Juni 252009
 

Das Große kommt meist in Verpackung des Kleinen ins Haus. Es gibt, will ich sagen, Anlaß und Ursache. Der Anlaß mag läppisch scheinen, wenn die Ursache es nicht ist, ist auch er es nicht. So denn wohl auch in jenem Problem, das mir nicht erst seit heute morgen auf die Nervenbahnen drückt. Ich nenne es einmal das Brötchen-Problem, und es läßt sich in einem Satz zusammenfassen: Es ist nicht mehr möglich, in Berlin ohne erhebliche Mühe genießbare Brötchen zu bekommen.

Wer wissen will, wie ein Problem zu beheben ist, muß wissen wollen, worin seine Ursache liegt. Continue reading »

Juni 232009
 

Goethe schafft es immer wieder, mich zu überraschen. Erst kürzlich las ich wieder einen Goethe-Satz, der mehr enthält als ganze Regale voll von Büchern zum selben Thema:

Wir sind naturforschend Pantheisten, dichtend Polytheisten, sittlich Monotheisten.

Wie macht der Mann das? Selbst die Überraschung gerät ja, wenn man sie zu erwarten beginnt, in die Gefahr, ihren Reiz zu verlieren. Jemand also, der immer wieder überrascht, muß über einiges mehr verfügen als bloß die Fähigkeit zu überraschen.

Ich lese Goethe, seit ich denken kann; manches von ihm immer wieder. Er ist der einzige Dichter, der Continue reading »

Juni 222009
 

Ein jedes Lehrbuch über das Tanzen sollte so beginnen: Der menschliche Körper ist das größte Hindernis beim Tanzen.

In der Weltgeschichte wieder müßte man sagen: Was dem Menschen bei der Durchsetzung seiner Interessen im Wege steht, das sind vor allem die menschlichen Interessen.

Überhaupt aber gilt: Schuld hat immer die Materie.

Materie ist der Inbegriff des Daseins, und das Dasein hat an sich, daß es auch im günstigsten Fall nicht so vollkommen sein kann, wie es sich ideell denken läßt. Leibniz hat darüber ein dickes Buch geschrieben: Continue reading »

Juni 212009
 

Sappho ist eine lesbische Dichterin im doppelten Sinne des Wortes. Sie lebte auf Lesbos, schrieb im lesbisch-aiolischen Dialekt (dem ungemütlichsten von allen), und sie pflegte sexuelle Neigungen zu Frauen. Gut möglich, daß sie bisexuell war; heterosexuell war sie nicht.

Heute weiß das jeder. Zu gut passen die persönlichen Beziehungen, die in Sapphos Gedichten gespiegelt werden, in den kulturellen Zusammenhang der Initiationsriten, die es eben nicht nur für Männer, sondern auch für Frauen gab, und für die gleichgeschlechtliche Bindungen nicht untypisch zu sein scheinen. Continue reading »

Juni 202009
 

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Vielleicht hat Monika Maron, der man jüngst den Nationalpreis für ihr „Werk“ übergeholfen hat, in ihrem Leben nie einen wahreren Satz gesagt als den, mit dem sie zu ihrer Dankesrede anhub:

Der Preis der Deutschen Nationalstiftung ist kein Literatur-Preis. Er ist ein politischer Preis

Ich begrüße so viel Ehrlichkeit. In der Tat sind die drei Preisträger Uwe Tellkamp, Erich Loest und eben Monika Maron literarisch gesehen bestenfalls Holzklasse Continue reading »

Juni 192009
 

Als aber die frühgeborene erschien, die rosenfingrige Eos …

Aller Anfang ist schwer, heißt es, und müßte doch heißen: Aller Anfang ist falsch. Der Anfang ist eine widersinnige Sache, in der gesetzt wird, was doch erst späterhin erlangt werden kann. Vielleicht war es dieser Gedanke, der Parmenides zu jenem Ausspruch brachte, wonach dorthin, von wo aus er anfange, er jedenfalls auch wieder zurückkehren werde. Fasse ich spätere Philosophen ins Auge, die ebenfalls die Frage nach dem Anfang gestellt haben – Aristoteles etwa, Kant und Hegel – so sehe ich, daß auch sie es darin nicht viel weiter gebracht haben als Parmenides. Mag sein, sie haben die Frage bereichert; die Antwort nicht. Continue reading »