2018

 

An dieser Stelle bricht das Manuskript ab — die Red.

16.03.

»Was darf Tucholsky? Alles.«

Satire

28.02.

In den Neunzigern war es ganz leicht, die Herzen der Mitmenschen zu erobern. Man musste sich nur einen Haarreifen vor die Augen klemmen und fragen: Weißt du, wer ich bin?

27.02.

Wie zu erwarten spielt Colin Firth in »The Mercy« alle an die Wand. Bis auf das Boot natürlich.

26.02.

Was für ein banaler, oberflächlicher, lustlos gemachter Film »La La Land« ist, kann man sehen, wenn man ihn mit »Whiplash« vergleicht. Insbesondere das Finale, das ohne ein gesprochenes Wort, allein mit den Mitteln der Musik, scharfsinnig die Logik von Geist & Körper, bzw. Teil & Ganzem erzählt, der persönlich motivierte Verrat des Dirigenten am Orchester, die Rebellion eines Instruments gegen den Verrat, erst in Form des Widerstands gegen den Rest des Orchesters, dann den Rest mitziehend, bis schließlich der Dirigent zum ausführenden Organ des Orchesters wird, und erst dann wieder übernehmen kann. Und am Ende siegt die Kunst über allen persönlichen Scheiß. Sowas dreht und schreibt Damien Chazelle, und drei Jahre später bringt er nicht mehr heraus als ein La La. Ich begreifs nicht.

22.02.

Als Salomon gerade zwei Monate Richter war, kamen zwei Frauen zu ihm, die sich um ein Kind stritten. Salomon, dem unmöglich war, herauszufinden, wer mehr Anrecht auf das Kind hatte, dachte lange nach, wie er ein gerechtes Urteil fällen könne. Keine der Frauen würde freiwillig verzichten. So verfügte er, weise, wie er war, dass die eine Frau das Kind teilen und die andere sich dann ihre Hälfte aussuchen solle. Damit würde keiner ein Nachteil entstehen. Später haben die Hofschreiber die Geschichte etwas umgeschrieben. Aber die zentrale Botschaft blieb erhalten: Salomon war ganz schön schlau.

21.02.

Zum Studium der Geisteswissenschaften gehört übrigens auch, dass man den richtigen Umgang mit Quellen lernt.

https://www.neues-deutschland.de/artikel/972679.was-erlaube-strunz.html

21.02.

Wenn ich einen Kalauer vollendet habe:

19.02.

Wie Jesus neige auch ich manchmal dazu, Dinge auf mich zu nehmen, damit ihr das nicht müsst. Ich habe gerade den Dokumentarfilm »Die stille Revolution« gesehen, der ebenso gut unter dem Titel »Deutsches Kapital schreibt am Faust III« vermarktet werden könnte. Und gleichfalls wie bei Jesus lautete auch mein erster Satz danach: »Es war nicht nur schön.« Der Film kommt am 22. März in die Kinos. Ich sage euch das jetzt, damit ihr nicht vergesst, euch was Nettes vorzunehmen. Wozu der Film allerdings wirklich taugt, das ist die Innenansicht einer Klasse, also die Frage, was Menschen zu denken bereit sind, wenn ihr Alltag aus Handlungen besteht, mit denen sie eigentlich nicht klarkommen. Er ist das Negativbild des »Verhörs von Habanna« und lohnt daher besichtigt zu werden.

19.02.

Wenn ich mir die Frage stelle, warum »The Shape of Water« so schlecht ist, obgleich er so unzweifelhaft gut ist, bleibe ich an Michael Shannon und seiner Darstellung des Sicherheitschefs Strickland hängen. So viel Schönheit und Können ist auf das Szenenbild, die Kamera, die Farben, die Musik und die anderen Hauptrollen gefallen, so bemerkenswert die Metapher von der Liebe als Gestalt des Wassers, die den Liebenden umgibt, gestaltlos, weil in allem enthalten. Dagegen wiegt der Makel des Gegenspiels, des Mr. Strickland, bloß Bösewicht zu sein, desto mehr und droht den ganzen Film wie ein Sandsack in tiefgrüne Sumpfgewässer zu ziehen. Strickland ist eine Karikatur in denial. Wäre er wenigstens bloß diabolisch, doch er erinnert in seiner Kreuzung aus Sadismus und verstockter Jämmerlichkeit sehr an Nelson van Alden. Wie viel besser könnte das alles sein, wenn Regie und Drehbuch auch ihm sowas wie innerere Konflikte oder Tiefgang zugestanden hätten statt ihn zu pathologisieren. Handlung braucht Kollision, und Kollision wird in dem Maße wichtig, in dem sie auf Gleichgewicht beruht. So ruckt & zuckt das Gespann, wie bei Platon, weil der eine Gaul (die Idee) topfit und der andere (die Dramaturgie) ein wenig lahm ist.

17.02.

Kalauer, die man sich erstmal trauen muss #48

Ich will keine Berlinale,
Ich will lieber gleich nach Cannes.

13.02.

Es gibt eigentlich nur drei Sorten von Autoren: solche, die zu viele Kommata setzen, solche, die zu wenige setzen, und dann noch solche, die die richtige Anzahl an Kommata setzen, aber ein jedes an die falsche Stelle.

13.02.

Wer immer wann immer die nächste Biographie zu Günter Grass schreibt, möge bitte folgende Passage darin verweben: »Sein Bestreben, wie Thomas Mann zu sein, nahm groteske Züge an. Er zog nach Lübeck und schrieb die ›Bekenntnisse eines Unpoetischen‹, ein gottlob verschollener Großessay, dessen schwerhöriger Titel auch gut über Grassens Werk insgesamt stehen könnte.« Das wäre noch keine hinreichende Bedingung für Lesbarkeit, aber doch schon mal ein Anfang.

10.02.

Die Serienlandschaft sprudelt vor neuen Einfällen. Nach »Die Brücke« (2011), dänische und schwedische Ermittler finden eine Leiche an der Grenze und müssen zusammenarbeiten, folgte »Der Tunnel« (2013), englische und französische Ermittler finden eine Leiche an der Grenze und müssen zusammenarbeiten. Ich rate zum Original: »Bon Cop Bad Cop« (2006). Es ist witziger und hat den Vorteil, dass es nach 2 Stunden wieder vorbei ist.

06.02.

Nach 12 Folgen ST Discovery hoffte ich auf wenigstens 1 Folge ST Recovery. Aber nee, nich mit Commander!

06.02.

Der Sohn hat sein gesamtes Taschengeld einem Freund geschenkt. Wir frugen, warum, und bekamen die Antwort, der Freund habe es gebraucht. Er kommt eben doch nach mir, denke ich. Bis ihm zwei Tage später einfiel, dass er das Geld selbst für mehr Lego brauche. Nunja, was ist ein Kind denn anderes als ein Kommunist mit Akrasie?

03.02.

Lektorin im Nacken, Abgabe vor drei Tagen, nach der Deadline nun auch die Deafline überschritten. Auf den letzten Metern lass ich Billy Joels »Vienna« laufen. Passt mal wieder alles. Ich hab aber noch nicht raus, wen er meint, sie oder mich.

28.01.

An »Wunder« nervt nicht das Sentimentale, genau deswegen gibt es solche Filme, und so weit leistet er, was er soll. Selten allerdings habe ich in einem Charakterfilm eine solch hemmungslose Schwarz-weiß-Malerei gesehen. Gute Menschen, die einfach gut sind und bleiben, böse Menschen, die nur dazu da sind, gut zu werden, und dann eben die bösen Bösen, bei denen gar nichts möglich ist. Am Ende 14 Happy-Ends in einem, und auf dem Weg dorthin wird jeder angebahnte Konflikt, der die Handlung kurzzeitig interessant zu machen droht, binnen weniger Minuten wieder aufgelöst. Ich dachte, der Drehbuchautorenstreik sei vorbei.

28.01.

Das mit den Hausaufgaben bleibt solange bloß schwierig und nicht unmöglich, bis sie im Physikungerricht lernen, dass der größere Teil an Bewegung im Kosmos aufgrund von Trägheit stattfindet.

24.01.

Er wollte 3.000 Zeichen. Krischta.

22.01.

Wenn Hochwasser noch nicht nervt, sieht es so aus

22.01.

»Three Billboards Outside Ebbing, Missouri« erzählt die Geschichte einer Frau, die hasst, weil sie liebt, und eines Mannes, der nur lieben kann, weil er hasst. Dass ausgerechnet die beiden zusammenfinden, ist eine der seltsamsten Wendungen, die ich auf der Leinwand gesehen habe. Und noch seltsamer ist, dass es so erzählt wird, dass es nicht mehr seltsam scheint. Wer Zeit hat, eine zudem vollkommen inszeniert und blendend gespielte Klamotte zu schauen, sollte sich diesen Quatsch unbedingt gönnen. Menschen mit leichter überschaubarem Gefühlsspektrum sollten derweil in »Hot Dog« gehen, dann aber aber wenigstens darum beten, dass Til Schweiger nie nach Hollywood zurückkehren möge.

22.01.

Netflix schickt mir immer wieder Mails mit der Nachricht, dass es einen neuen Film hinzugefügt habe etc. Werde jetzt jedesmal eine zurückschicken: Und ich habe den Abwasch gemacht etc. Ich denke, gegen Ende des Jahres werden wir heiraten.

22.01.

Odenwald-Sisyphos

19.01.

Ich übe gerade, eine Besprechung von »All the Money in the World« zu schreiben, ohne darin Kevin Spacey zu erwähnen. Das hat nicht nur den naheliegenden Grund, dass Kunst zählt und Betrieb zweitrangig sein sollte, sondern tatsächlich ist die Ausbootung Spaceys für den Film glücklich. Plummer passt in die Rolle, als sei sie für ihn geschrieben. Er soll ja auch Scotts erste Wahl gewesen sein, und ich vermute, dass sein Auftritt in »Inside Man« hierfür inspirierend war. Spacey, der auch schon solche Rollen hatte, die ihm wie geschneidert saßen, wäre in dieser Rolle eine Fehlbesetzung gewesen. Alles, was er spielt, wird immer ein wenig vulgär, auf dezente Weise vulgär, kann man sagen, und das passt in diesem Fall überhaupt nicht.

17.01.

17.01.

Benzinkosten bis Stuttgart und zurück, zweimal geblitzdingst, ein Ticket für falsches Parken. Kinoeintritt und eine Cola gratis. Alles verrechnet mit dem Honorar für die Besprechung, komme ich auf eine schwarze Null. Aus irgendeinem Grund fällt mir gerade diese Zeichnung von Fil ein, unter der steht: Meine materialistische Einstellung half mir, den Angriff der Trolle zu überleben. »Macht ja nichts, kostet mich keinen Pfennig!«

15.01.

Die Glaziale Serie des Profifußballs dauert in der Regel nicht länger als drei Jahre. Sie teilt sich in zwei Phasen, die Grund-Mourinho und die End-Mourinho. Die G-M ist das Resultat der Gewalt, die der Trainer während seiner Zeit beim Verein hinterlässt. Sie schließt jeden vergnatzten Spieler, jeden aus dem Presseraum verbannten Reporter, jeden entlassenen Masseur, jeden Rücktrittsruf der Fankurve und jede Änderung der Inneneinrichtung des Vereinsgeländes ein. Die E-M ist die Gesamtmenge der sich während der Serie anhäufenden Probleme, die der Trainer nicht unter sich zermalmen konnte. Sie nimmt vom ersten Tag der Amtszeit an kontinuierlich zu, bis sie den Weg des Trainers schließlich aufhält, so dass er im Misserfolg versandert und ins nahestehende Tal abfließt, von wo aus er Schwung für die nächste Serie bei einem anderen Verein nimmt. Wer sich fragt, warum Fußball so schrecklich langweilig ist, wird geschätzte 7 von 5 Antworten im Mysterium der Glazialen Serie finden.

11.01.

Gestern bei Kaufhof teures Skateboard gekauft. Heute bei Aldi geärgert.

10.01.

Das Schreiben von Filmkritiken für die Zeitung zeigt mir vor allem eins: Wie schön es war, die Freiheit zu haben, einfach zu schreiben, was man für richtig hält. Es ist kaum möglich, etwas Substantielles über ein Werk zu äußern ohne Spoiler. Man muss eine Rücksicht nehmen, die einen daran hindert zu sagen, was man zu sagen hat. Spoiler-Brüller sind Menschen, die ihre Probleme zu Problemen von anderen machen. Dabei wäre es so einfach: Sie müssten nur lernen, ins Kino zu gehen und die Zeitung geschlossen zu lassen.

08.01.

Es war nur eine Frage der Zeit, bis Discovery sich ebenfalls daranmacht, die Story des Paralleluniversums fortzuerzählen. Naturgemäß hier als Prequel. Offenbar kommt bei jeder ST-Produktion der Punkt, an dem sie zurück zu Mama will. Und dann muss eben eine knochentrockene, restlos ausgepresste Zitrone nochmals ihren Dienst leisten. Es passt, dass der Regisseur der Folge Jonathan Frakes ist. Der Star-Trek-Konzern ist wie der FC Bayern, wo Hansi Pflügler den Fanshop führt, Paul Breitner Sonderberater ist und Giovanne Elber Scout spielen darf. Nur Brent Spiner, der wird nicht mal Greenkeeper im neuen Universum. Mit Analogien sollte man aufhören, wenns am schönsten ist.

05.01.

05.01.

Das Pfeifen im Wald als Souvenir. Im Kommunismus stellen wir dann Wasserspender mit Nestle-Logo auf.

02.01.

Sie schreiben 180 Seiten darüber zusammen, wie man mit Rechten reden soll. Dann stoßen sie in den sozialen Netzwerken tatsächlich auf diese Rechten, von denen sie da reden. Und worüber reden sie mit denen? Darüber, wie man mit Rechten reden soll.

Könnte es sein, die Autoren haben sich beim Titel verschrieben und »Mit Rechten reden« sollte eigentlich »Mit Reden rechten« heißen?