Apr 112015
 

Lyzis, der amüsante Haßprediger, maßt sich an, meinen Essay übern Selbstverlag sozusagen mitverfaßt zu haben. Der Wunsch, Urheber eines Textes zu sein, den man selbst nicht hätte hervorbringen können, ist so alt wie das Schreiben selbst. Insofern. Auch Lyzis’ zähe Versuche, mittels Beleidigungen um meine Aufmerksamkeit zu betteln, seien ihm geschenkt. Ich habe mich, seit er mir und meinen Freunden einmal zugelaufen ist, daran gewöhnt und beziehe das nicht auf mich. Ich kann nichts dafür, daß seine Bemühungen um Hypotaxe vor allem beweisen, wie sehr er mit der deutschen Sprache zu kämpfen hat. Ich kann nichts dafür, daß er, wie einer jeden seiner Polemiken anzumerken, in der analen Phase hängen geblieben ist. Ich kann nichts dafür, daß er, wie mehr als einmal erklärt, Argumente für bürgerlichen Schwachsinn hält, weil es allein auf die richtige Position ankomme. Ich kann nichts für seinen subjektiven Müll und seinen unbewältigten Schmerz, oder dafür, daß er uns alle am liebsten ins Lager stecken möchte. Ich kann nichts für seinen mediengerechten Stalinismus, den er mit sich spazieren führt, als sei er der wandelnde Glutkern der kommenden Weltrevolution, der ihm aber bloß dazu dient, einflußlos und isoliert zu bleiben, also nichts anderes ist als ein Eskapismus, der von sich nichts wissen will.

Das alles kann und konnte mir gleich bleiben, aber wenn Lyzis seinen Versuch, auf mein Trittbrett zu springen, damit verbindet, mir Plagiat von Texten vorzuwerfen, die ich nicht nur zum Zeitpunkt der Abfassung meines Essays nicht gelesen hatte, sondern nach wie vor – die von ihm jetzt zitierten Passagen ausgenommen – nicht kenne, ist das eine ganz neue, über seinen üblichen Bartels-Haß hinausgehende Form der Niedertracht, weil man es dann nicht mehr nur mit einem Urteil, sondern mit einer Tatsachenbehauptung zu tun hat. Er beschimpft nicht nur, er fingiert einen Fall. Es ist aber mein Leben, über das er lügt, und ich lasse mir, wie verständlich, ungern Begebnisse in die Biographie schreiben, die nie stattgefunden haben. In dieser von Medien und Juristerei gezeichneten Welt ists leider so, daß man Lügen abstreiten muß, weil andernfalls interpretiert wird, man stimme ihnen schweigend zu.

Die Komparistik bedarf keiner Analyse. Jeder sieht, daß sich die gegeneinander gesetzten Stellen an höchstens ein oder zwei Punkten tatsächlich berühren (elementare Beobachtungen, die der unmittelbaren Anschauung des gesellschaftlichen Vorgangs entnommen sind, auf die also, soll das sagen, selbst Lyzis kommen konnte); jeder sieht ferner, daß die Ausführung der Gedanken, ihre Einbettung, ihre Herleitung wie überhaupt das ganze Thema meines Textes, um von der Sprache gleich ganz zu schweigen, vollkommen anders sind. So viel dann auch zum aberwitzigsten der zu lesenden Vorwürfe, dem, das angebliche Plagiat reiche »bis hinein in die Textstruktur«. Es wirft natürlich ein bezeichnendes Licht auf Lyzis’ Weise, die Welt wahrzunehmen, mithin auf seine Fähigkeit, Texte zu verstehen, die er selbst nicht verfaßt hat. Indes hat mein Freund Rapoport, der wie ich den guten Lyzis aus früheren Tagen kennt, in der Kommentarspalte dieses Blödelblogs geantwortet. Lyzis hat (auch das bezeichne ihn) den Kommentar nicht freigeschaltet. Daher sei er hier zitiert:

Ist das eine neue Kunstform? Nach der Postpostmoderne mit ihren Konstruktionen und dann Destruktionen nun die öffentliche Selbstdemontage? Nach des Dichters Autopoiesis kommt die Apoptose? Nach fest kommt ab? Meinstu, es ist reizvoll, dem geneigten Publikum vorführen, wie unter Schmerzen Dein Hirn kalbt?

Deinen Texten haften ja immer ihre Geburtsschreie an. Das ist ein Unvermögen, aber ein lässliches. Wenn Kinder lernen, sich den Schorf nicht ständig wieder von der Wunde abzukratzen, lernen sie Schmerz von Lust zu scheiden. Es gibt welche, denen das Denken Schmerzen bereitet und die es genau deshalb immer wieder versuchen. Sie haben nicht gelernt, den Schorf heilen zu lassen.

Das ist, wie gesagt, lässlich und sollte niemandem Ärger bereiten. Ärger wird es, wenn einer glaubt, sein Denkthema würde ihm, weil es ihm Schmerz bereitet, auch gehören. Gewiss, der Fehlschluss geschieht unversehens, denn Schmerzen sind etwas Privates. Jedoch. Daraus folgt einmal nach keiner Logik und auch sonst keinen Regeln des Schliessens, es wäre ein Denkgegenstand sofort Privateigentum, sobald man sich ihm einmal gewidmet hat.

Bartels, will ich sagen, kann schreiben, worüber er will. Was Du einleitend bejammerst, dass nämlich er »haargenau das spezifische Thema« Deines Textes behandelt, wäre, selbst wenn es stimmte, kein Grund zur Klage. Nur stimmt es dann noch nicht einmal. Bartels handelt vom Selbstverleger, der E-Bücher macht, während Du von der Bloggosphäre handelst. Der Unterschied zwischen einem Blog und einem Ebook ist Dir geläufig?

Und dann wird alles ganz schlimm. Dann kommen die Stellen. Das ist die öffentliche Selbstdemontage. Warum? Worin soll der Reiz dieser Performance liegen? Bartels hätte sich einen performativen Selbstwiderspruch gebracht? Ganz im Gegenteil, mein Lieber. Im Gegeneinandersetzen der Stellen beweist Du sowas von deutlich, dass Bartels ein anderes Thema anfasst, dass er andere Gedanken formuliert und schliesslich, dass zwischen Euer beider Vermögen, einen Gedanken klar zu formulieren, Welten liegen, dass es peinvoll ist, das zu lesen.

Warum? Lyzis, wozu diese Eseley? Formal, der Struktur nach, gleicht es einem Witz: Man behauptet etwas und bringt als Beweis das Gegenteil der Behauptung. Wenn aber es ein Witz sein sollte, müsstest Du ihn unbedingt von den Spuren Deiner Denkschmerzen bereinigen. Witze müssen leicht daher kommen, wie beiläufig. Mit Ernst und Pathos erzählt, verfehlen sie ihre Wirkung.

Ich weiss nicht, was Dich geritten hat. Wahrscheinlich das ungelenke Kalb Deiner eigenen Denkschwierigkeiten. Mach sowas nicht! Das ist selbst Deinen Freunden peinlich. Du glaubst, Du wüsstest, wo Bartels seinen Most holt? Ganz gewiss nicht in Deinem Saftladen.

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