch voll supi finn.« So ungefähr. Gemeinsam tritt man dann vor die summierten Friendslisten: »Also Kinder, Mama und Papa haben sich jetzt entfreundet, aber das heißt nicht, dass wir jetzt nicht mehr eure Freunde sind.«

Soweit das. Ich geh mal Patent anmelden und werd Billiardär wie der Typ, der den Klettverschluss erfunden hat. Wenn die Welt durch diesen Vorschlag etwas besser geworden sein sollte, dankt nicht mir. Ich tat nur, was nötig war.

Stets Euer Diener,
FB (≠ Facebook)

2017, 07, 07

Jetzt weiß ich, woran mich Facebook die ganze Zeit erinnert hat, an meine Zeit im Zivildienst. Auch damals schon haben nicht mehr allzu junge Damen und Herren den ganzen Tag lang über ihre Blase geredet.

2017, 07, 06

Im Kindergarten ist die Star-Wars-Welle noch nicht verebbt, aber doch von der Transformers-Welle mehr oder weniger begraben. Die Kunde von einem neuen Helden geht um – ein Truck, der Roboter ist und auch sonst alles kann: Octopus Brian.

2017, 07, 03

Da es verschiedentlich zur Sprache kam, kurz was zum Publizieren in der jW. Ich habe 2010 beschlossen, dort nicht mehr zu publizieren. Das hatte verschiedene Gründe, die zwei gewichtigsten waren ein persönlicher (ich bin in der Zeitung mehrfach auf persönliche und die Sachlage stark verzerrende Weise attackiert worden, von Wiglaf Droste und Reinhard Jellen), und ein politischer (die antisemitischen Töne dort schienen mir mit der Zeit so laut, dass ich das nicht mehr hinnehmen wollte). Aber das war meine persönliche Entscheidung. Ich habe nie jemandem vorgeworfen, dort weiter zu schreiben. Denn eine Zeitung, auch die jW, ist eine plurare Angelegenheit. Es gibt, wie ich weiß, intern in der jW handfeste Auseinandersetzungen, und die Fraktion um Pirker, Göbel. Wolter, Rupp u.a. ist in der letzten Zeit sehr viel schwächer geworden (und das nicht bloß, weil Pirker inzwischen gestorben ist). Die Thema-Redakteure gehören nicht zu dieser Fraktion, im Gegenteil. Im Feuilleton schreiben mit Bittermann und Droste regelmäßig Leute, die nicht bloß keine Antisemiten sind, sondern in der Frage vorbildlich Stellung beziehen. Kurzum: Ich halte, für die jW zu schreiben, für genauso denkbar wie für den Freitag zu schreiben oder für die SZ oder die taz, in deren Redaktionen gleichfalls antisemitische Gruppen zu finden sind. Man kann das machen, solange man inhaltlich einwandfrei bleibt. Ich tue es nicht, werfe das aber anderen auch nicht vor. Ich beginne, mich zu wiederholen und mache daher jetzt einen .

2017, 07, 01

Kalauer, die man sich erstmal trauen muss #40

Liebe Kinder: Nach dem Essen Handy waschen nicht vergessen.

2017, 06, 29

Von einer Karriere als Kunstfälscher habe ich dann schließlich doch Abstand genommen.

2017, 06, 28

Und dann traf ich eine Person, die sich nicht vorstellte und an der ich nichts Kenntliches ausmachen konnte, kein Alter, kein Geschlecht, keine Gesichtszüge, nicht mal die Sozialversicherungsnummer. Sie erzählte mir, dass sie sich vor 2500 Jahren mit Artemis angelegt hatte und zum Schutz vor deren Zorn von Hera in einen Schatten verwandelt worden war. »Wissen Sie«, sagte sie mir zum Abschied, »wenn man ein Schatten geworden ist, spielt es irgendwann keine Rolle mehr, ob dieser Arm hier der Schatten eines Armes oder eines Schattens Arm ist.« Da wusste ich dann auch nichts mehr zu entgegnen.

2017, 06, 28

war ja klar

2017, 06, 28

Ich bin einmal, das ist lange her, auf einer Insel gestrandet. Sie hatte einen Radius von 10m, und in ihrer Mitte stand ein Knöterich, den der Herrgott mir gelassen hatte. Eine Woche lang war ich mit Jammern beschäftigt. Doch am 7. Tag stand ich auf, schritt den Strand ab und stellte befriedigt fest, dass diese Insel, weil ganz vom Ozean umgeben, den gesamte Ozean umschließt. Nach dieser Erkenntnis starb es sich wesentlich heiterer.

2017, 06, 28

Heraklit erinnert mich ein wenig an die Kanzlerin. Er sagt irgendwas, und irgendwas ist auch gemeint, und es ist so formuliert, dass man was Tiefes drin vermuten kann. Man kann es aber auch lassen. Infolge dessen hält die eine Hälfte seiner Leser ihn für einen Schwachkopf (Aristoteles z.B.), und die andere ihn für sehr schlau (z.B. Hegel). Vermutlich war er beides. Und er ist der einzige Philosoph, bei dem man sicher sein kann, dass die fragmentarische Überlieferung a la Diels/Kranz ihm nicht den geringsten Abbruch getan hat.

2017, 06, 28

Dinge, die wir ohne Heraklit nicht wüssten. Teil 1 und Schluss:

»Der Walkerschraube Weg ist grad und krumm.«

2017, 06, 27

»Karriere-Selbstmord ist nicht so übel, angesichts der Alternative: Selbstmord durch Karriere.«

aus »Miss Sloane«

2017, 06, 26

Als Röhl von rechts genug hatte, gründete er »konkret«. Als Elsässer von links genug hatte, gründete er »compact«. Irgendwann kommt bestimmt jemand, der von beiden genug hat, und gründet »komplex«. Ich würde lesen. Aber nur, wenn sie beim Zahnarzt ausliegt.

2017, 06, 23

Angela Merkel soll einer Zeitung, die ich geadblockt habe, eine Deutschlandliste in Alphabetform diktiert haben. Ich gehe mal davon aus, dass auch sie es nicht geschafft hat, Bertolt Brecht im Genre der ABCs zu schlagen. Ich weiß nicht, was dieses Deutschland ist, es klingt aber hässlich genug, es lieber mit einer Bartels-Liste zu versuchen.

Aristoteles
Billard
Γenette
Δanger Mouse
Εskapismus
Ζidane
Ηtatismus
Θeorie
Ιronie
Κansai
Λenin
Μinesweeper
Νeckar
Ξavier (Charles Francis)
Οpel
Πoetik
Ρesignation
Σingle Malt
Τübke
Yul Brynner
Φilm
Χaplin
Ψychoanalyse
Ωrchideen

2017, 06, 22

Das Leiden des Mitdenkenden im oder vielmehr gegen den Strom der Irrationalität besteht darin, dass irgendwie immer alles schon gesagt ist. Der neueste Skandal ist halt immer bloß der neueste, aber nie neu. Es gibt so vieles, das wir längst verstehen. Aber sie machen weiter und weiter und weiter.

2017, 06, 22

Zu Norbert Blüm gibt es übrigens eine Anekdote, die ich 2011 einmal aufgeschrieben habe. Er ist durchaus mehr als nur der unbeholfene Weltverbesser, dessen politisches Urteil sich aus dreieinhalb persönlichen Erfahrungen, einer Unfähigkeit für Zusammenhänge und einer schlecht justierten Schilddrüse bildet:

»Im Boykott israelischer Waren kehrt ein klassisches Element des Antisemitismus wieder, nach dem das Judentum stets als, wo nicht gar verschworene, so doch gleichstrebende Gemeinde aufgefasst wird und jeder Jude die Taten eines anderen Juden unbedingt billige. Ich erinnere mich einer TV-Diskussion, in der Norbert Blüm den deutschen Staatsbürger Michel Friedman anlässlich des Umstands, dass Israel einen UN-Kommissar nicht ins Land gelassen hatte, anfuhr: ›Was habt ihr …‹ und ›Lasst den rein …‹. – ›Es herrscht im allgemeinen der Wahn‹, schreibt Saul Ascher 1818, ›daß in den Juden der Jude überhaupt enthalten sei, daß sie sich nicht belügen, betrügen, verleumden und verfolgen, denn man hält sie für ein Ganzes, für einen Leviathan, und wo, fügt man corollarisch hinzu, ist das Wesen, das in seinen eigenen Eingeweiden mit dem Dolch wühlt?‹«

2017, 06, 20

Dass die Doku ihre Schwächen hat, wird von kaum wem bestritten. Aber es ist außschlussreich, wie man sie in der Öffentlichkeit behandelt. Dass man sie nach kalkuliertem Geraune über »handwerkliche Schwächen« schließlich doch zeigt, allerdings mit anschließender Diskussion – in der ihre Schwächen weiter beraunt werden dürfen, obgleich so ziemlich jede Doku sich derart beraunen ließe, aber man tut es halt nur bei dieser, während Arte schon oftmals Berichte mit entgegengesetzter politischer Tendenz ohne Beanstandung durchgewinkt hat, obwohl die handwerklich angreifbar waren –, dass man sie also isoliert zeigt, damit der Eindruck entsteht, ihre Ablehnung sei gerechtferigt, obwohl die Absurdität der Ablehnung erst im Kontext dessen, was man sonst so durchgehen lässt, deutlich wird, das macht die eigentliche Tragik dieser Diskussion aus. Die Vernunftseite ist hier von vornherein in der Defensive. Sie muss beweisen, dass sie die Vernunftseite ist, und als Kriterium des Beweises gilt, dass man frei von Fehlern sei. Und gemessen an dieser fängerischen und vorsätzlich geschaffenen Situation, ist die Auswahl dieser leicht auszuhebelnden Gäste in der Tat eine gute Nachricht.

2017, 06, 20

Ich mag mich über die Auswahl der Gäste für Maischberger morgen nicht so richtig beklagen. Gewiss, es steht 4:2 für die Andern, aber wenn sie Hetzer schicken, die Wolffsohn und Mansour im mindesten nicht das Wasser reichen können, ist mir das lieber, als schickten sie Hetzer, die es können. Wer kommt denn?

– Jörg Schönenborn aus der Abteilung ›pro domo‹. Er wird, ohne Zweifel handwerklich makellos und von keiner persönlichen Motivation getrübt, zum Urteil kommen, dass weder er noch sein Arbeitgeber (der WDR) irgend einen Fehler gemacht haben.
– Die Abteilung ›Reporter ohne Kenntnisse‹ schickt Gemma Pörzgen. Augstein muss gerade »Onkel Toms Hütte« zu Ende lesen, Todenhöfer steckt in einem Tunnel unter Gaza fest, und Martin Lejeune kriegt immer Nasenbluten, wenn er sich aufregt. Also war es eine 50/50-Sache zwischen Knaul & Pörzgen.
– Die Abteilung ›Antisemitische Internationale‹ schickt Norbert Blüm ins Rennen. Ein ausgewiesener Freund des israelischen Volks (»Ich kann in den Aktionen der israelischen Armee keinen Abwehrkampf gegen den Terrorismus sehen – sondern nur Vernichtung«), der 2006 die Umbenennung von Tel Aviv in Norbert-Blüm-Stadt aus Bescheidenheit abgelehnt hat.
– Die Abteilung ›Die sagen es ja selbst‹ stellt Rolf Verleger ab. Er wird sich richtig dolle anstrengen, um den gemütlichen Deutschen zu beweisen, dass es auch gute Juden gibt.

Die Liste liest sich wie eine Neufassung von Dantes Inferno, die auch mal gelegentlich geschrieben werden sollte.

2017, 06, 20

Kalauer, die man sich erstmal trauen muss #38

Es gibt Leute, die unbedingt Dichter sein wollen, obgleich alle Welt ihnen davon abrät. Man sollte sie Dochter nennen. Damit könnten dann, glaube ich, alle leben.

2017, 06, 17

Die bunten Blätter beim Bäcker scheinen eine neuerliche Blüte der Ikonenkunst einzuleiten. Die freischaffenden Politikberater im Biergarten diskutieren, was es bedeutet und wie es jetzt weitergeht. Ein Blick in die Nachrufe zeigt, dass auch die bezalten Kräfte in diesem Biergarten nicht weiter auffielen.

Es gibt diesen Zustand, wenn einem das alles so fremd geworden ist, dass man sich nichtmal mehr dafür schämen kann.

2017, 06, 17

Ich hab endlich »Ghost in the Shell« gesehen, den jüngsten. Man lobt natürlich die Umsetzung und Scarlett Johansson, auch wenn man einberechnet, dass der Amime von 1995 ebenso charismatisch gewirkt haben muss. (Ich weiß das nicht, weil ich damals nur Filme mit echten Schauspielern geguckt habe.) Was mich an der Adaption ernsthaft stört, ist der folgenreiche Eingriff in die vom Franchise (Hefte, Filme, Serien) vorgegebene Erzählung. Das Grundmuster, das man von Adaption zu Adaption variiert, wurde hier an einem neuralgischen Punkt zerstört. Aristoteles hat den Film auch gesehen und in der Wochendausgabe der NZZ zu Recht auf seine Theorie verwiesen, dass ein Mythos aus Variablen und Konstanten besteht, dass man also von Adaption zu Adaption nicht beliebig an ihm verändern kann. Er gibt Abwandlungen, durch die der Mythos aufhört, er selbst zu sein, was ja wieder insofern passt, als genau das das intime Thema des Mythos um »Ghost in the Shell« ist: Wieviel kann man ändern, ohne dass das Wesentliche angegriffen wird? Wie immer, im aktuellen Film ist der Puppetmaster nicht im Netz entstanden, sondern ursprünglich eine reale Person. Analog ist Motoko nicht schon von Geburt ein Cyborg, durch den Unfalltod ihrer Mutter, sondern ein vermeintlich ausgebüchstes, in Wahrheit entführtes Mädchen. Damit ändert sich so ziemlich alles, und also verwundert nicht, dass die Gespräche im aktuellen Film schwächer ausfallen. Es gibt gravierendere Fehlgriffe auf dem Gebiet. Die Änderung z.B., die Dürrenmatts Drehbuch in »Es geschah am hellichten Tag« erlitten hat (von ihm später in »Das Versprechen« korrigiert). Viel bis dahin fehlt beim neuen »Ghost in the Shell« dann auch nicht mehr. Aber Scarlett Johansson spielt mit. Also glatte 17 / 10 Punkte.

2017, 06, 17

Ich habe vor langer Zeit, und weiß nicht mehr, wo, eine Geschichte gelesen, die ich witzig und tief fand. – Ein junger Mann war ein Sonderling, auch im Winter mit kurzen Hosen usw., und er war mit weitem Abstand der beste seiner Klasse in Mathematik. Er hatte die Angewohnheit, unter seine Rechenarbeiten immer »Peng!« zu schreiben. Und jedesmal gabs eine 1. Eines Tages saß er wieder in einer Klausur und rechnete eine Aufgabe. Das Ergebnis war: Der Turm ist 0,0001 cm hoch. Da hat er dann nicht »Peng!« drunter geschrieben. – Wie faszinierend diese Unsicherheit, die er mit einem Mal bekommt. Er traut sich selbst dann nicht mehr über den Weg, seinen Fähigkeiten, obwohl bis dato doch ziemlich. Und nur weil der Turm nicht so hoch ist, wie Türme gewöhnlich sind. Da mischt sich diesem in Lebensdingen ganz gleichgültigen Menschen in die reine Mathematik unvermittelt etwas, das aus dem Leben kommt. Und auf einmal zählt das doch was. Und dann lässt er das »Peng!« weg. Das ist so wie dieses ›zurück gehts nicht, nach vorn auch nicht, also bleib ich hier und stell mich tot‹.

2017, 06, 16

Der Sohn bekommt einen Sack Legozeug, der seinen Bestand signifikant aufstockt. Zwei Tage lang tut er nichts anderes als in sich versunken mit dem Zeug zu spielen. Nur zum Essen lässt er, widerwillig, ab. Jetzt fragt er mich, ob wir nicht mal ein Buch lesen wollen. Keine Aufmerksamkeitsspanne, diese Jugend.

2017, 06, 15

Die Doku ist nicht halb so gut, wie sie von ihren Gegnern via Anfeindung gemacht wurde. Die Kunst besteht darin, gegen die Anfeindung Flagge zu zeigen, ohne dieses halbgare, teils spitzfindige Gedankenfastfood als solches zu loben. Man lobt oder kritisiert aber zur Zeit einfach an den Parteilinien entlangt, Linie geht, wie so oft, vor Inhalt. Man sollte nicht sinken unter das, was man weiß und kann. Denn das ist der Unterschied: Der Antizionismus hat nicht die Freiheit, es auch mit der komplexen Perspektive zu probieren. Wir haben sie. Daraus einen Anspruch abzuleiten ist nicht das Problem. Ein Problem ist vielmehr, wenn Absenken von Ansprüchen zum Ausweis von Parteilichkeit wird.

2017, 06, 14

Die Welt hat eine dringende Sorge weniger. Ab sofort ist die deutsche Butter wieder vor Überfremdung geschützt. Wie man hört, will die Butterlobby das noch heute Abend feiern, bei einem Glas Long Island Ice Tea.

http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/europaeischer-gerichtshof-tofubutter-darf-nicht-tofubutter-heissen-a-1152075.html

2017, 06, 13

Während ihr übrigens alle die Doku guckt, lektoriere ich Dietmar Dath. Ich mag mein Leben.

2017, 06, 11

Übrigens wäre beiläufig mal über den gedankenlosen Gebrauch des Begriffs »Zensur« zu reden. Nicht nur bei Miersch. Von Zensur lässt sich nicht reden, wenn eine Institution (eine Zeitung, ein Sender oder ein Blogbetreiber, der einen Kommentar nicht freischaltet) eine Publikation ablehnt. Zensur ist, wenn dem Betroffenen überhaupt die Möglichkeit genommen ist, sein Werk zu publizieren. Es müsste also schon eine konzertierte Aktion der Medienwelt vorliegen, um dem Begriff gerecht zu werden. Andernfalls wäre jeder Lektor, der ein schlecht erdachtes und schlechter geschriebenes Manuskript in die Tonne wirft, nicht mehr von einem Zensor zu unterscheiden. Aber zugestanden: Mein Werk wurde überall abgelehnt, das klingt weniger sexy als: Man hat mich zensiert.

2017, 06, 10

Das Gegenbild zu »In the Night Kitchen« haben wir in »Bob der Baumeister«. Dort arbeitet Bob, der »Unternehmer«, direkt mit seinen Maschinen zusammen. Die können sprechen, denken, fühlen. Der Mensch, der sie eigentlich bedient, wird übersprungen; konstantes und variables Kapital verschmelzen in einem. Die Maschinen sind die gesamte Zeit auf dem Bauhof. Sie arbeiten zu den Werkzeiten und regenerieren sich dort, wenn Bob nach Feierabend seine Limonade trinkt oder mit Wendy beim Line Dance ist. Sie haben jenseits ihrer Arbeitsfunktion kein Leben. Bobs Bauhof ist der Trickfilm gewordene Traum des Fordismus. Der Arbeiter, der in Zucht und Takt des Produktionsprozesses lebt, von diesem vollkommen umfasst, arbeitet in selten getrübter Eintracht mit dem Kapitalisten zusammen. Wogegen Mickey rebelliert, nämlich behandelt zu werden wie konstantes Kapital, das passiert den Maschinen bei Bob, die diese Behandlung mit Freuden annehmen. So geschieht in »Bob der Baumeister« nicht die Vermenschlichung von Maschinen, sondern die Maschinisierung des Menschen. Can we fix it? Yes we can!

2017, 06, 09

James (bald 6) will zur Zeit Bauarbeiter, Kinderarzt und Fußpfleger werden. In der Reihenfolge. Vermutlich morgens, mittags, abends. Ich halte ihm die »Deutsche Ideologie« vor die Nase und antworte: »Und wer bitte soll dann Kritiker werden?«

(Mein Bruder übrigens wurde im selben Alter, das war so 1987 rum, gefragt, was er mal werden wolle. Seine Antwort war damals: Rentner. Bis heute ungeschlagen, finde ich.)

2017, 06, 07

Paradoxe Aufgaben sind reizvoll. So bin ich auf die Idee verfallen, dass doch mal jemand den Dunning-Kruger-Effekt auf Dunning und Kruger anwenden könnte. Ich kann das natürlich nicht machen, weil mir die nötige Kompetenz dafür fehlt.

2017, 06, 04

Die neue Staffel von »House of Cards« ist so dröge wie schon die beiden davor. Es gibt aber auch Grund zur Dankbarkeit. Vergleicht man das da jetzt mit der britischen Vorlage, die gekonnt ein Handlungsdreieck erzählt hat, steht das aktuelle HoC für das Problem des Seriengenres überhaupt. Nämlich dass eine (oftmals gute) Idee relativ schnell zum Höhepunkt hin entwickelt werden muss, damit das Publikum in ein Interesse verwickelt wird, dass die Erzählung dann aber eigentlich recht bald auf ihr Ende zulaufen müsste, es aber nicht tut. Da es nicht um Kunst, sondern um Sendezeit geht, wird die große Gesamterzählung noch mehrere Staffeln lang hinausgezögert, weshalb ich beantrage, HoC in »Gefangen im 4. Akt« umzubenennen. Als neue Intromusik schlage ich »Hotel California« vor. Und jetzt geh ich mal wieder zurück an den Schreibtisch, wo die Kinderbücher auf mich warten.

2017, 06, 04

Kalauer, die man sich erstmal trauen muss #37

Zu Pfingsten wird selbst Martin Schulz besinnlich. Er liest dann im Kreise der Familie seine liebsten Bebel-Stellen.

2017, 06, 01

Der Sohn geht feste auf die 6 zu, und obgleich ich, glaube ich, als Vater nicht ganz so versagt habe wie Darth Vader, ist der junge Mann im Star-Wars-Fieber. Er hat noch keinen der Filme gesehen, redet aber selbst im Schlaf darüber (»Es gibt auch böse StarWarser«, »Nein, der ist sein Sohn!« …). Am Samstag werden wir zusammen »Krieg der Sterne« gucken. Sein liebster StarWarser ist natürlich Yoda, und das wird ein Akt, ihm zu erklären, warum der im ersten Film gar nicht vorkommt, und warum er die anderen, in denen Yoda vorkommt, noch lange Zeit nicht sehen darf. Aber wozu hat man denn Väter, wenn sie einem nicht durch schwere Zeiten helfen?

2017, 06, 01

»War Machine« ist ein eigenartiger Film. Er zeigt schon recht anschaulich die unvermeidliche Verleugnung, die im Ansatz des Bellizismus steckt. Dass man, um seinem Bekenntnis treu zu bleiben, vorsätzlich meiden muss, die gesellschaftliche Lage als ganze in den Blick zu nehmen, weil man andernfalls zur Einsicht kommen könnte, dass sie aporetisch ist. Aber dann ist dieser Film an unzähligen Stellen inkonsistent und lässt seine Figuren permanent Dinge sagen, die sich nicht sagen könnten, wenn sie denn ihrer Ideologie tatsächlich ergeben wären. Hierzu passt denn auch die Spielweise von Brad Pitt, die zwar eminente Komik befördert, aber letztlich doch Karikatur bleibt. Es gibt allerdings auch Bleidendes an diesem Film, das versöhnlich stimmt. Die beste Parodie des Manspreading seit »The Big Lebowski« zum Beispiel.

2017, 05, 30

Man will ihm wohl ein paar Jahre Zeit geben, sein Konzept zu entfalten.

http://www.spiegel.de/sport/fussball/fc-arsenal-arsene-wenger-soll-zwei-weitere-jahre-bleiben-a-1149943.html

2017, 05, 27

Kalauer, die man sich erstmal trauen muss #36

Han und Carrie sind tot. Alles weitere regelt der Mark.

2017, 05, 25

Ich erwähne das, glaube ich, nicht zum ersten Mal, dass Himmelfahrt der eine Tag im Jahr ist, an dem ich mich für mein Geschlecht schäme, und dass das nicht stimmt, weil ich mich die anderen Tage eigentlich auch für das Geschlecht schäme, dem ich ungefragt beigehöre, und dass das aber auch nicht stimmt, weil es blödsinnig ist, sich für unfreiwillige Zugehörigkeit irgend verantwortlich zu fühlen, zudem für Handlungen von Idioten, die bloß aus Versehen dieselben Geschlechtsmerkmale (mal dürftig, mal weniger als dürftig verborgen) mit sich herumtragen. Zu solcher Verstiegenheit bin ich imstande, wenn Testosteron unter meinem Fenster mir seit den Morgenstunden die Ruhe stört.

2017, 05, 25

Das Proletariat unter meinem Fenster ist soeben von der Saufphase in die Raufphase übergegangen. Mir ist unerklärlich, wie die es schaffen, dennoch weiter zu trinken, zwischen all dem Gerede und Gepöbel.

2017, 05, 23

Ich möchte übrigens eine Ehrenmedaille dafür, dass ich bei der Interpretation der »Meta Morfoss«, an der ich gerade sitze, im Titel auf jeglichen Kalauer und jegliches Wortspiel verzichte. Das will was heißen bei meiner Mentalität und den Chancen auf billige Witze, die die Namesstruktur dieses Märchens gewährt. Was nach dem Titel passiert, allerdings, dafür übernehme ich keine Verantwortung.

2017, 05, 23

Ja sicher, close reading ist eine Methode, die man hauptsächlich treibt, um anzugeben. Man zeigt, dass man einen Text besser als alle anderen versteht, den Autor des Textes selbstredend eingeschlossen. Es wäre allerdings vulgär, wollte man methodische Entscheidungen allein aufs Verfolgen von Distinktion zurückführen. Faulheit darf auch nicht unterschätzt werden. Close reading erspart mir, ganze Werkausgaben lesen zu müssen, und jedes weitere Buch, das ich lese, erinnert mich bloß daran, dass ich in dieser Zeit eins hätte schreiben können.

2017, 05, 19

Früher war alles besser. Sogar Woody Allen. Aber selbst der schlechteste Allen hat immer noch was, das einen einfängt und nicht mehr loslässt. Und »Café Society« ist gewiss nicht das schlechteste, was Woody Allen je gemacht hat. Egal, was er tut, er kann zwei Dinge richtig gut: Dialoge und Charakterdramaturgie. Wenn er sehr gut ist, kann er sogar eine gute Handlung schreiben. Und wenn er ganz genial ist, glänzt er auch technisch, was das Regiehandwerk betrifft (wie in »Macht Point« z.B. oder in »Zelig«). Das klingt härter, als ich es meine. Allen kommt vom Buch her, er ist ein Autorenfilmer. Einer, der zuerst die Idee hat und dann das Bild sucht. Einen Film, der allein durch Bildsprache stark ist, könnte er nicht machen. »Café Society« bewältigt ein ähnliches Sujet wie »La La Land«, mit dem Unterschied, dass es es bewältigt. Es ist bloß in der unglücklichen Lage, mit Kunstgriffen wie »Deconstructing Harry«, »Annie Hall« oder, mein liebstes Stück, »Broadway Danny Rose« konkurrieren zu müssen. Das stimmt mich nachsichtig, und schon einen Tag nach Betrachtung hab ich an dem Film kaum mehr auszusetzen, als dass Jesse Eisenberg hätte unterlassen sollen, per Imitiatio eine Art jungen Woody Allen zu spielen.

2017, 05, 18

Es hat schon alles seine Ordnung mit der Welt. Ich zum Beispiel finde Humorkritiker sehr lustig.

2017, 05, 17

Nach meiner Zählung hat Maurice Sendak 16 Bücher sowohl geschrieben als auch gezeichnet; 86 Bücher anderer Herkunft illustriert (88, wenn man zwei Geschichten hinzuzählt, die ausschließlich in Zeitschriften erschienen sind). Hiervon zu unterscheiden sind 6 Publikationen von Bildern ohne Text (kommentierte Bildbände nicht mitgerechnet). Außerdem erschien 1 Band Essays und, post mortem, 1 Auswahl von Interviews. Sendak schrieb 4 Libretti, gestaltete 1 LP-Cover und trug bei insgesamt 17 Inszenierungen von Opern, Musicals oder Ballett die Verantwortung für Bühne und Kostüm. 63 seiner Bücher sind bei Harper(-Brothers, -Row oder -Collins) erschienen, 10 bei Farrar-Straus-Giroux, 3 bei Random House sowie jeweils 2 bei Nelson Doubleday, di Capua Books, Holt-Rinehart-Winston, Pantheon Books und der Oxford University Press. 9 der Illustrationsarbeiten waren für Ruth Krauss, 7 für Meindert De Jong, 6 für Else Holmelund Minarik, jeweils 4 für Randall Jarrell und Arthur Yorinks, 3 für die Brüder Grimm, jeweils 2 für Marcel Aymé, Beatrice Schenk de Regniers, Janice May Udry, Frank R. Stockton, Sesyle Joslin, Jack Sendak, H.C. Andersen und Clemens Brentano. Jeweils 1 mal illustrierte Sendak u.v.a. Tony Kushner, E.T.A. Hoffmann, Heinrich v. Kleist und William Blake. Außerdem vier Gedichte einer gewissen Mother Goose. Unter den illustrierten Büchern finden sich auch 1 Physikbuch und 1 Kleistbiographie. So viel nach ein paar Tagen systematischer Recherche. Es existiert, soweit ich sehe, zur Zeit kein Verzeichnis, das vollständig oder frei von falschen Zuordnungen wäre. Naja, 1 jetzt vielleicht doch.

2017, 05, 16

Unter Kater bin ich anders. Gerade habe ich 10 Minuten damit zugebracht, einen Teebeutel zu reparieren.

2017, 05, 12

Menschen in der Kleinstadt sind wirklich anders. Nebenan wird ein Häuschen abgerissen, so richtig mit Aufwand: Drei Bauarbeiter und ein Bagger. Etwa 20 Passanten stehen drumherum, Händler verlassen ihre Läden, sogar der Mann vom Nagelstudio, der mal eine Zeit in Mannheim gelebt hat. Allen stehen Mund und Nase offen, sie staunen, während der Bagger seinen Arm schwenkt. Ich kenne dieses Verhalten von meinem Sohn, also nicht von ihm jetzt, sondern als er noch kleiner war, so 2 oder 3 Jahre. Mir kommt natürlich die Frage in den Sinn, ob der Kleinstadtmensch und das Kleinkind strukturell ähnliche Geschöpfe sind. Das ist eine knifflige Frage, die schon methodologisch Schwierigkeiten macht. Also denke ich nach und stehe dort, Mund und Nase offen und staune, während der Bagger seinen Arm schwenkt.

2017, 05, 12

Ich: Bin gerade die ganze B37 bis Heidelberg mit 50km/h in einer riesigen Kolonne gefahren.
Sie: Und warst du der Wagen ganz vorne?

2017, 05, 11

Kurz vorm Schlafengehen schnell noch meine Privilegien gecheckt. Hab keinen Grund, mich zu beklagen.

2017, 05, 10

In der Umkleidekabine gestern beim Kinderturnen kommt neben mir ein Vater mit Kind zu sitzen. Son janz subtiler mit Singsang in der Stimme, der seinem Kind gegenüber nie laut noch irgendwie physisch werden würde, aber trotzdem die ganze Zeit hör- und sichtbar Druck ausübt. Er nutzt seine naturgegebene Überlegenheit, dem Kind keinen Raum zu lassen, irgendwie argumentativ Boden unter die Füße zu bekommen. Und es geht um die wichtige Frage, zu welchem Dönerimbiss man nachher gehen werde. Die Fortsetzung des autoritären Charakters mit anderen Mitteln sozusagen. In mein Notebook tippend verbringe die Zeit damit, den Papa abscheulich zu finden. Dann klingelt sein Handy. Mit dem Thema von Darth Vader. Das ist so absurd passend, dass er mir, ohne dass ich was dagegen machen kann, gleich wieder sympathisch wird. Ich lenke mich ab, indem ich weiter Bartelsgedanken tippe, wobei die Tippgeräusche allgemach lauter werden. Dann, ein paar Minuten weiter, klingelt mein Handy. Mit der Titelmusik von Knight Rider, die mich vom Sympathiebefall heilt und erinnert, dass das Böse bekämpft werden muss.

2017, 05, 09

Es gibt diesen Moment der Klarheit zwischen Feinden. Wenn man bemerkt, dass man in der Beurteilung der politschen Wirklichkeit gar keine Meinungsverschiedenheit hat. Wenn man weiß, dass es allein an der Bewertung liegt. Wenn Missverständnisse ausgeschlossen werden können. Wenn man simpel einsieht, dass man es mit einem Feind zu tun hat, der nicht überzeugt noch gemäßigt werden kann, weil er sich vollkommen im klaren über das ist, was er verfolgt.

Menschen nämlich.

[Nachtrag: Zum entschiedenen Nachteil der Wirklichkeit muss festgehalten werden, dass die Meldung des DLF nicht sachgemäß war und Andrea Nahles diese authentischste ihrer Aussagen nie gesagt hat: http://uebermedien.de/15483/dlf-entstellt-andrea-nahles-position-zum-grundeinkommen/]

2017, 05, 07

Es macht, nebenbei, einen großen Unterschied, ob einer aus grundsätzlichen Erwägungen nicht wählen geht, oder ob er, wie Zizek unlängst bei Trump und einige Franzosen jetzt, den rechten Rand zum kleineren Übel verklärt und schließlich doch noch zur Wahl schreitet.

2017, 05, 04

»Mit der Lehre von Marx geschieht jetzt dasselbe, was in der Geschichte wiederholt mit den Lehren revolutionärer Denker und Führer der unterdrückten Klassen in ihrem Befreiungskampf geschah. Die großen Revolutionäre wurden zu Lebzeiten von den unterdrückenden Klassen ständig verfolgt, die ihrer Lehre mit wildestem Ingrimm und wütenstem Haß begegneten, mit zügellosen Lügen und Verleumdungen gegen sie zu Felde zogen. Nach ihrem Tode versucht man, sie in harmlose Götzen zu verwandeln, sie sozusagen heiligzusprechen, man gesteht ihrem Namen einen gewissen Ruhm zu zur ‚Tröstung‘ und Betörung der unterdrückten Klassen, wobei man ihre revolutionäre Lehre des Inhalts beraubt, ihr die revolutionäre Spitze abbricht, sie vulgarisiert.«

Lenin, »Staat und Revolution«

2017, 05, 03

Ich mache mir langsam Sorgen um mich. Letzte Nacht träumte mir, ich sei Oberarzt in einem Kreißsaal in L.A. und versuchte dort, Ashley Cole auszureden, seinen Sohn Helmut zu nennen.

2017, 05, 03

Leute, ernsthaft: Ihr politisiert euch noch die Seele aus dem Leib. Denkt bitte daran, dass wir Anfang Mai haben. In 2 bis 3 Wochen wird es keine Mairübchen mehr geben bis zum nächsten Frühling. Dann müssen wir wieder Kohlrabi essen, der ähnlich schmeckt, aber penetranter. Loggt euch jetzt bitte alle aus und esst Mairübchen. Ernsthaft. Ich gucke in einer Stunde nochmal vorbei, und dann will ich hier keinen mehr sehen.

2017, 05, 01

Thomas de Maiziere wohnt in Berlin Mitte ein paar Meter von der Haustür meiner Eltern entfernt. Infolge dieses Umstands ist er mir schon mehrfach über den Weg gelaufen. Und soll ich euch was sagen: Er hat mir noch nie die Hand gegeben.

http://www.zeit.de/politik/deutschland/2017-04/thomas-demaiziere-innenminister-leitkultur

2017, 05, 01

Occupy 1. Mai: Wir sind die 99%

Facebookstatistik, Prognose (8:36 cet)

Bilder von Gewerkschaftsdemos: 12%
Bilder von Familienausflügen: 17%
Postings über die Dummheit der Revolutionären 1.-Mai-Demo: 31%
Postings von der Revolutionären 1.-Mai-Demo: 0%
Postings darüber, wie sehr man den Demoquatsch doch hinter sich habe und heute ganz unverkrampft den Tag genieße: 39%

(Die erste Hochrechnung wird gegen 11:30 Uhr erwartet.)

2017, 04, 30

Es ist heute auf den Tag genau 20 Jahre her, dass ich das letzte Mal, ohne Ironie, ein Ausrufezeichen in einem Text gesetzt habe.

2017, 04, 30

Man sollte Menschen nicht immer auf ihren Charakter reduzieren.

2017, 04, 28

»Ich vermisse mein altes Leben.«

Ja, Donald, ich vermisse dein altes Leben auch.

2017, 04, 28

Als der Maler und der Poet sich nach Jahren wiedertrafen, waren sie einander fremd geworden. Beide hielten viel auf das, was sie taten, und hatten den Sinn für das andere verloren. Irgendwann rief der Maler: »Ein Bild sagt mehr als tausend Worte!« Der Poet guckte so enerviert, wie es ihm möglich war, tat einen Schritt zur Leinwand, reichte dem Maler Farbe und Pinsel und fragte: »Warum?«

2017, 04, 24

Mitunter lohnt sich, den Adblocker zu deaktivieren. Ein Pop-up tut, was es sonst nicht darf, und ich darf, was ich sonst nicht tue, Werbung lesen. In Neuer Deutscher Rechtschreibung aber: »Fliegen Sie mit der meist ausgezeichneten Airline!« Ein neuer Trend wohl, differenzierte Werbung.

2017, 04, 24

Was macht eigentlich Martin Schulz?

2017, 04, 19

Kalauer, die man sich erstmal trauen muss #35

Jede Mahlzeit braucht einen Mutigen, der sie ausbricht.

2017, 04, 19

Ich entnehme den zahllosen Beiträgen zur gegenwärtigen Lage, dass der April darin den anderen 11 Monaten gleicht, dass er auch ein Wetter hat.

2017, 04, 18

Ich verstehe ja einiges. Dass es Aasfresser gibt z.B. Oder HipHop. Oder Skispringen. Wenn etwas keinen Zweck hat, dann ist es gut, wenn es wenigstens einen Grund hat, und wenn es keinen Grund hat, sollte es zumindest nicht weiter stören. Ich habe, wie gesagt, für vieles Verständnis. Was ich nicht verstehe, ist ein Shop für Hertha BSC.

2017, 04, 18

Ich liebe die Neunziger, oder wie immer das Dezennium heißt, in dem wir mittlerweile leben. Man braucht sich bloß einen Knopf ins Ohr zu stecken, und schon kann man nach Herzenslust in der Öffentlichkeit Selbstgespräche führen.

2017, 04, 18

Schön wär, wenn die Zeit es irgendwann dahin brächte, dass dass wir beim Klang des Namens »Donald« wieder zuerst an Entenhausen denken.

2017, 04, 17

»Verleugnung« ist in seiner Struktur konventionell, weil er sich müht zu erzählen, was passiert ist. Das ist bei diesem Thema der beste Weg, denn das, was diejenigen, die den Film sehen werden, mehrheitlich erwarten, dürfte tatsächlich die möglichst brave und gerade Erzählung der Ereignisse sein. Wogegen bei anderen Themen wohl einzuwenden wäre, dass zu viel Bemühen um die Ereignisse der Kunst zu wenig Raum lässt. Wirklich ärgerlich ist die Besetzung der beiden Hauptrollen. Rachel Weisz und Timothy Spall sind, wenig überraschend, mit ihren Rollen überfordert. Spall wirkt wie eine Karikatur und legt den Verdacht nahe, dass man es sich mit Irving zu einfach gemacht hat, gerade sein Charakter wäre interessant gewesen zur Vertiefung der Frage nach der Motivation von Holocaustverleugnung. Weisz hat ihr übliches Problem: Sie kann keine Emotionen spielen, obgleich die das einzige sind, das sie überhaupt spielen kann. So kann sie in dem Zweck-Mittel-Konflikt zwischen ihr und den rationalen, überwiegend männlichen Rechtsanwälten die stärker aus dem Gefühl und den moralischen Prinzipien kommenden Position nicht stark genug spielen, und dieser Konflikt bekommt eine deutliche Schlagseite. Auf die Art rutschtet Weisz mit ihrer Rolle ab, und der Film fasst Lipstadt und Irving folglich auf gleicher dramatischer Ebene, was bei Antigone und Kreon funktionieren kann, hier aber, wo es zwischen Vernunft und Irrationalität hergeht, keinen Sinn ergibt. Dass der restliche Cast sehr gut ist, wird zum Fluch des Films.

2017, 04, 16

Das eigentlich Bemerkenswerte am Volksentscheid der Türkei scheint mir die Frage, warum eine so schwerwiegende Entscheidung wie diese Änderung der Verfassung keine Zweidrittelmehrheit fordert. Im Extremfall (und der liegt hier vor) gestattet man damit einer Mehrheit von 51%, das Leben von 49% übers Knie zu brechen. Das ist schon bei einer gewöhnlichen Wahl schwer zu akzeptieren, im Fall einer Konstitutionsfrage wird es gänzlich absurd.

2017, 04, 15

Eigentlich wollte ich mit meinen Eltern zu Ostern einen Western sehen. Aber sie haben »Butch Cassidy and the Sundance Kid« mit »Der Clou« verwechselt, was auch nach dem ca. 10. Ansehen noch ein großer schöner Film ist. Großes Highlight bleibt der Auftritt von Ignaz Kiechle, der schon in »MacGyver« zu überzeugen wusste.

2017, 04, 15

Was wieder mal keiner wusste. Im Sommer 1969 diskutierte die Presseabteilung der NASA in Vorbereitung von Apollo 11 nächtelang, wie der erste Satz lauten sollte, den Neil Armstrong beim Betreten des Mondes von sich geben muss. Der Vorschlag »Es ist ein kleiner Schritt für mich, aber ein großer für die Menschheit« konnte sich mit knapper Mehrheit gegen »Es ist kleiner Schritt für die Menschheit, aber ein großer für mich« durchsetzen. Abgeschlagen auf Platz drei landete: »Guck mal da, die Erde!«

2017, 04, 12

Ich bin heute mehrfach beim Versuch gescheitert, den Klingelton von Knight Rider zu installieren, und bräuchte jetzt dringend technische Hilfe von Mrs. Barstow.

2017, 04, 12

Die Arbeit am Vortrag zur Empörungskultur flutscht. Am Anfang erstmal 20.000 Zeichen zur Theorie des Kommunismus. Jetzt komm ich aber wirklich gleich zum Thema.

2017, 04, 12

Hitler-Vergleiche sind die Nazi-Vergleiche des kleinen Mannes.

2017, 04, 12

Morgens halb 10 in Deutschland, und schon alle Knoppers alle. #mitdemSohnimZug

2017, 04, 12

Ich sollte eigentlich an einem Vortrag arbeiten, aber ich schreibe im Zug und habe eine Sitzblockade. So oder so ähnlich. Also lebe ich heute das Leben eines Vielzuvielschreibers. Und damit müsst jetzt auch ihr leben. Morgen dann wieder normal, versprochen.

2017, 04, 12

Schallplatten hingegen haben sich gehalten. Auch die jüngeren unter euch wissen, was das ist. Man benutzt sie zB am Strand, indem man sie sich gegenseitig zuwirft. Das geht mit der VHS nicht. Deswegen gibt es heute noch Schallplatten, aber keine VHS mehr. Irritiert hat mich trotzdem immer, dass die beiden Laufgeschwindigkeiten der Plattenspieler ausgerechnet 33 und 45 waren. Immer heikel, wenn man mal 33 brauchte. Das ist jetzt aber kein Nazi-Vergleich.

2017, 04, 12

Man erlebt ja nie nur Mist im Großraumabteil des ICE. Der Typ hinter uns zB hat die Titelmusik von Knight Rider als Klingelton.

2017, 04, 12

Diese Nazi-Vergleiche überall. So hats 33 auch angefangen.

2017, 04, 12

Das sind Mike, Henry, Steffen, Ted und Nils-Harald. Sie kämpfen um 1 Arbeitsplatz. Das Photo wurde 5 Minuten vor Beginn des Bewerbungskampfes aufgenommen. 1 lebt noch: der Kapitalismus.

2017, 04, 11

Einsam, Luna, weil oben, weil hell, Luna, wo der Rest dunkel ist oder dämmert, zehrst du vom Glanz des Vergangnen. Dass du leuchtest, Luna, hebt dich heraus, doch du leuchtest das Licht eines Andern. Und ob du nun gleich als letzter Rest dieses Andern erscheinst, du bist so doch mehr als alles, was dich umgibt. Wo nur Dämmrung ist und Abend, Ende des Tages und Anfang von Werweißdennschonwas. Nur weil du gar nicht du selbst bist, bist du du selbst. Und das, wie gesagt, ist mehr.

Ganz anders, Luna, gehts mir. Denn indem ich dir schreibe und mich meine, leuchte ich nicht das Licht eines Andern, ich leuchte mich in dich hinein. Und das ist auch nicht schlecht.

2017, 04, 11

Der gemeine Leserbriefschreiber hat eine erkennbare Körperbildung. Seine stets kritische Haltung, die Abneigung, sich für dumm verkaufen zu lassen, führt über die Jahre dazu, dass er die Arme vor der Brust verschränkt trägt. Das anatomische Rätsel besteht in der Frage, wie er es schafft, mit dieser Haltung weiterhin Leserbriefe zu schreiben. Ich habe dafür keine Erklärung.

2017, 04, 10

Die Liebe hat einen langen Arm. Er reicht exakt einmal um die halbe Erdkugel. Wenn ein Mensch auf die andere Seite der Erdkugel fährt, reicht die Liebe trotzdem. Und fährt er darüber hinaus, langt sie anders herum und kommt ihm entgegen. Die Liebe ist ein gewieftes Kerlchen.

2017, 04, 10

Penetrant am Frühling auch dieses Jahr wieder: der Geruch frisch gedrehten Grases.

2017, 04, 08

Die VHS war einst ein großes Medium. Sie prägte eine ganze Epoche. Als sie unterging, veranstalteten noch manche mit Wut im Bauch gegen diesen Zahn der Zeitgeschichte Videoabende. Angeblich aus Vergnügen. Sie dachten, Vinyl war nicht totzukriegen, also auch nicht die Magnetbänder. Die DVD werde nie den Zauber der VHS haben. Die VHS führte noch einige Jahre ein Dasein, dem man schon sehr wohwollen muss, wenn man es Existenz nennen wollte. Dann war sie weg, und ca. die Hälfte der Leute hier wissen nichtmal mehr, wovon ich überhaupt rede. Eines der beiden möglichen Anagramme von VHS ist HSV.

2017, 04, 08

Eigenartigerweise suchen die Leute zu Ostern nie in ihren Schuhen.

2017, 04, 07

Heute Nacht im Traum die Frage erörtert, ob ein schlafloser Traum weniger erbaulich sei als ein traumloser Schlaf, und mich dann, noch schlafend auf den Gedanken verfallend, dass ich gerade schlafe, prächtig über den entstandenen Widerspruch zwischen Akt und Inhalt des Gedankens amüsiert. Zum Glück bin ich aufgewacht, ehe jemand »Ich hätte noch eine Frege …« rufen konnte.

2017, 04, 04

Es hat bloß zwei Wochen gedauert, bis der neue Dönerimbiss hier einen seiner zwei Spieße abgehängt hat. Den mit dem Lammfleisch. Der lief nicht gut. Der andere, der mit dem Chickenfleisch, dagegen sehr. Dann also bald zwei Chickenspieße, oder einer mit Chicken und einer mit Bockwurst. Wenn der Döner nach Eberbach kommt, wird nicht Eberbach Döner, sondern der Döner wird Eberbach.

2017, 04, 03

Es gab eine Zeit, als die Erwähnung des Namens »Lejeune« mich zuerst an Philippe und den »Autobiographischen Pakt« denken ließ. Dass diese Zeit nun vorbei ist, verdanke ich nicht bloß dem Martin, sondern auch allen, die über dessen Aktionen berichten, als sei das was bzw., da sie seinen Unsinn bekannter machen, als müsse das was werden. Nachdem Lejeune nun offenkundig krank ist und jeder außerhalb seiner Posse das bemerkt, sollte man ihn auch so behandeln. Es gibt keinen Grund, sich ausgerechnet an ihm gesondert abzuarbeiten. Er hat keinen Einfluss, und beim Spott, den er erntet, dürfte schwer zu trennen sein, ob er seiner Position gilt oder seiner psychischen Störung. Wer sich, abgesehen davon, mit besonderem Eifer an gerade den dümmsten und angreifbarsten Teilen seines gegnerischen Lagers abarbeitet, setzt sich dem Verdacht aus, dass er aus Schwäche handelt.

2017, 03, 30

Eines Tages ging Sankt Martin durch den Wald. Er traf dort einen armen Mann, der unbekleidet war und fror. Und weil Sankt Martin nie gelernt hatte, den gesellschaftlichen Nexus, in dem er verkehrte, auf seine Produktionsverhältnisse hin zu analysieren, teilte er seinen Mantel, gab dem armen Mann die eine Hälfte und erreichte so, dass nun beiden kalt war. Er war der erste Sozialdemokrat der Welt & vielleicht ist er bald Kanzler.

2017, 03, 29

Ich erzähle nicht gern Grimms Märchen, weil mir die psychologische und ideelle Struktur oft nicht gefällt. Bei den Grimms treffen sich mit Volkstümlichkeit und Romantik zwei Traditionen, die ich in der weiten Welt gern machen lasse, doch nicht unbedingt auf die einsame Insel mitnähme. Vielleicht unterschätze ich aber, wie stabil mein Sohn ist. Er jedenfalls nötigt mich, ihm die Geschichte von der Goldmarie und der Pechmarie zu erzählen, also im Grunde das Märchen von Frau Holle. Ich krieg es grad so zusammen, und am Ende, als nun die eine künftig die Goldmarie und die andere Pechmarie genannt wird, sagt der Sohn: »Das ist gut. Dann kann man sie wenigstens auseinanderhalten.«

2017, 03, 28

Meine Stadt, mein Bezirk,
Mein Viertel, meine Gegend
Meine Straße, mein Zuhause,
Mein Block

2017, 03, 27

Vorhin las ich auf Facebook, die Zeitumstellung sei der Jetlag des kleinen Mannes. Das stimmt leider. Der Sohn wälzt sich seit einer Stunde im Bett und kann nicht einschlafen.

2017, 03, 27

Mit 140 Zeichen ist ein Tweet schon ziemlich eng. Das Faszinierende an Twitter liegt aber darin, dass der durchschnittliche Twitterer in 140 Tweets auch nicht mehr unterbringt.

2017, 03, 26

Alle guten Witze über die Zeitumstellung scheinen heute Nacht zwischen 2 und 3 gemacht worden zu sein.

2017, 03, 25

Mahmut Abbas, der als Verfechter des uneingeschränkten Rückkehrrechts seit vielen Jahren das vitalste und effektivste Hindernis einer 2-Staaten-Lösung ist, geriert sich auf Deutschlandreise als Botschafter der 2-Staaten-Lösung.

Genau mein Humor.

2017, 03, 22

Die Schulzkampagne ist der Versuch, charismatische Herrschaft zu installieren, ohne Charisma und ohne Herrschaft. Aber da ist endlich einer, in den die Dezimalsoziokraten wieder Hoffnung setzen können, nicht in Inhalte, nicht in Methoden, Theorien oder gar noch in eine Utopie, sondern in eine Person. Man versteht den Stil solcher Videos nicht, wenn man nicht berücksichtigt, in welcher Lage sich die SPD seit Schröder befindet. Korrumpiert durch die eigene Regierungspolitik konnte sie danach nicht wirkliche Opposition machen, trat daher auch bald wieder in zwei Große Koalitionen ein, tat allgemein alles, um irgendwie mitzutun, dabeizusein, nicht am Rand zu stehen, und wollte gleichzeitig doch immer bloß ernstgenommen werden. Endlich als Größe & wesentlicher Baustein des Systems genommen zu werden, das ist, beschleunigend Hinzutretendes abgezogen, der Antrieb des Opportunismus. Die Kränkung der SPD liegt heute darin, alles dafür getan zu haben und am Ende doch bloß immer wieder ausgelacht zu werden. Diese Partei, auf deren Verlästerung sich alle irgendwie einigen konnten, ist der Politik also das, was Günter Grass der Dichtung ist, und ganz gewiss gäbe es auch ein solches Video von Grass, wäre er nicht gestorben, ehe das Internet erfunden wurde.

2017, 03, 21

Man kann wohl mit etwas Kunst und im Rahmen eines Bildes aus Schweighöfer einen Hiddleston machen, aber zum Dreh erscheint dann doch bloß Schweighöfer. Die Wahrheit kommt immer raus.

2017, 03, 21

Natürlich ist heute Welttag der Poesie. Aber nicht, weil die Unesco das sagt, sondern weil der Hacks heute Geburtstag hat.

Drum glaub den tausend Zeigern
Der Welt, die nimmer ruhn.
Du sollst mir nichts verweigern.
Wir müssen lieben nun,
Bis einst aus freien Stücken,
Gesättigt mit Entzücken,
Wir unsrer Füße Rücken
Still voneinander tun.

2017, 03, 20

Streng wissenschaftliches Interesse (& ein bißchen die Tatsache, dass ich nicht nur »Ghostbusters«, sondern auch »Zombieland« ein paar mal zu oft gesehen habe) führte mich hierzu. Es geht die Legende, dass Twinkies nicht verrotten. Ich starte ein Langzeitexperiment. Aber in Schritten. Heute teste ich zunächst, ob Twinkies einen Tag lang halten.

2017, 03, 15

Gestern 15 min vor Beginn meiner Lesung zum Bahnhof gewetzt, weil ich mein Wasser vergessen hatte. Genau zum Beginn war ich zurück und erleichtert, dass ich noch einen Platz bekommen habe.

2017, 03, 11

Nachdem ich vor drei Tagen nicht davon Abstand nahm, ein ganzes Glas Cola über meinen Rechner auszuschütten, am Folgetag einen neuen kaufen und jetzt allerlei Daten wiederherstellen und Programme installieren musste, wurde ich einmal mehr daran erinnert, dass blank technisch ein Antivirenprogramm von einem Virus nicht zu unterscheiden ist.

2017, 03, 11

Am 4. April hat »Was gesagt werden muss« seinen fünften Geburtstag. Ich mache gerade eine Zeitungsseite dazu und fühle mich wie ein Opfer, das an den Tatort zurückgebracht und somit gezwungen wird, das Verbrechen noch einmal zu durchleben.

2017, 03, 09

Man kommt 10 min zu spät zu einem Termin. Endlich zugegen stellt man fest, dass die Fachkraft selbst zu spät ist. 11 min nämlich. Die Fachkraft lächelt verlegen: Entschuldigen Sie, es hat heute etwas länger gedauert. Der Teufel zu meiner Rechten sagt mir: Jetzt streng gucken. Endlich siegt der Engel: Halb so wild, gute Frau, das hätte doch jedem passieren können.

2017, 03, 08

 

Dann halt doch die Fresse, Yoda.

2017, 03, 02

Eine alte Theorie von mir besagt, dass Goethe seine Ballade vom Zauberlehrling unter dem Eindruck seines ersten selbstgemachten Popcorns ersonnen hat.

2017, 02, 24

Vorlesungsmitschriften

2017, 02, 23

Ich hab ohne jedes Vorwissen Boston (Patriots Day) gesehen. In der Mitte des Films etwa dachte ich bei mir: Gott, das ist so hohl wie ein Film von Peter Berg.

2017, 02, 23

Der Typ im Dönerladen, der hier neu aufgemacht hat und tatsächlich den ersten essbaren Döner in die Gemeinde brachte, übrigens gegen einen, wenn auch seichten, Widerstand besorgter Bürger, die orientalisches Publikum in der Geschäftsstraße des Zentrums nicht so berauschend finden, dieser Typ sieht aus wie Robert de Niro. Nicht wie der alte Sack, der seiner Stiftung zuliebe zwischen 7 und 15 drittklassige Filme pro Jahr abdreht, sondern wie der junge, der aus Taxi Driver. Er muss schon öfter gehört haben, dass er aussieht wie de Niro. Denn während ich den Laden betrete, und noch ehe ich dazu komme, auch nur irgendwie zu gucken, sagt er zu mir: »Wissen Sie eigentlich, dass Sie aussehen wie Robert de Niro?« Ich weiß, was wirklich selten vorkommt, nichts zu räsonnieren. Blicke ihn an und muss lachen. Er grinst zurück. Ich wittere einen verstiegenen Meta-Witz, lege mich dann aber auf Running Gag fest. Und auf einmal höre ich mich sagen: »Wissen Sie, das fragt man mich dauernd.« Einen Döner Kebab mit extra viel Pummarola in der Tasche ging ich nach Hause. Ich glaube, das war der Beginn einer wunderbaren Freundschaft.

2017, 02, 22

Eine Graphik der Seite >polisphere< macht die Runde. Echt harte Denker haben recht hart darüber nachgedacht, welche Medien für hart rechte Denker in Frage kommen. Oder so ähnlich. Das Ergebnis fanden andere Hartdenker überhaupt nicht gut. Viele Gespräche in meiner Community … sorry, musste kurz in den Keller, lachen … haben jetzt zu einem alternativen Ordnungsversuch geführt. Nicht nur die Bewertung wurde überarbeitet, sondern auch die beiden Maßstäbe der Verortung. Und, am wichtigsten, der Pool der zu bewertenden Medien wurde erheblich aufgestockt. Das Ergebnis ist damit streng wissenschaftlich geprüft und nicht widerlegbar.

2017, 02, 19

Heute wegen gestern geschlossen.

2017, 02, 17

Der Vorgang Höcke vs. AfD zeigt: Auf 100 Spaltungen von Linken kommt eine von Rechten. Und nichtmal die kriegen sie hin.

Spaltung nämlich ist eine famose Sache. Anders als das Beisammenbleiben ist sie nie irrtümlich. Ein Bruch, ein Schnitt, ein Abstandnehmen, das sind viel zu ernste und folgenreiche Entscheidungen, als dass man sie einfach aus Missverständnissen oder Launen heraus fällt. Spaltungen bedeuten immer was, und wenn die Linke sich von jeher spaltet und bei der Rechten das kaum passiert, dann liegt das daran, dass es bei der Linken immer schon um was geht, dass dort das Verhältnis von Utopie und Wirklichkeit verhandelt wird, während die Rechten im unterbegrifflichen Einerlei immer noch gut beisammen sein können. Dort geht es immer bloß um die Frage, wie das Bestehende zu erhalten sei. Der Dissens bezieht sich auf das Wie. Bei den Linken bezieht er sich durchaus auf das Wie, aber auch auf das Was. Und dann noch natürlich auf das Was, das im Wie schon verborgen liegt.

2017, 02, 11

Nun noch »Toni Erdmann«. Ich hab nach 11 Minuten ausgemacht. In meinem Freundeskreis ist das Rekord. Normalerweise gucke ich Filme zu Ende. Zur Not mit doppeltem Abspieltempo. Aber ich konnte hier das Amateurhafte nicht ertragen. Die lahme, banale, einfallslose Inszenierung sowie das stümperhafte Spiel des Hauptdarstellers. Sicher kommt auch meine östliche Sozialisation hinzu, die mir Verbindlichkeit mit Altachtundsechzigern und also auch mit dem, was sie für Humor halten, besonders schwermacht.

2017, 02, 10

»Manchester by the Sea« ist ein ruhig, fast zu ruhig erzählter Film, der mit dem Hamartia-Modell der klassischen Tragödie arbeitet: eine gewöhnliche Verfehlung, die zu großem Unglück führt. Und da das Unglück schon passiert ist, zeigt der Film das klassische Handlungsmuster der zweiten Chance. Es ist also ein Gebräu aus »Ödipus Tyrannos« und »The Natural«. Und ganz anders. Da ich »Fences« vor der Verleihung nicht mehr werde sehen können, leg ich mich fest: »Manchester by the Sea« ist der eine Film unter den nominierten, der den Oscar verdient hätte.

Bester Film: »Manchester by the Sea« [Ich erwarte viel von »Fences«; »Manchester by the Sea« war jenseits aller Erwartungen.]
Beste Regie: Denis Villeneuve – »Arrival« [Regie ist die Kunst, selbst karzinogenen Pilz in genießarer Weise darzureichen.]
Bester Hauptdarsteller: Casey Affleck – »Manchester by the Sea« [mit großem Abstand, und wie gesagt: Ich habe den Washington Denzel in »Fences« noch nicht gesehen.]
Beste Hauptdarstellerin: Emma Stone – »La La Land« [mangels Konkurrenz – Fick dich, 2016 etc. etc.]
Bester Nebendarsteller: Jeff Bridges – »Hell or High Water« [Er spielt, wie immer, sich selbst. Aber niemand spielt Jeff Bridges so gut wie Jeff Bridges. Goodman (»10 Cloverfield Lane«) oder Sheen (»Passengers«) wären nicht-nominierte Alternativen.]
Beste Nebendarstellerin: Meryl Streep – »Kramer gegen Kramer« [because it’s not possible to over-rate her]
Bestes adaptiertes Drehbuch: [Kann weg, Adaptionen sind scheiße]
Bestes Originaldrehbuch: Woody Allen [wofür auch immer]
Beste Kamera: [Wo warst du dieses Jahr, Lubezki?]
Bestes Szenenbild: [Keine Meinung]
Bestes Kostümdesign: [Keine Ahnung]
Beste Filmmusik: [nicht »La La Land«]
Bester Filmsong: [Alles, was hinter »Do Not Forsake Me, Oh My Darlin’« zurückbleibt, kann weg. Also alles.]
Bestes Make-up und beste Frisuren: Patrick Stewart [für jede Rolle seit 1990]
Bester Schnitt: [Keine Ahnung. Jedenfalls nicht »La La Land«]
Bester Ton: O-Ton [außer, Arne Elsholz spricht]
Bester Tonschnitt: [Ich finde, »La La Land« hat einen Trost-Oscar in dieser Kategorie verdient, für die ohnehin niemand Verwendung hat.]
Beste visuelle Effekte: John Cage – »4:33«
Bester Animationsfilm: Zootopia [jetzt mal wieder Schluss mit dem Quatsch, ein schöner Film, einen großen Schatten gewiss wirft »Inside out« aus dem Vorjahr, der beste Animationsfilm aller Zeiten.]
Bester animierter Kurzfilm: [Kürzt den Oscar!]
Bester Kurzfilm: [Strafft den Oscar!]
Bester Dokumentarfilm: [Beschränkt den Oscar!]
Bester Dokumentar-Kurzfilm: [Okay, ich geb auf.]
Bester fremdsprachiger Film: [Sowas gibt es nicht.]

2017, 02, 08

Der letzte Schrei gerade sind Witze über Toni Erdmann. Ich habe heute Swiss Army Man gesehen, und ich will nicht nur meine Lebenszeit zurück, ich will diesen Film ungesehen haben, ich will, dass er nie gemacht worden ist, ich will keine Welt, die so einen Film hervorbringen konnte. Das wars. Mehr will ich eigentlich nicht.

2017, 02, 04

Der japanische Film »An« erhielt den deutschen Synchrotitel »Kirschblüten und rote Bohnen«. Diese Übersetzung ist nicht gut. Richtig müsste sie lauten: »Kirschblüten und Sushi im Land des Lächelns und der aufgehenden Sonne«.

2017, 02, 02

Kalauer, die man sich erstmal trauen muss #35

Bald 20 Jahre Gastronomie hatten aus ihm einen Menschenkellner gemacht.

2017, 02, 01

Gedichte, deren Urheber zu sein ich stets leugnen werde #23

Trumpy Trumpy let build a wall,
Trumpy Trumpy had a great fall,
All the President’s horses and all the President’s men,
Couldn’t make USA great again.

2017, 01, 30

Wenn in ca. anderthalb Jahren das Finale von »Game of Thrones« ausgestrahlt wird, werd ich mir das erst eine Woche später ansehen. Einfach weil ichs kann.

2017, 01, 30

Zu »Hacksaw Ridge« wirklich nur dies: Drama lebt dort auf, wo ein Ausschnitt aus dem Material des Lebens genommen wird, der sich eignet, einen – und am besten bedeutsamen – Konflikt durchzuerzählen. Wenn vom Beginn zum Ende ein Bogen gezogen werden kann mit steigender und fallender Handlung, was wichtig ist, damit der Zuschauer nicht einschläft. Einfach eine Biographie von vorn bis hinten nachzuerzählen, das ist keine Kunst. Damit haben sich schon Bessere als Mel Gibson überflüssig gemacht. Zum Beispiel Tyldum mit »The Imitation Game«. »Hacksaw Ridge« funktioniert wie »Full Metal Jacket«, also gar nicht. Weil der Film sich nicht entscheidet, ob er Kriegs- oder Justizdrama sein will. Mitten drin dieser eigentümliche Schnitt in der Handlung – während man den Eindruck hat, dass der erste Teil noch gar nicht richtig ausgereizt wurde, stolpert der Film bereits in den zweiten, und man weiß, jetzt kommt nur noch Blut/Scheiße/Weltschmerz. Übrigens fällt mir noch ein Film ein, der so ist: »Heartbreak Ridge« von Eastwood. Nur dass der schon lange vorliegt und als Komödie weniger unter diesem Bruch leidet. In der Filmgeschichte ereignet sich alles zweimal. Zuerst als Farce, dann als Tragödie. Und wenn die Tragödie schlechter ist als die Face, dann halt zweimal als Farce.

2017, 01, 30

Unser Vermieter, das ist dieser freundliche Herr, den ich schon mal erwähnt habe, der Sätze zu mir sagt wie ›Wenn Sie das nächste Mal beim Hagebaumarkt sind …‹ oder zu meiner Frau: ›Wo ist denn die Rohrzange Ihres Mannes?‹, dieser Vermieter ist ein liebenswerter, etwas starrsinniger Herr, der keinem was tun will, aber natürlich insofern Mensch ist, als auch er nicht ganz unterlassen kann, zu den Weltdingen eine Meinung zu haben. Neulich war er bei uns. Es ging um das System unserer Heizung. Sie funktioniert nicht, obwohl sie funktioniert. Denn das System funktioniert nicht. Als Idee. Im Sommer heizen die Kollektoren vom Dach den Speicher so sehr auf, dass wir die Heizkörper in mindestens einem Raum voll aufdrehen müssen, damit die Sache nicht in die Luft fliegt. Im Winter kühlen die Rohre den Wassertank so aus, dass man mit dem Ofen nicht dagegen ankommt. Das Heizsystem funktioniert also nicht antizyklisch, sondern zyklisch. Es kühlt im Winter und heizt im Sommer. Soweit ist das alles wie im Kapitalismus, also wie mit den Weltdingen, von denen ich sprach. Immerhin haben wir im Sommer kostenlos warmes Wasser, aber im Winter müssen wir mit Strom heizen, was etwas mehr kostet, als der Sommer uns einspart. Trotzdem kommt der gute Mann, wenn er bei uns ist, um das Elend zu bestaunen, in 10minütigen Perioden auf den Gedanken zurück: ›Wenn Sie jetzt sehr viel Holz kaufen und von früh bis spät den Ofen befeuern und vielleicht noch in der Nacht ein oder zweimal aufstehen, könnte es trotzdem funktionieren.‹ Und dann die Weltdinge: ›Also, dieser Trump ist schon ein bisschen verrückt. Aber wie der die Steuer vermeidet, da kann ich noch eine Menge von ihm lernen.‹ Meine Frau lächelt verkniffen. ›Und der Islam, das ist ja eher das Gebiet Ihres Mannes, also da hab ich neulich ein Buch gelesen, da wurde davor gewarnt, dass die hierher kommen und uns alles verändern. Unsere christlichen Werte.‹ Meine Frau zuckt kurz zusammen. Alle Heugabeln aber außer Griffweite. ›Und da dachte ich, das sind schon ganz schöne Spitzbuben. Aber dann hab ich ein Buch gelesen von diesem Scholl-Latour. Und da stand wieder alles ganz anders drin. Und dann dachte ich: Vielleicht sind das doch gar nicht solche Spitzbuben. Es ist schon alles gar nicht so einfach, wie man immer denkt.‹ Meine Frau lächelt. ›Aber wissen Sie, wenn Sie jetzt sehr viel Holz kaufen und von früh bis spät den Ofen befeuern und vielleicht noch …‹

2017, 01, 29

La La Land ist auch eher so lala. Dreieinhalb schön gemachte Szenen und ein gewiefter Schluss heben das nerv- und zeittötende Getanze und Gesinge von mäßig begabten Schauspielern nicht auf, zumal bereits die Choreografie – wenn denn schon getanzt wird, warum dann nicht gut? – so schlecht ist, dass auch bessere Darsteller sie nicht hätten retten können. Doch der Film greift (wie schon vor zwei Jahren Birdman) ein Thema auf, das die meisten Academy-Mitglieder aus persönlichem Erleben kennen. Der Oscar also dürfte ihm kaum zu nehmen sein.

2017, 01, 28

Neues vom Sohn (5 Jahre):

Es geht um Meta Morfoss, das Mädchen, das sich in alles verwandeln kann. James hat, seit er das Märchen kennt, eine große Freude daran, es auf seine Glaubwürdigkeit hin abzuklopfen.

James: Papa, kann die Meta sich auch in Luft verwandeln?
Papa: Ja sicher, die kann sich in alles verwandeln. Also auch in Luft.
James: Kann die sich auch in zwei Metas verwandeln?
Papa: Ja, wahrscheinlich schon.
James: Aber wenn die sich in eine Sache verwandelt, die es schon gibt … Aber die darf es nicht zweimal geben.
Papa: Wieso nicht? Es kann doch zwei Metas geben.
James: Aber kann die sich auch in was verwandeln, dass sie sich danach nicht zurück in Meta verwandeln kann?

Morgen geb ich ihm Kants Kritik des Anselm zu lesen.

2017, 01, 27

Das Handwerk des Lektorats erfordert neben Fachkenntnissen und sprachlicher Kompetenz Fingerspitzengefühl im Umgang mit jenen sensiblen Wesen, die man Autoren nennt. Sowas kann man nicht lernen, man hat es einfach.

S. 1 des Manuskripts:

Aber man muss Autoren auch ermutigen können:

2017, 01, 25

Wir haben immer gelacht über Grönemeyers ›Kinder an die Macht‹ und uns gefragt, wie gefährlich zugleich dieser lächerliche Zustand sein müsste. Jetzt haben wir die Gelegenheit, das anschaulich herauszufinden.

2017, 01, 24

Man entwickelt zu den Städten, die man ausschließlich von der Durchfahrt her kennt, eine eigentümliche Beziehung. Man kennt sich schon ewig, ohne sich zu kennen. Das macht es schwieriger. Soll man sich nun grüßen oder wohlwollend ignorieren? Wäre es nicht höflich, irgendwann doch mal auszusteigen? Aber worüber soll man dann reden? Morgen auf der Rückreise werde ich mir einen Stoß geben und Hildesheim das Du anbieten.

2017, 01, 24

Obgleich bereits hinter Fulda gelangt, erinnert mich der bedauerlicherweise dort nicht entstiegene Mitfahrgast schmerzlich daran, dass ›Du wirst lachen‹ im badischen Zungenschlag wie ›dumme Schlampe‹ klingt.

2017, 01, 24

Am Wochenende dann im ND eine Seite von mir zur Antrittsrede des Trump. Vor ein paar Monaten schon habe ich im Windschatten des Bethscheider die Trumpbewegung von unten beschaut. Eine der Erkenntnisse über sie war die weitgehende Abwesenheit ideologischer Erwägungen. In der Antrittsrede nun muss ein Präsident aber genau das tun: ein ideologisch begründetes Programm vorzeichnen. Trumps Eigenheit ist, dass er keins hat. Er hat, wie ich vor Monaten schrieb, eine Stimmung. So bleiben ihm dort, wo er angeben muss, was er will und in welchen Zusammenhängen, nur zwei Wege: entweder nimmt er Disparität in Kauf, oder er bleibt so einfach in seinen Aussagen, dass das Problem des sinnvollen Zusammenhangs sich gar nicht stellt. Es überrascht nicht, dass Trump in der Rede gleich beide Wege gewählt hat. Selbst in der Organisation seiner Unorganisiertheit bleibt er sich treu. Auch die Untersuchung der Ideen wird ergeben, dass man ihn im wesentlichen nicht dort, sondern eine Etage tiefer, bei der Stimmung, die er befördert, zu packen bekommt.

Es gibt übrigens Menschen, die meinen, dass es zu früh sei, über Trump zu urteilen. Ich denke, es ist schon zu spät.

2017, 01, 23

»Zwar sei die Jugend blöd wie nie,
Doch sei, dass ausgerechnet die
Des Fortschritts Werk verrichte,
Der Witz der Weltgeschichte.«

Hegel (nach Hacks)

Ich habe drüber nachgedacht. Es passt genau auf unsere Lage. Abzüglich des Fortschritts, versteht sich.

2017, 01, 22

Kalauer, die man sich erstmal trauen muss #34

Ich bin, was Farben angeht, eigen. Ich mag Blau. Dann noch Hellblau und Dunkelblau. Azur und Preußisches Blau. Sonst mag ich gar nichts. Aber in blau eigentlich alles. Ich bin eben sehr blueralistisch.

2017, 01, 21

Ein Suppenkasper auf dem Weg ins Oval Office. Soviel immerhin steht fest. Aber dann: Ist doch eh wurscht, wer da sitzt. Sagen die einen. Gebt dem Mann doch erst mal ne Chance zu zeigen, dass alles, was er bisher gesagt und getan hat, bloß ein einziges großes Missverständnis ist. Sagen die anderen. Offenbar ist es schwer, was Sinnvolles über Trump zu sagen. Es wäre dabei überaus sinnvoll, etwas Sinnvolles zu sagen. Vielleicht nicht über Trump. Vielleicht über die Weltlage. Vielleicht nicht bloß über ihre Oberfläche. Vielleicht was über gesellschaftliche Strukturen und Bewegungsformen. Gewiss, das wäre nicht neu, aber vielleicht ist es sinnvoller, das Sinnvolle, das sich kaum ändert, zu wiederholen, anstatt unbedingt immer Neues sagen zu wollen.

2017, 01, 20

Ich habe die ersten Absätze der Antrittsrede gelesen und brauche jetzt erstmal bis zum Jahresende eine Pause. Toby Ziegler hätte geschossen.

2017, 01, 20

Hackt doch nicht alle auf Trump rum. Gebt dem Mann eine Chance zu beweisen, dass alles, was er bis jetzt in seinem Leben gesagt oder getan hat, ein einziges großes Missverständnis ist.

2017, 01, 20

Wäre Donald Trump Automobilhersteller, würde er ein Auto bauen, das einen Kolbenfresser nach dem nächsten produziert und wie kein zweites Krach macht. Nichts wäre fest an ihm, jedes seiner Teile klapperte. Das einzige, was an seinem Auto keinen Krach machte, wäre die Hupe.

2017, 01, 17

Idee für einen Film: Das Urteil des Salomon. Er betritt die Szene, hört die beiden Frauen an und verfügt, das Kind zu teilen. Anders als in der Bibel zeigen sich jedoch beide Frauen menschlich und bieten der anderen jeweils das Kind an, damit es nicht geteilt werde. Alle sind so schlau wie vorher, und Salomon wird seines Amtes enthoben wegen Anmaßung und Grausamkeit. Vorhang. Statt einer Tafel mit »Ende« eine mit »Genau so wars!«

2017, 01, 17

Aus irgendeinem Grund kam mir der seltenblöde Songtitel ›Adler sollen fliegen‹ in den Sinn, der wenigstens noch insoweit kein restloser Quatsch ist, als ja eine Privation sich hier denken lässt. Worte hingegen, die keine Bedeutung haben, sind keine Worte. Es wäre dann zu sprechen von Lauten. Allerdings ergibt die Korrektur dieses Unfugs auch keinen Sinn: Laute müssen etwas bedeuten? Nö, müssen sie nicht. Vorliegt also ein Unfug, dessen notwendige Korrektur weiteren Unfug hervorbringt. Und damit scheint mir zugleich Obamas geschichtliche Stellung überhaupt in hinlänglicher Weite beschrieben zu sein. Sicher, was jetzt folgt, ist noch blöder, aber man kann ja nicht so tun, als habe das nichts mit ihm zu tun.

2017, 01, 17

»Es wird immer missverstanden. Schreibblockade wird gedeutet als Ausgetrocknetsein. Dass man keine Einfälle mehr hätte. Aber ich habe mehr Einfälle denn je. Eine Schreibblockade ist eine Angststörung, Angst vor dem Scheitern. Angst vor der Mühe auch, weil die sich nicht lohnen könnte.«

Vermutlich stimmt es nicht, und es gibt verschiedene Arten der Schreibblockade, sicher wohl auch die der Abwesenheit von Einfällen. Ich schließe das daraus, dass auf mich haarklein zutrifft, was Goldt hier verallgemeinert: Einfälle hat man immer, weil man Einfälle nicht hat, sondern sie einen haben. Angst vor dem Scheitern und Angst vor dem Nichtlohnen hingegen, die ruht darunter und kommt hoch. Nur was auf mich zutrifft, kann nicht auf alle zutreffen. Will sagen: Kann schon, tuts aber doch nie.

2017, 01, 16

Wir sprachen über unbefugtes Gebrabbel, und er ließ sich zu jenem Satz hinreißen, der so gut klingt und in unwiderstehlich frecher Haltung vorgetragen ist, dass man nicht mehr nachsinnt, ob er auch sinnvoll ist: »Wenn man keine Ahnung hat, einfach mal Fresse halten.« Meine Antwort gab sich von selbst: »Da wärs aber still.« Und so stand auf einmal diese Frage im Raum, die sich mir noch nie ernstlich gestellt hatte. Das erste Mal in meinem Leben war ich bei ihr anderer Meinung. Vielleicht sehe ich das morgen wieder wie gehabt, aber mir ist, als sei Schweigen wirklich bloß Silber und Reden jedenfalls Gold. Als sei weniger schlimm, dass Stumpfzeug geredet wird, als wenn gar keiner mehr redete. Mir ist einigermaßen unklar, wie ich nach bald 17 Jahren Beobachtung des Web 2.0 auf so einen Gedanken kommen konnte. Er steht so wider jeden Anschein, dass er einfach wahr sein muss. Ich gehe wohl besser schlafen, ehe ich noch Gamps Gesetz der elementaren Transfiguration widerlege und sämtliche Potterheads aus ihrem selbstgewählten Hotel California befreie.

2017, 01, 12

Auf rollende Gags aufspringen, um ein bisschen Aufmerksamkeit für sich abzuzweigen, das lehne ich ab.

Ihr Christian Lindner (FDP)

2017, 01, 11

»Genius« ist eigentlich wie für mich gemacht – die Charaktere, das Thema, die Dialoge. Ich müsste um jede Minute traurig sein, die der Film zu früh aufhört. Aber ich werde mit ihm irgendwie nicht warm. Ich glaube, es liegt an Jude Law, den ich mal wieder zu konturlos, zu wenig vollständig finde. Das ist bemerkenswert, weil er technisch gut spielt und an mehr als bloß einer Handvoll erstklassiger Filme mitgearbeitet hat. Er erinnert mich etwas an Gregory Peck – als ganz äußerlicher Darsteller, der einem durchs Innere glitscht wie ein Fisch durch die Hände. Da ist einfach nichts, das sich in einem verhakt. Seltsam trüb und glatt zugleich, was zumindest in diesem Zusammentreffen auch schon wieder rar ist.

2017, 01, 1o

Ich habe einen Turingtest für Salonkommunisten entwickelt. Wer ihn besteht, darf mit mir spielen:

Lieber mehr, aber besser. Denn Elektrifizierung ist Kommunismus minus Sowjetmacht. Politik hingegen der konzentrierte Ausdruck der Idiotie. Daher ist Verdauen gut, nur Verzehren besser. Und die Tränen von Marx verdächtig, weil sie rar sind.

2017, 01, 10

Parteiausschlüsse sind eine solide demokratische Angelegenheit. So demokratisch, dass ich fast schon wieder dagegen bin. Aber bei Sahra Wagenknecht mache ich mal eine Ausnahme.

2017, 01, 10

Wenn ein Hetzer, der die links-ökologische Geheimherrschaft fürchtet, den Beitrag eines anderen Hetzers, der die links-ökologische Geheimherrschaft fürchtet, aus seinem Blog streicht, ist das wohl auch nichts anderes als Mülltrennung.

Warum Sie mit psychopathologisch gestörten grün-linken Gutmenschen nicht diskutieren sollten

2017, 01, 09

The Master of Suspensorium

2017, 01, 08

Nicht alles, was eine Bedeutung hat, hat auch einen Sinn. Zum Beispiel springen im Internet eine Reihe von Leuten mit meinem Namen herum, und vermutlich heißen sie auch noch tatsächlich so. Das ist das Los. Es kann halt nicht jeder Natias Neutert heißen. Ich überlege trotzdem, mich Felix Y. Bartels zu nennen.

2017, 01, 08

Eine Tautologie ist eine Tautologie.

Eine Kontradiktion ist eine Kontradiktion. Und auch nicht.

2017, 01, 07

Ich bat den Sohn, ein Bild nachzumalen. Vielleicht, dachte ich, steckt in ihm ja ein Kopist. Gewiss, die Ähnlichkeit könnte größer sein, aber für einen männlichen Fünfjährigen ist es so schlecht dann auch wieder nicht. Die Vorlage unten habe ich übrigens selbst gemalt.

2017, 01, 06

Wer mit 40 noch Kommunist ist, hatte nie Milzbrand.

2017, 01, 06

Ich will nicht prahlen, aber ich habe seit Anfang November sieben aufeinander folgende Infektionen genossen, darunter eine veritable Grippe, eine Magen-Darm-Infektion und eine Bronchitis. Ich will, wie gesagt, nicht prahlen.

2017, 01, 04

Meine erste Erinnerung an Star Trek ist aus Farbe. Es muss so um 1987 gewesen sein, im Osten Berlins, dass meine Mutter einen Farbfernseher kaufte. Von meinem Vater, bei dem ich damals wohnte, war sowas nicht zu erwarten. Er hatte schon nicht verstanden, warum der Rundfunk irgendwann mit Bildern ausgestrahlt wurde, dass die jetzt auch noch Farben haben mussten, war ihm erst recht suspekt. Ich kann also nur bei meiner Mutter gewesen sein, als ich meine erste Folge Raumschiff Enterprise sah. Oder TOS, wie wir knallhart draufen Trekkies sagen. Von der Folge weiß ich nur ein Detail, nämlich, dass Spock mit Kirk und noch einem über die Gänge schritt und bald zwei oder drei weitere Besatzungsmitglieder vermöbelte. Ich habe die Serie Jahre später vollständig gesehen, die meisten Folgen mehrfach. Ich kann bis heute nicht sagen, welche Folge das war, an die ich mich als meine erste erinnere. Möglich, dass ich was durcheinanderbringe, möglich auch, dass sich eine mir späterhin gut bekannte Folge bei diesem ersten Mal sehr anders darstellte. Es gäbe ein paar Kandidaten. Nicht zuletzt diejenige, in der der Spock des Paralleluniversums Kirk rettet, obwohl dieser Spock ja – aber wie konnte ich das damals wissen? – als Bartträger vom echten Spock unterscheidbar gewesen wäre. Rückblickend wird mir manches klar. Mein erster Eindruck von Star Trek war demnach, dass es dort munter hergeht, und bei Problemen gibts auf die Mütze. Von diesem Eindruck dürfte meine Rezeption maßgeblich geprägt gewesen sein. Vielleicht erklärt das die schwer verständliche Geduld, die ich all die Jahre für Roddenberrys Spezialmacke um friedliche Lösungen und Diplomatie aufbrachte. Ich hielt das vermutlich für eine Phase, die er irgendwann auch wieder überwunden haben dürfte.

2017, 01, 04

Heute Asterix bei den Briten. Als ich den das letzte Mal gesehen habe, hätte ich Arsene Wenger noch für eine Giftsorte gehalten. Vorausgesetzt, dass er damals schon geboren war. Gleich gehts los. Ich freue mich aufs Wildschwein in Pfefferminzsauce.

2017, 01, 04

Wir unterbrechen die Sendung für Verbraucherinformationen. Ein neuer Blog, ein alter Witz fegt heiß durchs kalte Land. Benjamin Weissinger ist der witzigste Mensch, den ich kenne. Das ist natürlich eine Übertreibung, aber eine wahre. Denn selbst wenn ich einen witzigeren kennte, einen witzigeren als ihn will nicht kennen, weil ich dann nicht mehr sagen könnte, dass er der witzigste Mensch ist, den ich kenne. Es klingt so gut, und er hat das verdient. Denn er beherrscht die kleinen Formen (den Witz, die Anekdote etc.) Früher wäre sowas in Buchform erschienen und hätte Lichtenberg und Sterne in den Schatten gestellt. Heute ist alles unübersichtlich geworden, selbst das Internet. Das hier ist Benjamins neue Webseite. Abonniert sie, freundet ihn auf Facebook an und deaktiviert, wenn ihr schon dabei seid, euer Leben zu verbessern, auch gleich eure Twitteraccounts.

2017, 01, 03

Jeder Mensch, meine ich, hat die Pflicht, im Laufe seines Lebens seine Muttersprache um 1 Wort zu erweitern. Das Recht auf Worterweiterung ist unbegrenzt, aber die Pflicht sollte, wie gesagt, bei 1 liegen. Ich will ihr heute Genüge tun, damit ich den Rest meiner Jahre Ruhe habe. Mein Wort ist: lahmatmig. Es setzt sich zusammen aus lahmarschig & langatmig.

Unter 1000 Spracherweiterern fällt danach das Zufallslos auf einen, dem das Recht zugesprochen wird, 1 Wort aus seiner Muttersprache zu streichen. Da ich nun im Topf bin, halte ich an dieser Stelle schon mal fest, welches Wort ich im Fall das Los mich träfe zur Streichung bestimme: nervig. Es setzt sich zusammen aus Schwachsinn & sonst gar nichts.

2017, 01, 02

– Ich weiß gar nicht, was es dazu noch zu sagen gibt .
– Ich auch nicht, und wenn es nichts mehr zu sagen gibt, dann sage ich das auch.

2017, 01, 02

Natürlich sind auch Neocons nicht ohne Utopie. Aber man darf doch staunen, weil niemand exzessiver von seinem Recht auf Utopieverleugnung Gebrauch macht als gerade diese Richtung. Da ich Ossi bin, habe ich immer vermutet: Wo es einen Ulf Poschardt gibt, muss es auch einen Zwulf Poschardt geben. Und hier ist er nun:

»Allein die Illusion, dass im neuen Jahr alles anders und besser werden kann, ist als Aberglaube auch für Rationalisten hilfreich. Es ist die banalste und zarteste Form der Utopie.«

2017, 01, 01

Es ist übrigens interessant, wenn ich mich an die Zeit in Japan erinnere, wie anders dort der Jahreswechsel akzentuiert ist. In Japan interessiert sich niemand für Silvester und alle für Neujahr. Die Vorstellung, den ersten Tag des Jahres verkatert vom Alkohol und mit Blähungen vom Käsefondue zu verbringen, erscheint den Leuten dort reichlich absurd. Man bleibt bis Mitternacht wach, läuft dann zu einem Shintō-Schrein, kauft sich vielleicht noch einen Snack und geht bald fröhlich schlafen. Zu Neujahr steht man mehr oder weniger zeitig auf, schnaboliert sein Osechi und unternimmt was Schönes. Es kommt an auf den 1. 1., man blickt also nach vorn. Der Star ist die Zukunft. Wir gucken zum Jahreswechsel zurück, und so wie wir feiern, so reden wir auch. Es geht um die Vergangenheit. Ich mag mich nicht entscheiden und versuche daher jedes Jahr, Silvester wie die Europärer und Neujahr wie die Japaner feiern. Funktioniert hat das noch nie, und ich überlege immer noch angestrengt, wo der Fehler liegt.

2017, 01, 01

Kein Mensch sollte zu Neujahr Spazierengehen müssen. So böse kann niemand gewesen sein.

2017, 01, 01

Happy New Year, Freunde!